Die EZB Zinsen – Zwischen Theorie und Wirklichkeit

In unserem ersten Teil der Reihe zu dem Leitzins der Europäischen Zentralbank haben wir Sie über die grundsätzlichen Begrifflichkeiten um diese Thematik herum aufgeklärt. Wirtschaft, Politik und Unternehmen waren dabei zentrale Punkt.

Die jeweiligen Ansätze waren jedoch eher theoretischer Natur. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass die Realität oft nicht der Theorie entspricht. Im ersten Ratgeber gab es darauf bereits Andeutungen. Wir wollen in diesem Artikel auf die Andeutungen nun eingehen und Erklärungsansätze bieten.

Ratgeber-Reihe zum EZB Leitzins im Überblick

1) Einführung zum Thema Leitzins der EZB
2) Auswirkung der Leitzinsen – Zwischen Theorie und Wirklichkeit
3) EZB Leitzins 2014 – Prognose zur Leitzinsentwicklung
4) Leitzins und Tagesgeldzinsen – Zusammenhänge und Hintergründe

Dient der Leitzins als Orientierung?

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Orientierung durch Leitzinsen

Der Zinssatz, der durch die EZB herausgegeben wird, hat eine klar orientierende Funktion. Entsprechende Veränderungen werden über Nachrichten, Medien und Politik kommuniziert. Die Volkswirtschaft erwartet oftmals mit großer Spannung die entsprechenden Ergebnisse.

Dies ist vor allem deshalb zu beachten, da beispielsweise die EZB innerhalb vom Euroraum eine bestimmte Kursänderung vornehmen möchte. Diese Veränderung zielt direkt auch auf die Konjunktur bzw. die Wirtschaftslage ab. Darin enthalten sind auch die Faktoren der Inflation. Auch die Börse und Aktien reagieren und sind nervös.

Erste Auswirkungen in volkswirtschaftlichen Belangen sind oftmals zuerst an der Börse wahrzunehmen. Die Unternehmen selbst nehmen den Zinssatz ebenfalls als Orientierung wahr. Welche Auswirkungen können entsprechende Veränderungen auf die aktuelle Situation nehmen? Niedrige Zinssätze versprechen billige Kredite. Zumindest in der Theorie.

Nun kommen wir zu dem Aspekt, der für Kopfzerbrechen sorgt, vor allem bei der EZB, die ihren Hauptsitz in Deutschland hat. Denn der Leitzins entkoppelt sich zunehmend von den sogenannten Soll- und Habenzinsen.

Wenn Sie beispielsweise Kapital bei Kreditinstituten anlegen wollen, so herrscht aktuell eher ein unattraktiver Zinssatz vor. Bedingt durch den niedrigen Leitzins, der seit November 2013 auf einem Rekordtief steht, ist dies auch logisch.

Doch das Rekordtief hat beispielsweise nicht derart starke Auswirkungen auf den Zinssatz bei Krediten. Die Meinung der Experten ist daher unterschiedlich. Kommentare zur aktuellen Lage gehen davon aus, dass der Leitzins seit einigen Jahren in gewissen Bereichen an Bedeutung verliert.

Warum hat die EZB den Zinssatz gesenkt?

Innerhalb der EU herrscht seit einigen Jahren eine nicht zu unterschätzende Krise. Alles begann mit dem Platzen der Immobilienblase in den USA. Aus dieser Immobilienkrise, in der auch europäische und deutsche Banken verwickelt waren, entwickelte sich eine globale Wirtschaftskrise.

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Hintergründe der Zinssenkungen

Aus dieser Wirtschaftskrise wurde eine Währungskrise, vor allem bedingt durch die Staaten Griechenland, Spanien, Portugal und Italien. Nun ist die EZB aber ein äußerst wichtiges Kontrollorgan in der Geldpolitik und Wirtschaft. Die europäische Währung und der Wirtschaftsraum der EU werden durch dieses Institut observiert.

Das bedeutet im Umkehrschluss, dass die Währung Euro hochgehalten werden muss, egal mit welchen Mitteln. Der aktuelle Zinssatz beläuft sich auf 0,25 Prozent. Der niedrige Wert lässt sich in der Theorie durchaus schlüssig darlegen.

Ein niedriger Leitzins führt zu besseren Kreditkonditionen, was wiederum zu mehr Investitionen führt. Die Realität gestaltet sich jedoch ein wenig differenzierter. Eine Auswirkung auf Banken ist die Ankündigung, die Dispozinsen zu senken, wie auf http://www.focus.de/finanzen/banken/reaktion-auf-ezb-beschluss-die-ersten-banken-senken-ihr-dispo-zinsen_aid_1160544.html nachgelesen werden kann.

Zeigen sich positive Veränderungen?

Mario Draghi und die Zentralbank der EU haben das klare Ziel, die Währung stabil zu halten. Wie bereits dargelegt, funktioniert dies vor allem über die Investitionsfreude der Firmen. Die Finanzen haben dahingehend national wie auch international Auswirkungen zu verzeichnen.

Doch warum leistet die einzelne Notenbank nicht das, was sich die EZB wünscht? Blicken wir zuerst auf die nüchternen Zahlen. Die Inflation für 2013 wird bei ca. 2 Prozent liegen. Dieser Wert ist sehr positiv zu betrachten.

Preisstabilität herrscht vor, was wiederum Rückschlüsse darauf zurücklässt, dass die Währung in sich stabil ist. Doch das Problem ist an einer anderen Stelle beheimatet. Die Wetter-Lage in den Haushalten selbst ist nicht derart rosig.

Keine flüssige Kreditvergabe trotz niedrigem Zins

Keine flüssige Kreditvergabe trotz niedrigem Zins

Die Kultur zu investieren, nimmt nicht zu. Die Kreditvergabe gerät stark ins Stocken. Das wiederum führt dazu, dass das Wachstum der Wirtschaft nicht derart voranschreitet, wie es eigentlich könnte. Doch ist eine einzelne Bank daran schuld, dass die Wirtschaft nicht derart floriert?

Was kann dagegen unternommen werden?

Im Endeffekt muss es die Aufgabe der EZB sein, die Kreditvergabe der Banken spürbar anzukurbeln. Dabei besitzt das Institut verschiedene Mittel und Wege. In wirtschaftlich gesunden Zeiten können Banken Kapital bei der Europäischen Zentralbank hinterlegen und erhalten Zinsen darauf. Aktuell liegen diese Zinsen jedoch bei 0 Prozent.

Trotzdem hinterlegen viele Kreditinstitute ihr Geld. Um dieses Modell noch unattraktiver zu machen, wäre es beispielsweise möglich, dass negative Zinsen eingeführt werden. Das heißt, dass Kreditinstitute, die das Geld dort anlegen, eine Gebühr zahlen müssten.

Quelle: http://diepresse.com/home/wirtschaft/eurokrise/1482099/EZB_Debatte-uber-Negativzinsen

Experten sind jedoch der Ansicht, dass dieser Schritt ungünstig sei, da die Gebühren direkt an den Kunden weitergeleitet würden. Dieser Schritt wäre vermutlich konterproduktiv. Eine weitere Möglichkeit wäre es, wenn die Mindestreserve verringert würde.

Kreditinstitute müssen als Sicherheit Geld bei der EZB hinterlegen. Aktuell beläuft sich diese Mindestreserve auf 100 Milliarden Euro. Was aber, wenn die Reserve gesenkt wird? Beispielsweise auf 75 oder 50 Milliarden Euro? Den Banken würde somit mehr Geld zur Verfügung stehen, das umgehend als Darlehen an Unternehmen und Verbraucher ausgegeben werden kann.

Kurz zusammenfasst:

  • Niedrigster jemals vorherrschender Leitzins in der EU.
  • Ziel sind Wirtschaftswachstum und lukrative Darlehen.
  • Banken reichen diese attraktiven Konditionen nur bedingt weiter.

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