Arbeitnehmerveranlagung 2017 in Österreich – Lohnsteuerausgleich

Die große Steuerreform 2016 war nach 7 Jahren längst überfällig. Der Mittelstand musste entlastet werden. Dies hat bei den ersten Blicken auf die Lohnzettel der Österreicherinnen und Österreicher auch funktioniert.

Doch wenn Euros beim Lohnsteuerausgleich verschenkt werden, dann relativiert sich dieser Effekt relativ schnell. Deshalb müssen gerade bei der ANV 2017 viele der neuen Bestimmungen peinlich genau beachtet werden, damit der Fiskus nicht mehr bekommt, als im zusteht.

Außerdem tritt in diesem Jahr noch eine weitere Änderung in Kraft, welche eine Vereinfachung der Arbeitnehmerveranlagung mit sich bringen soll, denn gerade Personen mit geringem Einkommen haben nicht immer das volle Potential der Steuererklärung ausgenutzt und ohne Antrag viel Geld verschenkt.

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Was waren die wichtigsten Änderungen der Reform 2016 für die ANV?

Im Jahr 2017 muss das erste Mal gemäß den neuen Regeln der Steuerreform veranlagt werden. Deshalb sollten alle Änderungen erneut ins Gedächtnis gerufen werden, wenn sich kein Steuerberater um die Arbeitnehmerveranlagung kümmert.

Diese Bestimmungen werden auch noch einige Zeit gelten, wenn man sich die Frequenz der Steuerreformen vor Augen führt, die nur alle paar Jahre durchgeführt werden. Diese Tipps behalten folglich ihre Gültigkeit.

Die offensichtlichste Veränderung ist bestimmt die Verschiebung und Erweiterung der Steuerklassen, aber für die ANV selbst besitzen andere Punkte größere Bedeutung, da es bei der Veranlagung um die Verringerung der Bemessungsgrundlage geht, um dann später in eine möglichst günstige Steuerklasse zu fallen:

  • Einkommen bis 11.000 Euro: 0 Prozent
  • 11.000 Euro bis 18.000 Euro: 25 Prozent
  • 18.000 Euro bis 31.000 Euro: 35 Prozent
  • 31.000 Euro bis 60.000 Euro: 42 Prozent
  • 60.000 Euro bis 90.000 Euro: 48 Prozent
  • 90.000 Euro bis 1 Million: 50 Prozent
  • über 1 Million: 55 Prozent

Hinweis: Als Grundlage für die Einstufung wird das steuerpflichtige Einkommen herangezogen und das ergibt sich eben durch die ANV. Die Berechnung erfolgt dann immer gestaffelt. Für die ersten 11.000 werden folglich immer 0 Prozentpunkte verrechnet.

Für die nächsten 7.000 die veranschlagten 25 Prozent und so weiter. So würde sich die Steuer bei einer Bemessungsgrundlage von 20.000 folgendermaßen zusammensetzen: 11.000 x 0 + 7.000 x 0,25 + 2.000 x 35 = 2.450

Doppelter Kinderfreibetrag

Um das steuerliche Einkommen möglichst effizient zu verringern, müssen die Änderungen bei den Freibeträgen und Sonderausgaben beachtet werden. Besonders kinderreiche Haushalte profitieren von der Reform. Der Kinderfreibetrag wurde verdoppelt und beträgt 440 Euro pro Kind, wenn nur ein Elternteil arbeitet.

Sollten beide Elternteile berufstätig sein, wird der Betrag gesplittet und beträgt dann 300 Euro pro Kind und Elternteil. Im Gegenzug fallen zwar die Topfsonderausgaben ab mindestens drei Kindern weg, aber gesamt gesehen ist dies durchaus eine Verbesserung bei der Arbeitnehmerveranlagung für Familien.

Negative Veränderungen betrafen vor allem Vermögensanlagen, welche früher steuerlich geltend gemacht werden konnten. Das beste Beispiel wäre die klassische Lebensversicherung (in erster Linie Erlebensversicherung), die früher neben dem Bausparen gerne als sichere Vermögensanlage genutzt wurden. Der große Vorteil war nicht die Rendite, sondern die steuerliche Absetzbarkeit. Dies fällt nun für neue Verträge weg. Somit dürften wir einen wesentlich Rückgang der Neuabschlüsse in diesem Bereich verzeichnen. Bestehende Verträge können aber noch bis zum Jahr 2020 in der Arbeitnehmerveranlagung berücksichtigt werden.

Ebenfalls vorteilhaft wurde die Berechnung der sogenannten Negativsteuer novelliert. Dieses Konzept betrifft Personen, die zwar genug verdienen um in die Sozialversicherung einzuzahlen, aber keine Lohnsteuer bezahlen müssen, da ihr Einkommen nach Abzug aller Werbungskosten, Spenden und Freibeträge unter 11.000 liegt.

In diesen Fällen fällt eine Negativsteuer an, die wesentlich durch die Steuerreform 2016 erhöht wurde. Zuvor wurden 10 % der Sozialversicherungsbeiträge und maximal 110 zurückgezahlt. Mittlerweile handelt es sich um 40 % und 400 maximal pro Jahr. Dieser Betrag kann sogar noch durch diverse Situationen, wie das Anrecht auf die Pendlerpauschale erhöht werden. Zudem wird nun sicher gestellt, dass jeder diese Negativsteuer auch erhält.

Was ist die Einführung der antragslosen Veranlagung?

Unter bestimmten Voraussetzungen muss ab dem Jahr 2017 kein Lohnsteuerausgleich mehr durchgeführt werden:

  • Es wurde nur Einkommen aus nichtselbständiger Arbeit generiert oder diese Annahme ist zumindest wahrscheinlich.
  • Es ist von einer Steuergutschrift auszugehen.
  • Die Bankverbindung des Steuerzahlers ist bekannt.
  • Es wurde bis zum 30. Juni des jeweiligen Jahres noch keine Arbeitnehmerveranlagung eingereicht.
  • Die Bankverbindung des Steuerzahlers ist dem Finanzamt bekannt.
  • Die Einkünfte und die üblichen Sonderzahlungen sind bekannt.

Sofern all dies zutrifft, führt das Finanzamt ab 2017 automatisch eine Arbeitnehmerveranlagung durch. Nur wer bisher immer eine Reihe von besonderen Sonderausgaben oder Spenden anführte, sollte dies weiterhin tun.

Diese Praxis soll in erster Linie den Menschen helfen, die bisher die Einreichung der ANV versäumten und so Geld verschenkten. Vor allem Personen ohne die Pflicht Lohnsteuern zu zahlen, da sie weniger als 11.000 im Jahr verdienten, gehören zu dieser Gruppe. Sie verschenkten nämlich die Negativsteuer und damit soll mit dem Lohnsteuerausgleich 2017 Schluss sein.

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