Förderungen für Sicherheitstüren nach Ö-Norm B5338

Erstmals seit 2010 verbucht die Bundeskriminalstatistik in Österreich einen Anstieg bei Einbrüchen in Wohnungen und Wohnhäuser. Gesamt wurden österreichweit 16.548 Einbrüche erfasst. Während in acht der neun Bundesländer die Einbruchsdelikte leicht rückläufig sind, erweist sich Wien hier als negativer Ausreißer. Das Plus an über 1000 Einbrüchen mehr gegenüber dem Vorjahr (2012) sorgt auch bundesweit für einen Anstieg von knapp 1000 Einbrüchen.

Erfahrungsgemäß entfallen dabei zwei Drittel auf Spontandelikte, ein Drittel wird als geplante Einbrüche erfasst. Vor allem den Spontantätern können Bürger mit einfachsten Maßnahmen die Wege in die Wohnungen und Wohnhäuser verbauen, mittels Sicherheitstüren, Sicherheitsfenster und Alarmanlagen. Entsprechende Maßnahmen werden in einigen Bundesländern unter diversen Auflagen auch gefördert.

Sicherheitstüren – fünf Minuten reichen

Sicherheitstüren werden im Fachjargon auch als einbruchshemmende Türen bezeichnet. Dem liegt zu Grunde, dass je nach Widerstandsklasse Einbrecher länger dafür benötigen eine Tür zu öffnen. Mit jeder Minute mehr steigt die Hemmnis, weiter zu machen beziehungsweise einzubrechen.

Schutz vor Einbrechern mit genormten Türen

Schutz vor Einbrechern mit genormten Türen

Egal ob Spontantäter oder geplanter Einbruch, die Wege in die Wohnung sind meist ähnlich. Eingangstüren, Fenster, Garagen und Terrassentüren bieten sich für einen Einbruch an. Sind diese nicht gesichert und somit leicht zu öffnen, haben Einbrecher leichtes Spiel. Dabei zeigen Erhebungen, dass selbst professionelle Einbrecher sich kaum mehr als fünf Minuten Zeit nehmen, um sich Zugang zu einem Gebäude zu verschaffen. Demzufolge ließe sich ein Großteil aller Delikte mit einer entsprechenden Sicherheitstür verhindern, die nach Ö-Norm B5338 einer Widerstandsklasse 3 entspricht, einer Basisvariante.

Normen für einbruchshemmende Türen

Sicherheitstüren oder einbruchshemmende Türen werden in Österreich geprüft und überwacht. Nur jene Türen, die einem entsprechenden Belastungstest standhalten können, werden nach der geltenden Ö-Norm 5338 mit einer Widerstandsklasse zertifiziert. Insgesamt werden 6 Widerstandsklassen vergeben (kurz: WK 1 – 6), wobei die WK1 nicht mechanisch geprüft wird.

Förderungen für Sicherheitstüren in Österreich – Widerstandsklassen

Diese Widerstandsklassen geben nicht nur Auskunft über die Qualität der Tür, sondern sind auch für entsprechende Förderungen relevant. Mit einer Ausnahme werden ausschließlich einbruchshemmende Türen der Klassen 3 und höher gefördert. Wie bereits erwähnt entspricht die WK3 einer Basisvariante, die WK4 bietet hochwertigen Schutz und wird auch vom kriminalpolizeilichen Beratungsdienst empfohlen. Die Klassen 5 bis 6 sind für private Wohnungen und Wohnhäuser wenig relevant.
Die entsprechende Einbruchsschutznorm für Österreich lautet Ö-Norm B5338, die EU-Norm ist mit EN-1627 gekennzeichnet.

Prüfungskriterien und Hochsicherheitstüren (VSÖ)

Diese Normen legen auch die entsprechenden Prüfungskriterien für einbruchshemmende Türen fest. Zu diesen zählen statische Belastungen (Kraftanwendung an Türbändern, Füllungsecken und Verriegelungspunkte), dynamische Belastungen (Tritte gegen die Tür) und manuelle Belastung mittels Einbruchswerkzeug. Je nach Widerstandsklasse dürfen bei den eingesetzten Mitteln keine durchgangsfähigen Öffnungen entstehen, auch die Schließvorrichtung darf nicht erreicht werden.
Der Verband für Sicherheitsunternehmen Österreich (VSÖ) vergibt ein weiteres Zertifikat, jenes der Hochsicherheitstüren (kurz: HST). Die entsprechenden Belastungstests werden im Gegensatz zur Ö-Norm (ein Einbrecher) mit zwei Einbrechern simuliert. Entsprechende Montagezertifikate und Plaketten weisen Hochsicherheitstüren aus. Diese Vorgehensweise entspricht auch der gängigen Praxis, da Einbrecher meist zu zweit agieren. Das Zertifikat des VSÖ ist für Förderungen nicht relevant.
Weitere Details und Informationen zu den Normen, Prüfungskriterien sowie Empfehlungen können auf den entsprechenden Seiten des Bundeskriminalamts – Kriminalprävention, des VSÖ oder des „Kuratoriums sicheres Österreich“ abgerufen werden.

Wesentliche Bestandteile einer Sicherheitstür

Um den Belastungstests nach der Ö-Norm gewachsen zu sein, müssen Sicherheitstüren auch entsprechend angefertigt werden. Je nach Anbieter werden verschiedene Modelle und Materialien verwendet, die einzelnen Bestandteile einer Tür, die es zu sichern und verstärken gilt, sind aber gleich. Dies gilt für einflügelige und zweiflügelige Türen.
Zuerst gilt es das Türblatt und den Türstock zu verstärken. Diese werden in der Regel mit Stahlprofilen versehen. Der Türstock wird darüber hinaus mit Türbändern und Einschwenksicherungen aus Stahl (meist mehrfach) zusätzlich gesichert. Auch Sperrleisten werden angebracht. Diese Maßnahmen dienen vor allem dem Schutz vor dynamischen Belastungen und auftretenden Kräften.
Ein weiteres, zentrales Element bildet das Türschloss. Hier werden Sicherheitszylinder eingesetzt, ebenso wie ein Kernziehschutz sowie ein Sicherheitsbeschlag. Eine Mehrfachverriegelung mit Bolzen und Kraftkeilen ist nahezu ebenfalls Standard wie ein Aufbohrschutz. Diese Sicherheitsmaßnahmen sollen verhindern, dass Türen mittels einfacher Werkzeuge binnen Sekunden geöffnet werden können. Für eine einfache Tür beziehungsweise für ein nicht gesichertes Schloss reicht tatsächlich ein Stück Karton, um die Tür zu öffnen. Vor allem die Mehrfachverriegelung kann dies verhindern.
Generell wird im Bereich der Sicherheitstüren zu einer Maßanfertigung geraten, darüber hinaus sollte die Montage auch von einem entsprechenden Unternehmen erledigt werden. Dies dient nicht nur der Sicherheit, sondern ist auch für eine Förderung unumgänglich.

Weitere Sicherungselemente

Neben den bereits besprochenen Türelementen können natürlich auch zusätzliche Sicherungen montiert und weitere Sicherheitsmaßnahmen installiert werden. Im Bereich der Sicherheitstür sind etwa ein Zusatzschloss sowie ein Balkenschloss ratsam. Um sich vor Schlüsselnachbildungen durch Außenstehende zu schützen, können hier Sicherungskarten angefordert werden. Ein Nachschlüssel wird nur unter Vorlage dieser Sicherungskarte und eines entsprechenden Identifikationsnachweises bewerkstelligt. In Wohnhausanlagen sind moderne Schließanlagen ratsam.

Wichtig: Auch Fenster absichern

Wichtig: Auch Fenster absichern

Darüber hinaus sollten auch Sicherheitsfenster angedacht werden, die gleich den Sicherheitstüren auch der Ö-Norm B5338 unterliegen. Als Schutzmaßnahmen für Wohnung und Wohnhaus kommen natürlich auch Alarmanlagen in Frage.
Weniger der Einbruchssicherung als dem Brandschutz dient der Feuerwiderstand. Einige Sicherheitstüren werden auch als Brandschutztüren angeboten. Auch hier gibt es unterschiedliche Feuerwiderstandsklassen, die von F30 bis F180 reichen. F30 bedeutet hierbei, dass die Tür einem Feuer 30 Minuten lang standhalten wird. Das F steht für Feuerwiederstand und wird im Bereich der Türen häufig durch ein T ersetz. T30 entspricht somit dem F30.

Kosten und Planung

Auf Grund der Vielfalt an Sicherheitsmaßnahmen und der unterschiedlichen Anfertigungen der Sicherheitstüren ergibt sich ein sehr breites Spektrum an Kosten. Sicherheitstüren der Widerstandsklasse 2 und 3 sind ab 1000 / 1300 erhältlich und kosten meist maximal 3000 Euro.

Höhere Stufen und Hochsicherheitstüren können aber auch ein Preisniveau von 6000 Euro und höher erreichen. Hier stellt sich dem Interessenten die Frage der Verhältnismäßigkeit, zumal Sicherheitstüren mit WK3 bei Wohnungen meist ausreichend sind.
Der Einbau einer Sicherheitstür kann im Zuge des Bauvorhabens geplant werden, aber auch zu einem späteren Zeitpunkt, etwa im Zuge einer Sanierungstätigkeit erfolgen. Bei einem Neubau empfiehlt sich diese Frage im Zuge der Raumaufteilung beziehungsweise der Grundrissplanung zu klären. Da allerdings Maßanfertigungen gang und gäbe sind, kann diese natürlich auch zu einem späteren Zeitpunkt getroffen werden.

Aktuelle Förderungen für Sicherheitstüren

Wichtig: Förderungen nutzen!

Wichtig: Förderungen nutzen!

In Österreich werden aktuelle Sicherheitstüren in drei Bundesländern gefördert.

Dies sind die Bundesländer Wien, Niederösterreich und Burgenland. Darüber hinaus empfiehlt es sich aber, bei den jeweiligen Referaten und Magistraten der Bezirke (Bezirkshauptmannschaften) nachzufragen und Erkundigungen einzuholen.
Je nach Bundesland entfallen für geförderte Sicherheitstüren unterschiedliche Beträge, auch die Voraussetzungen für eine Förderung sind unterschiedlich.

  • In Wien werden nur einbruchshemmende Wohnungseingangstüren ab der Widerstandsklasse 3 (nach Ö-Norm) gefördert. Dies gilt sowohl für Mieter als auch Eigentümer einer Wohnung. Als Voraussetzungen gelten, dass die zu sanierende Wohnung als Hauptwohnsitz gemeldet ist, diese mindestens 22 Quadratmeter groß und mindestens 20 Jahre alt ist. Darüber hinaus werden Eigenleistungen und reine Materialkosten nicht gefördert. Zuständig dafür ist das MA 50. Übernommen werden 20 Prozent der Kosten bis zu einem Maximalbetrag von 400 Euro je Türflügel.
  • In Niederösterreich erfolgt eine Förderung von Sicherheitstüren ab der Widerstandsklasse 2. Dies gilt für Wohnungen in Mehrfamilienhäusern. Die Fördersumme wird mit 30 Prozent der Investitionskosten angeführt, zu einem Maximalbetrag von 1000 Euro. Hierzu kann online eine Informationsbroschüre des Landes Niederösterreichs abgerufen werden – Förderungsbroschüre Sicheres Wohnen.
  • Ähnlich gelagert ist die Situation im Burgenland. Auch hier sind Förderungen für Sicherheitstüren, aber der Widerstandsklasse 2 möglich. Ausgenommen sind Ein- und Zweifamilienhäuser sowie Reihenhäuser, auch hier muss die Wohnung als Hauptwohnsitz gemeldet sein. Der Zuschuss beträgt 30 Prozent der Ausgaben, maximal 1000 Euro. Vom anerkannten Rechnungsbetrag werden allerdings noch 500 Euro an Selbstbehalt abgezogen. Entsprechende Details und Informationen können auf Burgenland.at unter „Sicheres Wohnen“ und „Sicherheitstüren“ abgerufen werden.

Häufige Fragen zum Thema Sicherheitstüren

– Sicherheitstür: Geprüfte Tür nach Ö-Norm B5338, die es Kriminellen je nach Widerstandsklasse erschwert, in ein Gebäude, eine Wohnung, einzubrechen.
– Einbruchshemmende Tür: Andere Bezeichnung für Sicherheitstür, die in entsprechenden Texten der Bundesländer und Förderungsvorgaben verwendet wird.

Welche Widerstandsklassen gibt es bei Sicherheitstüren?
– Widerstandsklasse (WK): Die Widerstandsklasse nach Ö-Norm B5338 beschreibt den Sicherheitsgrad einer Tür und wird nach klar geregelten Vorgaben dahingehend geprüft und zertifiziert. Belastungstests werden mit einem Einbrecher simuliert. Es gibt 6 Widerstandsklassen.

  • WK1: keine Prüfung
  • WK2: untere Basisvariante – ab hier Förderungen möglich
  • WK3: Basisvariante. Fünf Minuten Zeitaufwand für Einbrecher.
  • WK4: Empfohlene Variante des kriminalpolizeilichen Beratungsdienstes. Zehn Minuten Zeitaufwand für Einbrecher.

– Ö-Norm B5338: Jene Norm, die angibt, wie sicher eine Tür, Sicherheitstür, ist. Diese entspricht den EU-Normen, den Vorgaben der EN-1627. Sie ist Voraussetzung und Grundlage für aktuelle Förderungen.
– Hochsicherheitstüren (HST): Der VSÖ vergibt zusätzlich zur Widerstandsklasse auch noch das Gütesiegel der Hochsicherheitstür. Hier werden entsprechende Belastungstests mit zwei Einbrechern simuliert.
– VSÖ: Verband der Sicherheitsunternehmen Österreich.
– Zertifikate: Widerstandsklasse und Hochsicherheitstür sind Zertifikate, die nach Prüfungen vergeben werden. Sie bescheinigen einbruchshemmenden Türen entsprechende Sicherheitsklassen und sind somit ein Gütesiegel und Qualitätskriterium.

  • Prüfungskriterien: Die Prüfungskriterien der Ö-Norm sind klar geregelt und unterteilen sich in eine statische Belastung, eine dynamische Belastung und eine manuelle Belastung. Je nach Widerstandsklasse sind die Belastungen unterschiedlich groß.
  • Kosten: Die Kosten reichen von knapp über 1000 Euro bis hin zu 6000 Euro und mehr. Je nach WK, HST, Material, Art und Größe der Tür (Einflügelige, Zweiflügelige) und Anbieter sind Schwankungen möglich.
  • Planung: Sicherheitstüren können jederzeit maßgefertigt montiert werden. Empfohlen ist aber im Zuge eines Neubaus diese in der Grundrissplanung und der Raumaufteilung mit einzubeziehen.
  • Förderungen: Aktuell werden Förderungen für Sicherheitstüren in Wien, Niederösterreich und dem Burgenland Förderungen vergeben. Details zu den Vorgaben und Anträgen können bei den entsprechenden Magistraten (MA 50 Wien) und Referaten (Bezirkshauptmannschaft, Bundesland) abgerufen werden. Generell besteht allerorts die Möglichkeit sich dahingehend zu informieren.

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