Goldpreisentwicklung 2017 – Prognose zum Goldpreis

Das Jahr 2016 hatte viele goldene Überraschungen parat. Noch vor einem Jahr schätzten viele Experten, dass sich der Kurs gegen Ende 2016 auf 1.000 US-Dollar pro Feinunze und darunter befinden würde. Jetzt stehen wir jedoch beständig über 1.100 US-Dollar.

Nach der Realisierung dieser verbreiteten Fehleinschätzung stellt sich jedoch die Frage, wo der Goldkurs am Ende des Jahres 2017 stehen würde. Werden erneut politische Entscheidungen bei den Wahlen in Frankreich und Deutschland für Überraschungen sorgen?

Wie werden sich die Brexit Verhandlungen entwickeln? Wo wird die Präsidentschaft von Trump hinführen und da wären auch noch die rein wirtschaftlichen Eckdaten. Dieser Beitrag wird versuchen all diese Faktoren zu berücksichtigen und daraus den Goldtrend 2017 abzuleiten.

Politische Auswirkungen auf den Goldpreis 2016 & 2017

Auf zwei große Ereignisse reagierte der Goldpreis im Jahr 2016. Zuerst kam das überraschend positive Brexit Referendum. Der beschlossene Austritt aus der Europäischen Union ließ das Britische Pfund in den Keller rauschen. Als Reaktion auf den potentiellen Verlust ihres Vermögens schichteten viele Briten ihre Geldanlage in Gold um. Ein Höhenflug des Edelmetalls war die Folge. Doch nach der ersten Schockreaktion bemerkten die Märkte, dass sich der Austritt noch mindestens 2 Jahre hinziehen würde und der Kurs begann zu stagnieren.

Die zweite überraschende politische Wendung war der Wahlsieg von Trump in den Vereinigten Staaten von Amerika. Hier fiel der Schock noch kürzer aus und hielt nur einen Tag. Doch schnell begann sich der Goldkurs sogar zu drehen und wieder leicht abzusinken.

Der Hintergrund hier war der rasante Anstieg des Dow Jones Index und die Steigerung der FED-Leitzinsen. All die Steuer- und Handelsversprechen des Immobilienmagnaten stimmten die Börse scheinbar fröhlich. Angesichts dieses Höhenflug ist es sogar verwunderlich, dass sich der Goldkurs noch auf einem dermaßen hohen Niveau befindet. Eine gewisse Unsicherheit schwingt also durchaus noch in den Köpfen der Anleger mit. Gerade deshalb lohnt sich ein Blick auf die kommenden politischen Ereignisse.

Zuerst stehen einmal zwei große Wahlen in Frankreich und in Deutschland an, die wesentliche Auswirkungen auf die Zukunft der EU haben werden. Ein Wahlsieg von Le Pen könnte die EU wahrlich zerschmettern, denn mit Frankreich würde theoretisch gesehen eines der wichtigsten Gründungsmitglieder (damals noch „Gemeinschaft für Kohle und Stahl“) und nach Deutschland das zweitgrößte Mitglied (nach Einwohnern) weg fallen. Diese Wahl findet am 7. Mai statt und könnte in einem ähnlichen Frühlingsschock enden, wie der Brexit im Juni 2016.

Nach dem Sommer folgt die Wahl im September in Deutschland. Merkels erneute Kandidatur sehen manche als Risiko und andere als Erleichterung. Die deutsche Bundeskanzlerin gehört unbestreitbar zu den mächtigsten Personen Europas und sie ist ein Pfeiler für die Europäische Union. Sollte diese Stütze wegbrechen, könnte es ebenfalls zu einem Supergau für die EU führen. Jede große Schwächung des europäischen Friedensprojekts führt zu mehr Unsicherheit und dürfte den Goldpreis treiben. Aber da wäre auch noch der Faktor Trump.

Noch ist der neue Präsident nicht im Amt und kaum ein politischer Beobachter weiß was von seiner Regierung zu erwarten ist. Die Reaktion des Dow Jones lässt zwar einen Vergleich mit dem Amtsantritt von Reagan zu, aber trotzdem muss sich die Welt und der Goldpreis auf praktisch alles einstellen.

Die verschiedenen Szenarien hängen in erster Linie vom Erfolg oder Misserfolg der Trump-Präsidentschaft ab. Noch niemand kann sagen, ob er seine wirtschaftlichen Versprechungen wahr machen wird und die USA tatsächlich in den Aufschwung führt. Es könnte nämlich auch sein, dass Trumps Eigeninteressen bezüglicher seiner Unternehmen im Vordergrund stehen und das könnte der Wirtschaft wesentlich schaden. Der Goldkurs würde unter einem Erfolg von Trumps Wirtschaftspolitik erheblich leiden. Der Dollar würde steigen, damit direkt den Preis nach unten treiben und weitere Zinserhöhungen, die auf eine lebendige Konjunktur folgen, machen andere Anlageformen, außer Gold, wieder interessanter. Bei einem Misserfolg des neuen US-Präsidenten würde es natürlich genau umgekehrt aussehen.

  • Hinweis: Die FED-Chefin Janet Yellen lässt jetzt schon eine kommende Zinserhöhung in ihren Kommentaren durchscheinen.

Bezüglich Außenpolitik dürfte Trumps Präsidentschaft noch unberechenbarer werden und diesbezüglich sind zahlreiche Domino-Effekte zu erwarten. Wir können einige denkbare Szenarien hier durchgehen. Die folgenden Ereignisse müssen nicht im Jahr 2017 eintreten. Vielleicht dauert es noch bis 2018 oder 2019 bis sich die Szenarien vollständig entfaltet haben. Aber 2017 könnte alles schon beginnen.

1. President-elect verbündet sich stark mit Putin

Diese Allianz könnte mehrere Auswirkungen auf Europa mit sich bringen. Auf der einen Seite könnte die Befriedung des Syrien-Konflikts daraus resultieren. Dies könnte die Flüchtlingsströme stoppen und als weitere Folge könnte sich vor allem die EU wieder wesentlich stabilisieren.

>> Goldpreis sinkt!

Viel wahrscheinlicher ist jedoch, dass dieses Bündnis die Position der EU in der Welt schwächen wird. Bislang ist Russland in vielerlei Hinsicht auf die Handelsbeziehungen mit den europäischen Staaten angewiesen. Sollte sich jedoch der Blick des Kremls in Richtung USA umorientieren, geht diese Abhängigkeit verloren. Dadurch könnten sich Preissteigerungen im Energiesektor ergeben, was wiederum die Inflation künstlich anheizen könnte. Die weitere Folge wäre ein Anheben der Leitzinsen, bevor die Wirtschaftslage dies eigentlich zuließe und die Abkühlung der Investitionen und die teurer werdenden Staatsschulden könnten in eine erneute Krise führen. Dann parkt ein ganzer Kontinent sein Vermögen im sicheren Gold.

>> Gold steigt stark!

2. President-elect isoliert die USA

Es ist durchaus nicht unüblich für republikanische Präsidenten, die Außenpolitik zurück zu fahren. Wenn wir an George W. Bush denken, scheint diese Behauptung zwar gewagt, aber lässt sich selbst auf diesen Präsidenten anwenden. Es erinnert sich nämlich kaum jemand, dass selbst Bush in seinen ersten 1,5 Jahren seiner Amtszeit die Außenpolitik beinahe vollständig ignorierte. Erst die Anschläge vom 11. September verschoben seinen Fokus. Diverse Aussagen aus Trumps Wahlkampf lassen ebenfalls auf diesen Fokus nach innen schließen. Diese Konzentration auf die Innenpolitik führt sehr oft zum bereits erwähnten Wertanstieg des US-Dollar, da es mehr um die Binnenanfrage als um den Export geht. Außerdem steigen in diesem Fall die Staatsausgaben.

>> Goldpreis sinkt leicht!

Das Gegenteil wären noch mehr neue Handelsabkommen mit anderen Ländern und noch mehr direkte Einmischungen in Konflikten auf der Welt. Mögliche Krisenherde könnten Somalia oder die Philippinen sein. Dieses Szenario erscheint jedoch gemäß den Wahlkampfversprechen eher unwahrscheinlich, wenn nicht ein neuer 11. September während der Amtszeit von Trump geschieht. Diese exzessive Einmischung der USA in der Welt, geht aber meist mit einem Wunsch nach Anlagesicherheit einher.

>> Goldpreis steigt!

3. Die Auswirkungen der Steuerpolitik

Trump hat bereits mehrfach angekündigt die Steuern der Unternehmen zu senken, um es den Firmen zu ermöglichen mehr Leute einzustellen. Dieses Prinzip der Fiskalpolitik geht stark auf den Ökonom Milton Friedman zurück. Leider haben dessen Thesen auch schon einige Jahrzehnte auf dem Buckel. Doch wegen der wenigen arbeitsrechtlichen Vorschriften in den USA könnte dieser Ansatz noch klappen.

>> Gold sinkt!

Die Arbeitswelten haben sich seit den 70iger Jahren jedoch wesentlich verändert. Es sind nicht mehr unbedingt die Jobs in großen Fabriken, die für Wohlstand sorgen. Viel eher geht es um die Ich AG, in der sich jeder selbst verwirklicht und in einem Netzwerk anstatt in einer Firma mit anderen zusammenarbeiten. Bei diesen neuen Erwerbstätigen dürften die Steuersenkungen für Großunternehmer kaum ankommen. Die Trump-Wähler waren aber eher Arbeiter, die sich ihre Jobs in den Fabriken zurückwünschen. Wenn hier die Wahlversprechen des neuen US-Präsidenten nicht aufgehen, dann dürfte dies ein herber Schlag für die amerikanische Wirtschaft sein.

>> Gold steigt!

Sonstige wirtschaftliche Prognosen zum Goldpreis

Selbstverständlich werden nicht Trump oder Le Pen allein über den Goldpreis bestimmen. Ganz klassische wirtschaftliche Faktoren nehmen auch im Jahr 2017 großen Einfluss auf den Goldtrend. Wir fassen in einer Übersicht die wichtigsten Kriterien zusammen („Bulle“ steht für Kursanstieg und „Bär“ für fallende Kurse).

Goldpreis Prognosen 2017

PrognoseEinfluss auf den Goldkurs
Höheres WirtschaftswachstumBär
Steigender ÖlpreisBulle
Steigende LeitzinsenBär
Mehr Wohlstand in IndienBulle
Weitere Schwächung des EurosBulle
Steigende BörsenkurseBär
Negativzinsen für AnleihenBulle

Hinweis: Selbstverständlich spielen all diese Faktoren zusammen und letztlich geht es um die Gewichtung, sprich die Größe des Einflusses einzelner Werte auf den Goldpreis. Diese Gewichtung ist schwer zu ermitteln. Selbst Banken liegen in dieser Hinsicht immer wieder falsch, aber ein Durchschnitt aus den Bankenprognosen liegt meist sehr nahe an der Wahrheit.

Was sagen die bekanntesten Banken zum Goldtrend 2017?

Mit einer kleinen Zusammenstellung der derzeit vorherrschenden Expertenmeinungen schließen wir das Thema ab. Hier ist zu beachten, dass eine Bank sehr weit daneben liegen kann, während die durchschnittliche Meinung oft sehr genau die Wahrheit abbildet.

Experten Goldpreis Prognosen Ende 2017

ExperteGoldprognose Ende 2017
OCBC (Barnabas Gan)1.100 US-Dollar pro Feinunze
Tiberius1.450 US-Dollar
Credit Suisse1.338 US-Dollar
BMO1.175 US-Dollar
Citi Research1.180 US-Dollar
Durchschnitt1248,6 US-Dollar pro Feinunze

Hinweis: Die durchschnittliche Betrachtung der größten Banken hat im Jahr 2015 für das Ende des Jahres 2016 einen Goldkurs von 1.140 US-Dollar vorausgesagt. Das ist beinahe eine Punktlandung. (Achtung dabei wurden noch mehr Werte als in der Tabelle oben berücksichtigt).

Quellen:

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