Kleingewerbe in Österreich anmelden – Ablauf und Voraussetzungen

Der Start in die Selbstständigkeit erfolgt in Österreich bei vielen Menschen über das so genannte Kleingewerbe. Dabei handelt es sich um ein Gewerbe, das aufgrund des niedrigen oder noch nicht vorhandenen Umsatzes als Kleingewerbe bezeichnet wird.

Der Aufwand für ein Kleingewerbe ist deutlich geringer, als es bei einem vollkommenen Gewerbe der Fall ist. Wer möchte, kann sich von der Umsatzsteuer befreien lassen und somit in jedem Fall davon profitieren, dass sehr wenig an Papierkram erledigt werden muss. Das Kleingewerbe ist für viele Selbstständige die ideale Chance, eine hauptberufliche Selbstständigkeit vorzubereiten, oder ohne ein Risiko einzugehen einen ersten Schritt in Richtung Selbstständigkeit zu wagen.

Selbständigkeit neben dem Hauptberuf

Tipp: Mit vollem Einsatz kommt man rasch(er) zum Erfolg

Wer das Gewerbe neben dem Hauptberuf betreiben möchte, entschließt sich in Österreich auch häufig dazu, ein Kleingewerbe zu betreiben, oder damit zu starten. Somit bleibt der Aufwand neben dem Hauptberuf recht gering und es ist gar nicht so schwer, alles unter einen Hut zu bekommen. Sollte das Kleingewerbe fruchten und der Umsatz steigen, so ist es in jedem Fall zu empfehlen, dass das Gewerbe weiter ausgebaut wird, auch wenn irgendwann die Pflicht zur Umsatzsteuer besteht.

Ratgeber Kleingewerbe: wie melde ich in Österreich ein Kleingewerbe an?

Wer in Austria lebt und hier ein Kleingewerbe anmelden möchte, muss in seinem zuständigen Wohnort zum Gewerbeamt gehen. Die Anmeldung eines Gewerbes, auch wenn es zunächst als Kleingewerbe geführt wird, unterliegt einer Gebühr. Diese ist jedoch sehr gering (in der Regel 20 bis 30 Euro). Das Gewerbeamt muss aufgesucht werden, wenn ein Kleingewerbe angemeldet wird, oder aber auch wenn das Gewerbe umgemeldet oder abgemeldet werden soll. Auch wenn sich die Tätigkeitsschwerpunkte des Kleingewerbes ändern, ist es möglich, dass dies direkt dem Gewerbeamt mitgeteilt wird, so dass die Gewerbeanmeldung entsprechend ergänzt, bzw. erweitert werden kann.

Wie erfolgt die Anmeldung?

Das Kleingewerbe kann formlos angemeldet werden. Abhängig davon, um was für ein Gewerbe es sich handelt, ist es erforderlich, dass zum Teil Auflagen erfüllt werden müssen. Dies ist zum Beispiel dann der Fall, wenn ein Handwerk ausgeübt wird und dazu Nachweise zu erbringen sind.

Wer vor Ort beim Gewerbeamt die Anmeldung des Kleingewerbes durchgeführt hat, muss beim entsprechenden Gewerbeamt automatisch den Vordruck annehmen, der auch die steuerliche Erfassung des Kleingewerbes beinhaltet. Sofern das Unternehme nicht nur aus einer Person besteht, sondern sogar Mitarbeiter angestellt werden, ist es erforderlich, dass eine Betriebsnummer vergeben wird. Eine entsprechende Meldung der Angestellten an die Krankenkasse ist ebenfalls erforderlich, wenn mit dem Gewerbe mit Mitarbeitern zusammengearbeitet werden soll.

Auch kann das Unternehmen bei der zuständigen IHK (Industrie und Handelskammer) angemeldet werden, was natürlich zu empfehlen ist. Der Betreiber des Gewerbes muss sich darüber hinaus auch bei der Berufsgenossenschaft anmelden.

Auf den ersten Blick wirkt es so, als ob sehr viele Schritte erforderlich sind, damit das Kleingewerbe ordentlich angemeldet wurde und entsprechend gearbeitet werden kann. In der Praxis zeigt sich jedoch meist, dass der Betrieb sehr leicht geführt werden kann.

Wichtig: Vorsicht vor Steuer-Nachzahlungen

Was den Fragebogen zur steuerlichen Erfassung anbelangt, ist es wichtig, dass darauf geachtet wird, dass hier die richtigen Angaben gemacht werden. Beim Finanzamt geht es unter anderem darum, dass der Umsatz des Gewerbes für das gesamte Jahr geschätzt wird. Dies wird von dem Finanzamt meist genutzt, um Steuervorauszahlungen abschätzen zu können. Sehr viele Personen, die ein Kleingewerbe anmelden schätzen daher den Gewinn des Kleingewerbes im ersten Jahr auf 0 Euro und müssen somit keine Steuern vorauszahlen. Nachdem am Ende des Jahres die Steuererklärung durchgeführt wurde, bedeutet dies jedoch, dass die entsprechenden Steuern für den Gewinn des Unternehmens nachgezahlt werden müssen.

Wann muss ich ein Kleingewerbe in Österreich ins Handelsregister eintragen?

Zunächst ist anzumerken, dass ein Kleingewerbe im Handelsregister eingetragen werden kann. Dies ist jedoch nur dann erforderlich, wenn der Betreiber des Gewerbes den Status eines Kaufmanns erfüllt. Alternativ ist es natürlich möglich, dass das Gewerbe auch auf freiwilliger Basis in das Handelsregister eingetragen werden kann. Dabei ist jedoch nachfolgend zu berücksichtigen, dass das Gewerbe in jedem Fall alle Rechten sowie alle Pflichten eines Kaufmanns erfüllen muss, wenn es im Handelsregister eingetragen ist.

Wie hoch sind die Steuern die ich bei einem Gewerbe zu bezahlen habe?

Das Einkommen, bzw. genauer gesagt der Gewinn, der mit dem Kleingewerbe erzielt wird, muss versteuert werden. Wer einen Hauptberuf zusätzlich zum Kleingewerbe ausübt, muss entsprechend Steuern bezahlen.

Die Einkommenssteuer bezieht sich dabei nicht nur auf das Einkommen, dass im Hauptberuf erzielt wird, sondern auch auf das Einkommen, dass mit dem Kleingewerbe erzielt wird. Hinzu kommt, dass auch eine Gewerbesteuer gezahlt werden muss. Diese richtet sich jedoch danach, wie hoch der Gewinn des Gewerbes ist. Sollte dieser bei über 24.500 Euro liegen, so muss zusätzlich eine Gewerbesteuer entrichtet werden. Diese kann natürlich im Vorfeld unter Nutzung eines Gewerbesteuerrechners ermittelt werden.

Muss ich mit einem Kleingewerbe in Österreich Umsatzsteuer zahlen?

Wer in Österreich ein Kleingewerbe betreibt, muss unter Umständen Umsatzsteuer bezahlen. Es ist jedoch möglich, dass sich Kleingewerbe Betreiber von der Umsatzsteuer befreien lassen können. Dies ist natürlich praktisch, da die Umsatzsteuer nur vom Unternehmen erhoben wird und weiter an das zuständige Finanzamt leitet.

Wer entsprechend Umsatzsteuer erhebt, ist gleichzeitig auch berechtigt, die Vorsteuer abzuziehen. Das bedeutet, dass entsprechende Steuern geltend gemacht werden können, bzw. zurück gefordert werden können. Die Umsatzsteuervoranmeldung kann in jedem Fall direkt online einmal im Monat durchgeführt werden. Es gibt jedoch keinen Zwang zur Umsatzsteuervoranmeldung, wenn der Gewerbetreibende sich dazu entschließt, dass Gewerbe als reines Kleingewerbe ohne Umsatzsteuer zu führen.

Welche Umsatzmerkmale und Charakteristika gelten für das Kleingewerbe?

In Österreich ist anzumerken, dass die Inhaber eines Einzelunternehmens, das ein Kleingewerbe ist, frei von der Sozialversicherung sind. Es ist also nicht erforderlich, dass entsprechende Beiträge gezahlt werden müssen.

Wenn der Umsatz bei unter 17.500 Euro im Jahr liegt, ist es dem Betreiber des Gewerbes erlaubt, dass eine formlose Gewinnermittlung durchgeführt werden kann. Dazu ist es lediglich notwendig, dass alle Einnahmen und alle Ausgaben notiert werden und daraus der resultierende Gewinn ermittelt wird. Wenn der Gewinn entsprechend ermittelt wurde, bedeutet dies, dass dieser dem Finanzamt als Gewinnvortrag genannt werden muss und im Endeffekt versteuert werden muss.

Kleingewerbe = Pflicht zum Jahresabschluss – welche Pflichten resultieren aus der Tätigkeit?

Als Inhaber eines Kleingewerbes ist es erforderlich, dass jedes Jahr ein so genannter Jahresabschluss gebildet werden muss und zwar dann, wenn der Umsatz 500.000 Euro überschreitet, oder der Gewinn bei mehr als 50.000 Euro liegt. Sollte der Gewinn unterhalb der Grenze liegen, so bedeutet dies, dass eine einfache Überschussrechnung ausreicht. Mit der Überschussrechnung ist gemeint, dass von allen Einnahmen die Ausgaben abgezogen werden müssen und daraus resultierend der Gewinn ermittelt wird.

Wer haftet bei einem Kleingewerbe und womit?

Wer ein Gewerbe als Kleingewerbe eröffnet, haftet bei seiner Geschäftstätigkeit mit seinem privaten Vermögen. Ein Startkapital ist für den Betrieb eines Kleingewerbes nicht erforderlich. Anzumerken ist, dass jeder selbst entscheiden kann, wie viel Kapital er in das Gewerbe einbringe möchte. Es ist nicht erforderlich, dass privates Geld in das Gewerbe eingezahlt werden muss – bei einer GmbH wäre dies anders.

Der Kleingewerbetreibende ist allein für das Unternehmen und für alle Geschäftsentscheidungen verantwortlich. Er muss natürlich auch das komplette Risiko des Unternehmens und aller Entscheidungen alleine tragen.

Wie darf ich mein Unternehmen nennen?

Wer in Österreich ein Kleingewerbe führt und dabei kein Kaufmann ist, muss mit seinem Vornamen und Nachnamen auftreten. Dies ist zum Beispiel auf Rechnungen der Fall. Darüber hinaus ist es möglich, dass ein Zusatz auf der Rechnung oder auf Dokumenten angegeben werden kann. So ist es bei vielen Kleingewerbe Betreibern üblich, dass der volle Name sowie entsprechend eine Geschäftsbezeichnung oder eine Branche genannt werden. Die Bezeichnung „Vorname Nachname Marketing“ oder „Vorname Nachname Gebäudereinigung“ ist hierbei durchaus bekannt und gängig.

Was passiert, wenn ich ein Kleingewerbe auflösen möchte?

Als alleiniger Inhaber eines Kleingewerbes ist es natürlich möglich, dass dieses wieder aufgelöst werden kann. Das bedeutet, dass entsprechend ein Formular beim Gewerbeamt ausgefüllt werden muss und das Gewerbe somit geschlossen werden kann.

Das Vermögen sowie Betriebsmittel aus dem Kleingewerbe können ohne Probleme in das private Vermögen des Eigentümers übertragen werden. Sollte der Eigentümer des Kleingewerbes versterben, so ist es möglich, dass das Gewerbe auf die gesetzlichen Erben übertragen wird.

Quellen und weitere Informationen

https://www.wko.at/service/steuern/Im_Nebenberuf_Unternehmer.html
https://sevdesk.at/lexikon/kleingewerbe/

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