Aktien & Steuern in Österreich – KESt, Wertpapiere, ETF, Fonds


Das Ziel bei der Geldanlage an der Börse, beispielsweise beim Aktienkauf, ist klar: Als Anleger möchte man eine hohe Rendite sowie einen möglichst raschen Vermögensaufbau erzielen. Die Kursentwicklungen der Vergangenheit haben gezeigt, dass bei einer langfristigen Geldanlage dies auch in vielen Fällen eintritt. Neben der Freude über den Gewinn und die Wertentwicklung freut sich hier neben dem Investor aber auch der österreichische Staat.

Dies liegt daran, dass bei jedem Verdienst durch Aktien in Österreich eine Steuerpflicht besteht. Wir geben an dieser Stelle einen Überblick zum Thema Aktien in Österreich sowie Steuern.
Info: Bei den meisten Online Brokern muss man sich nicht um die Steuerthematik kümmern. Relevant ist hierbei in Österreich die Kapitalertragsteuer (KESt).

Das Investment in Aktien sowie Wertpapiere oder auch in ETF Sparpläne (siehe unseren Ratgeber zum Thema ETF Sparplan in Österreich ) oder ETCs an der Börse ist eine empfehlenswerte Alternative zum Sparbuch, Tagesgeld und Festgeld und bietet die Chance auf gute Erträge – beispielsweise durch Kurssteigerungen, aber auch durch eine Zahlung von Dividenden.

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Wie kann ich Geld mit dem Investment in Aktien verdienen? – Steuern & Beispiele

  • Man wählt einen günstigen Einstiegszeitpunkt für Aktien in Österreich und wartet die langfristige Entwicklung bzw. eine Kurssteigerung ab, um mit Gewinn zu verkaufen. Wen man beispielsweise bei einem Online Broker in Österreich um 30 Euro pro Aktie (beispielsweise ca. der Kurs der ANDRITZ AG Aktie) kauft, kann man abwarten bis diese sich auf 35 Euro steigern. Dabei liegt der Kursgewinn pro Aktie bei 5 Euro. Den erzielten Gewinn durch den Aktienverkauf muss man als Anleger in Österreich entsprechend versteuern.
  • Eine weitere Variante, an Aktien zu verdienen ist es, diese langfristig zu halten und von den ausgeschütteten Dividenden der Unternehmen zu profiteren. Hierbei gilt jedoch, dass es bei einer Dividenden um eine freiwillige Leistung handelt, die auch ausgesetzt oder reduziert werden kann. Die Dividendenzahlung erfolgt je Aktie. Wer beispielsweise 100 Aktien von einem Unternehmen gekauft hat bekommt bei einer Dividende von 0,50 € je Aktie gesamt 50 Euro – diese müssen durch Kapitalertragssteuer in Österreich versteuert werden.

Wie erfolgt die Besteuerng von Wertpapiperen in Österreich?

Hierbei gilt, dass in Österreich die Kapitalertragsteuer, kurz KESt zur Anwendung kommt. Die Basis hierfür sowie die Details zur Steuer finden sich im Einkommensteuergesetz, genauer im Paragraf 27a Absatz 1.

Dieses besagt beispielsweise, dass Einkünfte aus Kapitalvermögen folgendenden Steuersätzen unterliegen

 

  • 1. im Fall von Geldeinlagen und nicht verbrieften sonstigen Forderungen bei Kreditinstituten, ausgenommen Ausgleichzahlungen und Leihgebühren gemäß § 27 Abs. 5 Z 4, einem besonderen Steuersatz von 25%,
  • 2. in allen anderen Fällen einem besonderen Steuersatz von 27,5%
    und sind bei der Berechnung der Einkommensteuer des Steuerpflichtigen weder beim Gesamtbetrag der Einkünfte noch beim Einkommen (§ 2 Abs. 2) zu berücksichtigen, sofern nicht die Regelbesteuerung (Abs. 5) anzuwenden ist.

Diese bedeutet also:

  • Bei dem Kapitalertrag durch Zinsen, beispielsweise auf Girokonten, Tagesgeld, Sparbüchern oder Festgeld erfolgt eine Besteuerung durch den Staat in Österreich in Höhe von 25 Prozent.
  • Weiters gilt für Aktien sowie Wertpapiere (also auch Fonds, ETF Sparpläne & Co) aktuell (2020) ein Steuersatz in Höhe von 27,5 %. Die letzte Änderungen erfolgte 2016, da bis 2015 eine pauschale Besteuerung auf Kapitalerträge in Österreich von 25 Prozent erfolgt ist.

Beispielrechnungen für Sparformen & Aktien

 Zinsertrag / DividendeSteuersatz (KESt)Zu zahlende Steuer
Sparbuch, Girokonto1000 €25 %250 €
Aktien1000 €27,5 %275 €
Sparbuch, Girokonto2000 €25 %500 €
Aktien2000 €27,5 %500 €

Steuer auf Wertpapiere in Österreich durch die Abgeltungssteuer

Ein wesentlicher Vorteil für Anleger in Österreich ist, dass man nicht selbst umständlich die Höhe der Kapitalertragssteuer auf die Gewinne ihrer Investments berechnen. Dies wird in Österreich durch den jeweiligen Broker bereits erledigt. Dies ist möglich, die Kapitalertragssteuer in Österreich als so genannte Abgeltungssteuer funktioniert.

Dies bedeutet einfach gesagt, dass die Versteuerung der Gewinne automatisch durch die Bank bzw den Online Broker erfolgt. Dies gilt sowohl für Dividenden-Ausschüttungen als auch für Gewinne durch den Verkauf von Aktien-Anteilen oder Fonds. Die jeweilige Steuer wird direkt in ihrem Namen an das Finanzamt in Österreich abgeführt.

Der Name „Abgeltungssteuer“ kommt dadurch, dass ihre Steuerschuld gegenüber dem österreichischen Staat dadurch bereits abgegolten wurde. Man spart sich umständliche Formular, einen zusätzlichen Zeitaufwand und Stress.

Im Normalfall ist also das Thema „Aktiengewinne versteuern in Österreich“ ohne zusätzlichen Aufwand direkt über ihren Broker erledigt. Man spricht bei Brokern die sich direkt um die Versteuerung kümmern auch von einem „steuereinfachen“ Broker.

Wertpapier Gewinne aus dem Ausland korrekt in Österreich versteuern

Sollte man auch Aktien von Unternehmen aus dem Ausland gekauft haben und dort die jeweiligen Gewinne erzielen, muss man das Thema Doppelbesteuerungsabkommen und das jeweilige Abkommen mit den einzelnen Ländern beachten. Sollte beispielsweise die Fondsgesellschaft im Ausland ansässig sein oder man Aktien aus Deutschland (z.B. aus dem DAX oder MDAX), in den USA, Großbritannien oder an anderen internationalen Börsenplätzen kaufen, wird das Thema Steuern auf Wertpapiere in Österreich etwas komplizierter.

  • Doppelbesteuerungsabkommen: Die Regelung vom Doppelbesteuerungsabkommen führt dazu, dass man zu viel gezahlte Steuern zurückfordern kann. Den Aufwand bzw. die Zeit dafür sollte man in jedem Fall investieren. Dies ist vor allem bei höheren Gewinnen relevant.
  • Dies gilt auch für die profesionelle Beratung von einem Steuerberater, wen Sie sich nicht selbst mit dem Thema befassen möchten oder können – berrechnen Sie vorab, ob sich die Kosten für die Steuer die man zurückerhalten kann tatsächlich auszahlt.

Wie ist das Doppelbesteuerungsabkommen in Österreich geregelt?

Bei Aktien aus Österreich erfolgt die Besteuerung dadurch, dass der Broker in Österreich die Höhe der KESt mit 27,5 % einbehält und direkt an das Finanzamt bezahlt. Durch die Steuererhebung an der Quelle (hier: Österreich), wird diese auch als Quellensteuer bezeichnet.

Gewinne mit Aktien von ausländischen Unternehmen: Bei einem Investment und einem Aktiengewinn in Deutschland wird beispielsweise zuerst eine Versteuerung in Deutschland durchgeführt (ausländische Quellensteuer) sowie danach eine Versteuerung in Österreich. Das geltende Doppelbesteuerungsabkommen verhindert, dass man die Steuern auf Aktiengewinne doppelt bezahlen muss.

Hierbei gilt aktuell, dass der Quellenstaat maximal 15 Prozent an Steuern einbehalten darf. Abhängig von der Form der Geldanlage (Tagesgeld, Sparbuch oder Aktien/Fonds) erhält das Finanzamt (der „Fiskus“) in Österreich Steuern in Höhe von 12,5 oder 10 %.

  • Inländische Kapitalertragsteuer 27 – 50 Prozent
  • Anrechenbare ausländische Quellensteuer 15 – 00 Prozent
  • Verbleibende inländische Kapitalertragsteuer 12 – 50 Prozent

Als Anleger kann man aufgrund der höheren Steuersätze die jweilige Differenz zurückfordern. Hierbei ist der entsprechende Ansprechpartner die ausländische Steuerbehörde, die Abwicklung erfolgt im Normalfall über die entsprechenden Formulare.

  • Als Beispiel an einer Investition in Deutschland: Die Quellensteuer auf Kapitalerträge in Deutschland liegt aktuell bei 26,735 Prozent, dieser berechnet sich aus deer Abgeltungssteuer (25 %) sowie dem Solidaritätszuschlag, der in Höhe von 5,5 % auf die Abgeltungssteuer aufgeschlagen wird.
  • Als Anleger kann man also die Differenz von 11,375 über den anrechenbaren 15 Prozent als Erstattung zurückfordern.
Staat (Quellenstaat)DeutschlandLuxemburg
Ausländische Quellensteuer26,38%15,00%
Gemäß Doppelbesteuerungsabkommen anrechenbar15,00%15,00%
Inländische Kapitalertragssteuer (Österreich)27,50%27,50%
Inländische. Kapitalertragsteuer27,50%27,50%
abzüglich der anrechenbaren ausländische Quellensteuer-15,00%-15,00%
0,1250,125
Gesamtbesteuerung (ausländische Quellensteuer26,38%15,00%
plus noch zu zahlende inländische Kapitalertragsteuer)12,50%12,50%
0,388750,275
Besteht ein Rückforderungsanspruch?JaNein
Rückforderung = ausländische Quellensteuer26,38%15,00%
abzüglich Prozentsatz laut Doppelbesteuerungsabkommen-15,00%-15,00%
11,38%0

Je nach dem Land, in dem man Aktien oder Fonds gekauft hat sowie den geltenden Steuersätzen und Steuergesetzen gibt es eine entsprechende Differenz. Beispielsweise gibt es in Schweden sowie in Frankreich einen Steuersatz in Höhe von 30 %, während man bei einem Investment in den USA oder den Niederland keine Differenz bzw. Rückerstattung in Anspruch nehmen kann, da dort der Steuersatz bei 15 % liegt.

Wie mache ich meinen Anspruch auf eine Steuer-Rückforderung der Differenz geltend?

Hierbei ist es notwendig, einen schriftlichen Anspruch geltend zu machen (über das jeweilige Formular). Dies muss in dem Land erfolgen in dem die Höhe der Quellensteuer höher ist als die 15 Prozent. Um die Rückerstattung zu erhalten ist es im Normalfall eine Voraussetzung, einen Nachweis über die erfolgte Zahlung der Kapitalertragsteuer in Österreich zu erbringen.

Überblick: Finanzprodukte & Steuer in Österreich

Hierbei kann man eine einfache Aussage treffen: Das bereits genannte Doppelbesteuerungsabkommen sowie die Steuergesetze sind für alle Finanzprodukte in Österreich gültig. Dies heisst, dass die Steuer für Finanzprodukte wie Tagesgeld, Festgeld, Sparbuch, Aktien, Fonds, ETFs,  Zertifikate, Anleihen und andere Finanzprodukte gleich gültig ist.

Wichtig ist, dass man die Steuersätze von 27,5 % (gültig für Aktien & ähnliche Finanzprodukte) sowie 25 % KESt bei Sparbüchern und Girokonten berücksichtigt.

Fällig bzw einbehalten wird die Kapitalertragsteuer in Österreich dann, wen man einen Gewinn erzielt. Beispielsweise ist dies bei einer Zinsgutschrift bei einem Sparbuch oder bei einer Ausschüttung einer Dividende bei Aktien fällig. Hierbei kümmert sich ihr Broker Anbieter oder ihre Bank automatisch, dass die Abgeltungssteuer abgeführt wird.

Online Broker im Ausland – Worauf muss man achten?

  • Wen man sich bei der Broker-Wahl für einen Broker im Ausland entschieden hat, so ist es komplizierter und mehr Arbeit für Sie selbst, da keine automatische Steuerabgeltung durch die Abgeltungssteuer in Österreich erfolgen kann.
  • Hierbei gilt, dass die Gewinne aus Aktien oder Sparguthaben in Form von Zinsen (Kapitalerträge) in der jeweiligen Einkommenssteuererklärung selbst aufgeführt werden müssen.

Fonds & ETF Sparpläne in Österreich – Steuern

Neben einem direkten Investment in Einzeltitel durch den Kauf von Aktien einzelner Unternehmen gibt es auch den einfachen Einstieg an der Börse mit einem ETF Sparplan oder einem Fonds. Aufgrund der niedrigen Gebühren (teils gibt es auch kostenlose ETF Sparpläne) wird oft ein Exchange Traded Funds vorgeschlagen.

Mit einem ETF wird ein Index (beispielsweise der ATX oder DAX) nachgebildet und man investiert automatisch in eine große Auswahl an Unternehmen. Neben einem Investment in Aktien aus Österreich oder Europa gibt es auch Fonds, die weltweit investieren.

Eine häufig gewählte Geldanlage sind hierbei ETF, die ihre Basis auf dem Index MSCI World haben – diese Form der ETF Anlage wird bieispielsweise auch von der Stiftung Warentest empfohlen. Mit einem MSCI World ETF investiert man aktuell in ca 1.6000 Aktien aus 23 Industrieländern.

Steuern: ETFs und Fonds sind interessant, weil hier beispielsweise bei theausrienden Fonds (Reinvestierung von erzielten Gewinnen) nur eine Besteuerung von 60 % erfolgt, der restliche  Anteil von 40 % wird erst bei einem Verkauf besteuert. Dies bedeutet, dass sich der Zeitpunkt der Steuerlast nach hinten verschiebt.

Fazit zum Thema Steuern auf Aktien & Finanzprodukte in Österreich

Im Normalfall ist das Thema Steuern für Investments in Aktien, Fonds, ETFs und Co in Österreich einfach durch ihren Broker abgedeckt und man muss sich keine Gedanken dazu machen. Eine spezielle Stellung haben hier Online Broker aus dem Ausland sowie der Kauf von Aktien von ausländischen Unternehmen.

Zusammengefasst gilt: Die Kapitalertragsteuer in Höhe von 27,5 % gilt in Österreich für Wertpapiere und wird automatisch vom jeweiligen Broker oder Bank bei der ihr Depot geführt wird (Depotbank) an das Finanzamt in Österreich abgeführt.

INFO: In Österreich gibt es KEINEN Steuerfreibetrag auf Aktien bzw. die Kapitalertragssteuer.

Wichtige Begriffe zu Steuern auf Aktien

  • Kapitalertragsteuer: Diese wird für Kapitalerträge wie beispielsweise erzielte Zinsen auf ihre Geldanlage am Sparbuch, Tagesgeld odeer Festgeld fällig. Auch für Kursgewinne sowie bei der Ausschüttung von Dividendenzahlungen bei Aktien ist diese zu leisten.
  • Abgeltungssteuer: Durch die direkte Abführung der anfallenden Steuern an das Finanzamt ist die Steuerschuld für den jeweiligen Investor abgegeloten.
  • Quellensteuer: Dies bedeutet, dass der Abzug der Steuer direkt an der Quelle erfolgt. Hierbei erfolgt eine Unterscheidung zwischen einer ausländischen und einer inländischen Quellensteuer.
  • Doppelbesteuerung: Je nach Land gibt es in Österreich mit verschiedenen Ländern ein Doppelbesteuerungsabkommen, damit die Quellensteuer (beispielsweise bei ausländischen Aktien) nicht doppelt versteuert wird.