Pflegegeld in Österreich: ÖAR fordert jährliche Anpassung

Die Dachorganisation der Behindertenverbände Österreichs (ÖAR) unterstützt die vom Österreichischen Seniorenrat geforderte Evaluierung des Pflegegeldes.

Sie weist darauf hin, dass eine jährliche Erhöhung des Pflegegeldes Priorität besitzt. Die vorgenommene Anpassung von 2 % sei nicht ausreichend, um den finanziellen Wertverlust der pflegenden Maßnahmen auszugleichen.

Voraussetzungen für das Pflegegeld

Helping A Sick Elderly WomanIn Österreich wird bei Pflegebedürftigkeit einer behinderten Person ein angemessenes Pflegegeld gezahlt. Es ist eine Leistung gemäß § 4 des Bundespflegegeldgesetzes (BPGG).
Das Pflegegeld kann nur dann bezogen werden, wenn die gesetzlichen Voraussetzungen vorliegen. Dazu gehört ein ständiger Hilfsbedarf wegen einer Behinderung, die mindestens sechs Monate andauern muss. Das Thema „Pflegegeld in Österreich“ haben wir in unserem Ratgeber zum Thema ausführlich behandelt.

Wieviel Pflegegeld wird ausbezahlt?

Der ständige Wohnsitz in Österreich ist erforderlich. Die Höhe des Pflegegeldes wird je nach Ausmaß des erforderlichen Pflegebedarfs (Pflegestufen) bemessen. Die Betreuungsmaßnahmen umfassen den persönlichen Bereich, wie beispielsweise Kochen, Essen, Medikamentengabe, An- und Ausziehen, Körperpflegemaßnahmen oder Fortbewegung innerhalb der eigenen Wohnung. Bei der Beurteilung des Pflegebedarfs werden zeitliche Richtwerte für die erforderliche Betreuung und Hilfe berücksichtigt.

Wer entscheidet über die Pflegegeld-Stufe?

Bei bestimmten Personengruppen wird bei der Feststellung des Pflegebedarfes ein Erschwernisaufschlag zuerkannt. Diese zusätzliche Leistung soll den Mehraufwand für pflegeerschwerende Faktoren in der gesamten Pflegesituation pauschal berücksichtigen. Über die Pflegegeldstufe entscheidet eine amtliche Behörde auf der Grundlage eines Sachverständigengutachtens.
Die jährliche Inflationsanpassung ist noch ausstehend. Es müsste auch eine Neuordnung der Pflegestufen vorgenommen werden, um den tatsächlich höheren Zeitaufwand für Menschen mit einer schwerwiegenden Behinderung zu berücksichtigen.

Finanzielle Einstufung reicht nicht aus

Selbstbestimmung und Barrierefreiheit sind die geltenden Grundsätze gemäß der Behindertenrechtskonvention. Dabei wird von einer humanen Gesinnung ausgegangen. Die im jeweiligen Einzelfall erforderliche Pflege und Unterstützungsleistung ist eine Voraussetzung für das selbstbestimmte Leben in der heutigen Gesellschaft. Das Pflegegeld berücksichtigt lediglich ein medizinisch gestaffeltes Modell von Behinderungseinstufungen. Darin enthalten sind Mehraufwendungen für die Pflege.
Durch die fehlende jährliche Anpassung an die Inflationsrate und den dadurch entstehenden realen Wertverlust ist es Menschen mit erhöhtem Unterstützungsbedarf oftmals nicht möglich, die existenziellen Grundbedürfnisse zu sichern.

Bittere Pille Pflegeheim

Einer behinderten Person bleibt als letzte Alternative zwangsläufig nur der Aufenthalt in einem Pflegeheim. Doch diese Lösung wird dem Anspruch, ein selbstbestimmtes Leben zu führen, nicht gerecht. Es kommt lediglich zu einer Verlagerung der existierenden Probleme.

Empfehlungen zur Pflegegeld-Anpassung

Außerdem führt der Aufenthalt in einer Einrichtung dazu, dass noch wesentlich höhere Kosten entstehen. Die Dachorganisation der Behindertenverbände Österreichs (ÖAR) regt daher an, das Pflegegeld jährlich anzupassen, um so ein selbstbestimmtes Leben grundsätzlich sicherzustellen und Menschen mit Behinderungen den Anspruch auf Pflegepersonal und persönliche Hilfe in ihrer eigenen Wohnung, als vertraute Umgebung zu ermöglichen.

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