Crowdinvesting bei Crowdfunding für Gemeinwohl in Österreich

Beim Crowdinvesting handelt es sich um eine relativ neue Finanzierungsform unternehmerischer Ideen, die in der Regel vollständig online abgewickelt wird. Das Finanzierungsmodell Crowdinvesting hat sich in den letzten Jahren als sehr erfolgreich erwiesen, so dass die Anzahl der Crowdinvesting-Plattformen in Österreich immer weiter steigt.

Im Gegensatz zum Crowdfunding erhalten Investoren beim Crowdinvesting im Gegenzug für ihre Investition nicht „nur“ materielle Güter, sondern nach einer gewissen Laufzeit das eingezahlte Kapital nebst Zinsen zurück. Gerade die teils hohen Renditen machen das Crowdinvesting für private Investoren sehr attraktiv.

In den meisten Fällen werden über österreichische Crowdinvesting-Plattformen ausschließlich regionale Unternehmen und deren Pläne (beispielsweise die Neugründung eines Tochterunternehmens, ein Anbau oder die Investition in neue Technologien) oder internationale Projekte mit einem sozialen Charakter vorgestellt.

Die Investitionen im Rahmen eines Crowdinvesting-Projekts oder eines Crowdfunding-Projekts sind somit sehr häufig eine direkte Unterstützung der österreichischen Wirtschaft.

Crowdfunding für Gemeinwohl

Bei Crowdfunding für Gemeinwohl handelt es sich um eine österreichische Crowdinvesting-Plattform, die ihre gesamten Abläufe ausschließlich online koordiniert. Crowdfunding für Gemeinwohl wurde 2014 gegründet und gehört damit zu den erfahrensten Anbietern dieser Sparte am Markt.

Laut Informationen des Unternehmens konnte dieses bis dato 30 Crowdinvesting-Projekte zu einem erfolgreichen Abschluss bringen. Das Gesamtvolumen dieser 30 Projekte beträgt 523.378,00 Euro. Auf der Internetseite von Crowdfunding für Gemeinwohl werdern kontinuierlich neue Investitionsprojekte vorgestellt. Leerläufe gibt es auf dieser Plattform nicht.

Haupsächlich werden auf der Plattform Projekte vorgestellt, die einen sozialen Charakter haben und auf Nachhaltigkeit ausgerichtet sind. So werden besonders häufig Bildungs- und Kulturprojekte, Projekte zu den Themen erneuerbare Energien, Ressourceneffizienz, Mobilität, Gesundheit, soziale Arbeit, ökologische Landwirtschaft, gesunde Ernährung, Wohnen und nachhaltiges Bauen vorgestellt.

Das bislang größte Crowdfunding-Projekt von Crowdfunding für Gemeinwohl

Mit einem gesammelten Gesamtvolumen zur Höhe von 60.000,00 Euro ist das Projekt „Bürgerstromanlage Hitzendorf“ bisher das erfolgreichste Projekt der Online-Plattform. Insgesamt 32 Investoren beteiligten sich an diesem Großprojekt, dessen Kernziel eine störungsfreie, nachhaltige und klimaschützende Stromversorgung der Region war.

Wie ist eine Teilnahme möglich?

Um ein eigenes Projekt auf Crowdfunding für Gemeinwohl vorstellen zu können oder um sich finanziell an einem der präsentierten Projekte zu beteiligen, ist es vorab nötig, sich auf der Plattform zu registrieren. Dies können generell Personen über 18 Jahre mit Wohnsitz in Österreich oder Deutschland. Für die Anmeldung müssen einige persönliche Daten, wie zum Beispiel der vollständige Name, die Anschrift und die Kontaktdaten, eingegeben werden.

Da Datenschutz bei Crowdfunding für Gemeinwohl groß geschrieben wird, müssen sich neue registrierte Nutzer keine Sorgen darüber machen, dass ihre Daten ungewünscht für Werbezwecke genutzt oder sogar weiterverkauft werden könnten.

Nach der Anmeldung können neue Nutzer entweder ihr eigenes Projekt zur Prüfung bei der Plattform einreichen oder sich in Projekte einlesen, für die eine finanzielle Beteiligung interessant erscheint.

Nachdem das Angebot für ein bestimmtes Projekt abgegeben wurde, muss der festgelegte Betrag auf das Konto von Crowdfunding für Gemeinwohl innerhalb von wenigen Tagen überwiesen werden. Sobald der vom Projektinitiator festgelegte Schwellenbetrag erreicht wurde, wird das eingezahlte Investitionskapital aller Investoren gebündelt an den Projektherren überwiesen. Dieser kann das Geld dann für sein unternehmerisches Vorhaben verwenden.

Welche Arten der Finanzierung gibt es eigentlich?

Auf der Website von gemeinwohl.at werden drei unterschiedliche Arten des Crowdfunding angeboten:

  • 1. Das Spendenmodell (Donation based Crowdfunding) optional mit Dankeschön-Geschenk

Bei dieser Finanzierungsform unterstützen Spenderinnen und Spender ein Projekt ihrer Wahl mit in der Regel kleinen Beträgen. Eine finanzielle Gegenleistung erhalten die Spenderinnen und Spender für ihre Investition nicht. Die Finanzierungsform des Spendenmodells findet besonders dann viel Unterstützung, wenn es sich um ein soziales Projekt oder um ein Projekt aus dem Bereich Bildung handelt. Dies offenbar deshalb, weil beide Themen der österreichischen Bevölkerung besonders am Herzen liegen. Ein Dankeschön in Form eines Geschenks wird bei einigen der Spendenprojekte an den Unterstützer ausgegeben.

  • 2. Gegenleistungsmodelle (Reward based Crowdfunding)

Bei einer Finanzierung, die mit einer Gegenleistung verbunden ist, erhalten Investoren für ihr eingezahltes Kapital eine Gegenleistung in Form von Produkten, Dienstleistungen oder Gutscheinen. Investoren werden über die Art und den Umfang der Gegenleistung bereits in den Projektdetails informiert.

  • 3. Darlehensmodell (Lending based Crowdfunding)

Über das Darlehensmodell können sich private oder juristische Personen finanziell an ein unternehmerisches Vorhaben beteiligen und erhalten hierfür Zinsen und bei manchen Projekten auch einen Gemeinwohlbetrag. Dieser Gemeinwohlbetrag wird vom Projektinitiator an die Genossenschaft für Gemeinwohl ausgezahlt. Die Genossenschaft verwendet den Betrag wiederum für die Auszahlung des Gemeinwohlbetrags an die Investoren. Im Rahmen eines Darlehensmodells wird der Investor vorab immer darüber informiert, dass das eingezahlte Kapital nebst Zinsen nur dann von dem Unternehmen an den Investor gezahlt werden muss, wenn das Unternehmen sich dies finanziell leisten kann.

Sollte die Rückzahlung des investierten Kapitals nebst Zinsen das Unternehmen in finanzielle Schwierigkeiten bringen, so ist dieses nicht zur Auszahlung verpflichtet und der Investor erhält erst einmal keine Gegenleistung. Dies ist unbefriedigend für den Investor. Nichtsdestotrotz sollte dieser sich bereits vor der Investition darüber bewusst sein, dass das Finanzierungsmodell auch stets das Risiko eines Totalverlustes mit sich bringt. Dies bedeutet, dass falls das unternehmerische Ziel nicht erreicht werden kann, das eingesetze Kapital „verloren“ ist.

Wie finanziert sich die Plattform?

Die Plattform gemeinwohlprojekte.at finanziert sich über die Abwicklungsgebühren, die diese dann erhält, wenn das Projekt zu einem erfolgreichen Abschluss gebracht werden konnte. Die Abwicklungsgebühren sind je nach Zielbudget gestaffelt. Bis zu einem Projektwert von 10.000,00 Euro beläuft sich die Abwicklungsgebühr auf 10 % des Projektwerts, bis zu einem Projektwert von 100.000,00 Euro auf 7 % und bei einem Projektwert ab 100.001,00 Euro auf 4 %.

Weiter berechnet gemeinwohlprojekte.at individuelle Gebühren für die Zahlungsabwicklung. Derzeit besteht diesbezüglich eine Kooperation mit mpay24. Sollte das Projekt innerhalb der Fundingzeit nicht erfolgreich abgeschlossen werden können, muss der Projekteinreicher keine Gebühren für dieses zahlen.

Aktuelle Projekte auf gemeinwohprojekte.at

Derzeit können Interessenten in zwei auf gemeinwohlprojekte.at vorgestellte Projekte investieren. Zum einen wird das Projekt „Druckwerkstatt der grafischen Künste“ und zum anderen das Projekt „Haus der Menschenrechte“ vorgestellt.

Bei dem Vorhaben „Druckwerkstatt der grafischen Künste“ beträgt das Budget 232.000 Euro. Die Finanzierungsschwelle beträgt 50.000,00 Euro. Dies bedeutet, dass nur wenn bis zum Ende der Fundingphase 50.000,00 Euro gesammelt werden können, das Projekt starten wird.

Sollte dies nicht der Fall sein, erhalten alle Investoren ihr eingezahltes Kapital zurück. Das Fundingphase endet am 05.12.2018. Das Projekt wird über ein Nachrangdarlehen finanziert. Die Mindesteinzahlungssumme beträgt 300,00 Euro, die maximale Einzahlungssumme 5.000,00 Euro.

Die Tilgung erfolgt zu jährlich gleichen Anteilen mit einem jährlichen Zinssatz von 5 % in Form von Gutscheinen („Herzblüten“) für Kurse und Projekte der Druckwerkstatt. Zudem erhalten Investoren 2,5 % Zinsen pro Jahr im Falle einer fünfjährigen Laufzeit. Ab einer Investitionssumme von 300,00 Euro erhalten die Investoren darüber hinaus exklusive Clemmini (zum Beispiel für Visitenkarten im Scheckkartenfomat).

Im Rahmen des Projekts möchte die stetig wachsende Buchbinderei Fuchs ihr Firmengelände vergrößern. Bei diesem Vorhaben handelt es sich deshalb um ein Projekt mit sozialem Charakter, da mit der Vergrößerung des Betriebs neue Arbeitsplätze geschafft werden können und die alte traditionelle Handwerkskunst unterstützt wird.

Das gesamte Projektvolumen beträgt 1,1 Millionen Euro. Einen Teil dieser 1,1 Millionen Euro erhält die Buchbinderei Fuchs von Förderstellen für energieeffiziente Baumaßnahmen, über Eigenkapital-Rücklagen und über Kredite der Hausbank.

Bei dem zweiten aktuellen Projekt von gemeinwohlprojekte.at handelt es sich um das Projekt „Haus der Menschenrechte“. Das Gesamtvolumen dieses Projekts beträgt 153.000,00 Euro, die Finanzierungsschwelle ist ab einer Investitionssumme von 30.000,00 Euro erreicht.

Die Finanzierungsfrist endet am 31.12.2018. Auch dieses Projekt wird über ein Nachrangdarlehen finanziert. Die Mindesteinzahlungssumme beträgt bei diesem Projekt 1.000,00 Euro, die maximale Einzahlungssumme 5.000,00 Euro.

Die Zinsen betragen bei diesem Projekt 3 % pro Jahr. Zudem erhalten Investoren eine Einladung für die Eröffnungsfeier des Hauses nach dessen Fertigstellung. Bei besonders hohen Investitionen von mehreren tausend Euro erhalten Geldgeber weitere Geschenke.

Im Falle der Realisierung des Projekts „Haus der Menschenrechte“ soll eine bereits bestehende Immobilie in einem relativ schlechten Zustand komplett saniert werden. Nach Abschluss der Sarnierungsmaßnahmen sollen Geflüchtete in das Haus einziehen.

Kernziel dieses sozialen Projekts ist es, traumatisierten Menschen eine neue Lebensperspektive zu bieten, die Integration dieser Menschen in die österreichische Gesellschaft zu ermöglichen und den interkulturellen Austausch zu fördern.

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