Schulreform in Österreich – Bildungsreform 2016/2017

Kinder werden nicht nur als Quell steter Freude beschrieben, vielmehr sehen wir in Ihnen berechtigtermaßen unsere Zukunft.

Um diese Zukunft nun zu stärken und den Kindern mehr Möglichkeiten zu geben ihre Talente optimal auszunutzen haben sich nun SPÖ und ÖVP auf eine Bildungsreform geeinigt. Nachdem es zuvor heftige Querelen zwischen beiden Parteien gab, welche um das größte Wohl für die kommende Generation rangen konnte nun eine Einigung in vielen Punkten erreicht werden.

Diese Bildungsreform macht dabei weitreichende Änderungen geltend, welche teilweise in größeren Zugeständnissen für die Entscheidungsgewalt der einzelnen Schulen mündet. Gleichzeitig werden jedoch auch gemeinsame bundesweite Standards geschaffen, so zum Beispiel in der richtungsweisenden Ausstattung der Schulen hinsichtlich des Internetzugangs.

Was ändert sich durch die Bildungsreform in Österreich?

  • Mehr Entscheidungsgewalt für Direktoren >> So haben Direktoren in Zukunft mehr Entscheidungsgewalt inne und können somit genauer auf die Probleme und Chancen ihrer jeweiligen Schule reagieren. Dies äußert sich beispielweise darin, dass die Lehrer den Schulen nicht länger zugeordnet werden sollen, sondern vielmehr durch die Schulleiter selbst ausgewählt werden können. Diese Änderung, welche den Lehrerberuf ein Stück weit näher an andere Berufe der Marktwirtschaft angleicht ist auch dahingehend von Bedeutung, dass in den nächsten Jahren eine Pensionierungswelle unter Österreichs Lehrern bevorsteht und somit einige neue Stellen zu vergeben sind. Somit ist dies ein echtes Zugeständnis an die Direktoren und ein zusätzlicher Ansporn für die künftigen Lehrer, welche sich nun gezielt auf Stellen an einzelnen Schulen bewerben können.
  • Schulzeiten und 50-Minuten-Einheit >> Darüber hinaus haben die Schulen nun auch die Freiheit eine Abkehr von der 50-Minuten-Einheit zu praktizieren. In Zukunft soll den Direktoren die Entscheidung überlassen werden, ob weiterhin in 50-minütigen Lehreinheiten Stoff aus dem Lehrplan vermittelt werden soll oder welche Zeitspanne sie für angemessen erachten. Dabei erfolgt jedoch keine Anpassung der Gesamtstundenzahl. Diese bleibt für alle Schulen gleich. Die Start- und Endzeiten der Schule können künftig ebenfalls autonom entschieden werden. So gibt es keinen Zwang die Schule um acht Uhr beginnen zu lassen. Auch über die so bezeichnete „Kreuzfrage“ können die Schulleiter in Zukunft eigenständig für ihre Schule entscheiden. Die Debatte drehte sich hierbei um das Aufhängen christlicher Symbole in Klassenzimmern. Diese wird nun nicht bundesweit sondern an den Schulen jeweils autonom geklärt. So können weiterhin Kreuze aufgehangen werden, eine Neutralität ist nicht verpflichtend. Jedoch können natürlich auch andere religiöse im Klassenzimmer Einzug finden.
  • Frühkindliche Förderung mit dem Bildungspass >> Zukünftig sollen alle Kinder ab 3,5 Jahren und damit schon bereits vor dem Eintritt in den Kindergarten über einen Bildungskompass verfügen. Dieser soll dabei festhalten welchen Nachholbedarf die Kinder in welchen Bereichen haben. So können Eltern auf diesen reagieren und eine individuelle Förderung wird unterstützt. Dies kann künftig die Entwicklung von Kindern aus teilweise sozial schwachen Haushalten nachhaltig fördern und Eltern Handlungsmöglichkeiten aufzeigen. Doch auch Talente können so bereits früh aufgezeigt und weiterhin gefördert werden. Damit wird den Interessen des Kindes versucht gerecht zu werden. Beim Bildungskompass findet dabei die Kenntnis der deutschen Sprache und andere Eigenschaften Eingang. Der Bildungskompass soll dabei ab 3,5 Jahren bis zum Ende der Schulzeit fortlaufend aktualisiert werden.
  • Unklare Regelung beim Kindergarten >> Nachdem lange Zeit das verpflichtende zweite Jahr im Kindergarten disktutiert wurde, findet dieses nun Einzug in die neue Reform. Somit müssen alle Kinder den Kindergarten zwei Jahre lang verpflichtend besuchen. Diese Pflicht wird jedoch durch eine Klausel aufgeweicht, was die Kritiker der Reform zum Kochen bringen dürfte. Die Regelung soll für all jene Kinder gelten, welche keinen weiteren Förderungsbedarf haben. Somit sollen sie nur ein Jahr in den Kindergarten gehen müssen. Kritiker sehen hierin eine Diskriminierung bereits im frühkindlichen Alter, welche schon zeitig für Frustrationen sorgen kann. Ebenso ist die Regelung nichts halbes und nichts ganzes für viele, da so doch viel Ermessensspielraum übrig bleibt. Ebenso ist kritisch zu hinterfragen ob die Fixierung auf Leistungen bereits in einem so jungen Alter noch ein kindgerechtes Aufwachsen möglich macht.
  • Streitpunkt Gesamtschulen >> Eine weitere etwas uneindeutige Regelung wurde für die Einführung von Gesamtschulen getroffen. So dürfen diese in Zukunft in den einzelnen Bundesländern erschaffen werden, jedoch ohne Fördermittel vom Bund, und die Anzahl von 15 Prozent der Schulen nicht überschreiten. Ebenso dürfen diese Schulen nicht über 15 Prozent der Schüler umfassen. Somit kann kein Bundesland als ganzes zur Modellregion werden.

schule-lernenSomit sollen immer Vergleichswerte innerhalb eines Bundeslandes erzeugt werden. Dabei soll das Projekt weitestmöglich wissenschaftlich betreut und gescreent werden um so Erfolge beziehungsweise Missstände dokumentieren zu können.

Nachholbedarf soll so erkannt werden und notfalls die Einführung rückgängig gemacht werden. Bei der Gesamtschule sollen die Schüler längere Zeit, bis zum Alter von 14 Jahren, in ihrem ursprünglichen Klassenverband bleiben.

Einzelne Schulen sollen per Verordnung zwangsweise zu Modellschulen erklärt werden. Dies löst natürlich heftige Kritik aus, da die Schulen sich somit unterdrückt und eingeschränkt in ihrer Entscheidungsgewalt sehen.

  • Ausstattung und Start in ein neues digitales Zeitalter >> Dagegen freuen können sich die Schulen über die neue Zielsetzung in der Digitalisierung. Diese soll an den Schulen weiter voranschreiten. Dazu sind schnellere Internetzugänge und W-Lan an allen Schulen geplant. Umgesetzt werden soll dies bereits bis 2020. Dabei erwartet sich der Bund eine positive Attitüde gegenüber technischen Innovationen seitens der Lehrer. Ferner können in Zukunft Projekte dieser Art bei einer neu eingerichteten Bildungsstiftung eingereicht und genehmigt werden.

Essenz der Reform >> Kern der zu erwartenden Reform ist dabei die zunehmende Autonomie der einzelnen Schulen, welche so besser auf die eigenen Bedürfnisse reagieren können sollen. Insbesondere die Rolle des Direktors wandelt ich dabei, welcher eher zu einem Schulmanager wird und weitreichende Entscheidungsfreiheit hat. Dazu gibt es in Zukunft einheitliche Ausbildungsstandards für Schuldirektoren und neue Studiengänge für den Beruf.

Die Schule soll so modernisiert werden und Probleme werden auf vielen verschiedenen Ebenen angegangen. Dabei ist abzuwarten, wie die Veränderungen wirken. Das Reformpaket wirkt dabei wie eine Abkehr von einigen klassischen Positionen der Bildungspolitik hin zu modernen und flexiblen Regelungen. Dennoch regt sich auf verschiedenen Ebenen bereits Kritik.

So kritisieren zahlreiche Eltern und auch die anderen Parteien Österreichs die Einigung der beiden Parteien teilweise harsch. Dabei ist zu erwähnen, dass diese dabei auch aus Unsicherheit erfolgen kann, da die Reform nicht zu geringen Teilen wie eine Black Box wirkt, da viele Ansätze erstmals ausprobiert werden und somit wie eine Testung in einem heiklen Gebiet wirken. Angst machen dürfte vielen Eltern auch, dass es künftig keine Beschränkungen mehr für die Klassengrößen gibt.

Dies gilt für nahezu alle Unterrichtsbereiche mit Ausnahme jener, welche sicherheitsspezifisch relevant sind, wie etwa der Laborunterricht.Die Befürchtung hierbei liegt darin, dass die künftigen Schulmanager dies als Sparmaßnahme verstehen könnten um so wenige Lehrer einstellen zu müssen.

Welche Folgen die Umsetzung haben würde scheint derzeit noch sehr ungewiss. Ob die Reform also schlussendlich kommen wird und ob diese dann wie geplant ausgeführt wird bleibt also abzuwarten, fest steht lediglich, dass Änderungen in der Bildungspolitik notwendig scheinen. Wie die Zukunft unserer Kinder und somit auch unsere aussehen wird bleibt folglich spannend.

Quellen und Details zum Thema Bildungsreform in Österreich 2016/2017:

Deine Meinung ist uns wichtig

*