EGT in Österreich – Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit – Bilanz, Außerordentliche Erträge

Bei der Erstellung von Jahresabschlüssen gibt es viele Kennzahlen die ermittelt werden, um das Geschäftsergebnis eines Unternehmens genau analysieren zu können.

Nur der Jahresüberschuss der Firma für sich alleine als einzige Größe, der am Ende bekannt gegeben wird, sagt nicht in jedem Fall etwas über die Ertragskraft aus.

In dem endgültig festgestellten Jahresüberschuss befinden sich oft einmalige Erträge oder Aufwendungen, die den Jahresüberschuss erhöhen oder auch mindern können.

Für Banken und Analysten ist es aber oft wichtig das reine Jahresergebnis des Unternehmens, ohne Sonderfaktoren zu sehen. Aus diesem Grund ist das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit (EGT) ein wichtiger Faktor bei der Analyse von Jahresabschlüssen.

Was unterscheidet das EGT vom Jahresüberschuss?

Im EGT wird nur das Betriebsergebnis plus das Finanzergebnis eines Geschäftsjahres zusammengefasst.

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Diese Größe dient dazu, das operative Geschäft der Firma zu erfassen. In einigen Unternehmen gibt es aber auch Tochtergesellschaften die eigene Ergebnisse erwirtschaften oder das Unternehmen verdient Zinsen mit der Vergabe von Darlehen an Beteiligungs- oder Tochtergesellschaften.

Streng genommen hat das Finanzergebnis eigentlich nichts mit dem operativen Geschäft beispielsweise eines Produktionsunternehmens von Autos zu tun. Weil aber das Ergebnis aus den Beteiligungen und das Zinsergebnis ebenfalls periodisch abgrenzbar ist, werden diese beiden Faktoren trotzdem zum Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit hinzugezählt.

Wie wird das EGT in Österreich genau ermittelt?

In der Bilanzierung stellt sich die Gewinn und Verlustrechnung bis zum Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit wie folgt dar:

Umsatzerlöse

  • +/-Bestandsveränderungen
  • -Materialaufwand
  • -Personalaufwand
  • -Abschreibungen
  • +Andere aktivierte Eigenleistungen
  • +Erträge
  • -Betriebliche Aufwendungen
  • +/-Beteiligungen
  • +/-Zinsen
  • -Abschreibungen auf Finanzanlagen und Wertpapiere des Umlaufvermögens

Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit(EGT)

Diese Kurzdarstellung entspricht den Regeln der Bilanzierung und kann damit auf alle Unternehmen angewendet werden.

Welche Positionen bei der Ermittlung des EGT sind Kernpositionen?

Die Umsatzerlöse sind das Herzstück eines Unternehmens. Bei einem Produktionsunternehmen zeigen die Umsätze die verkauften Güter der Produktion ergänzt um positive oder negative Bestandsveränderungen bei den im Auftrag befindlichen Halbfertigprodukten.

Bei einem Handelsunternehmen sind die Umsatzerlöse die Summe der verkauften Handelswaren. Der Materialaufwand bezeichnet den Aufwand für zugekauftes Material für die Produktion, entsprechend beim Handelsunternehmen den Wareneinsatz.

Der Personalaufwand ist ebenfalls eine Kernposition, da kein Unternehmen ohne Mitarbeiter auskommt. Die Abschreibungen sind auch eine Kernposition. Hier ist aber oft nach der Höhe der Abschreibungen zu unterscheiden.

Ein Produktionsunternehmen mit vielen Fabriken, Hallen und Maschinen hat naturgemäß einen größeren Aufwand an Abschreibungen als beispielsweise ein Handelsunternehmen, das oft nur in gemieteten Räumen arbeitet und daher kaum Abschreibungen hat.

Allein aufgrund der Höhe der Abschreibungen kann man also keine Aussage treffen, ob ein Unternehmen auf ein gutes oder schlechtes EGT hinsteuert. Es kann auch eine Politik des Unternehmens sein, Abschreibungen im Rahmen der zulässigen gesetzlichen Möglichkeiten zu strecken um ein besseres Betriebsergebnis zu bekommen.

Bei den betrieblichen Aufwendungen gibt es ebenfalls weniger Spielraum. Diese Position ist gut vergleichbar, da die einzelnen Unterpositionen fast bei jedem Unternehmen identisch sind.

Welche Positionen bei der Ermittlung des EGT sind kritisch zu hinterfragen?

Die aktivierten Eigenleistungen sind Vorgänge im Unternehmen, welche die Firma für sich selbst erstellt oder erstellen lässt. Am besten ist es, wenn eine Firma ganz auf diesen Bereich verzichtet, da es ungewiss ist, ob diese aktivierten Eigenleistungen später zu erfolgreichem Anlagevermögen werden.

Meist ist diese Position aber eher von geringem Gewicht für die Ermittlung des EGT.Der Bereich der Erträge ist vom Analysten genau zu durchleuchten. Ordentliche Erträge, die mit dem Geschäftszweck zu tun haben, sind unkritisch. Einige Unternehmen betreiben etwas Bilanzkosmetik, indem sie auch außerordentliche Erträge in den sonstigen betrieblichen Erträgen ausweisen.

Dies ist teilweise in Deutschland möglich, ab der Einführung des Bilanzrichtlinie-Umsetzungsgesetzes aus dem Jahre 2015. Beispielsweise kann ein Produktionsunternehmen den Erhalt von Entschädigung aus einer Betriebsunterbrechungsversicherung jetzt den ordentlichen betrieblichen Erträgen zuweisen.

Genau analysieren sollte man bei der Betrachtung des Ergebnisses der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit auch die Positionen Zins- und Beteiligungsergebnis.
Ein überdimensioniertes Zinsergebnis weist im negativen auf eine hohe Verschuldung hin, währen ein sehr großes positives Zinsergebnis anzeigt, dass das Unternehmen sein Geld nicht mit dem Unternehmenszweck, sondern mit der Verleihung von Geld verdient.

Wer sich das Beteiligungsergebnis genau anschauen möchte, sollte sich dazu auch die Bilanzen der Tochtergesellschaften zeigen lassen.

Warum ist es wichtig, das EGT zu ermitteln?

Mit dem Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit kann man die Kombination aus operativem Betriebsergebnis plus Finanzergebnis für jedes einzelne Geschäftsjahr separat ermitteln. Wichtig ist bei der Entwicklung eines Unternehmens, dass die Geschäftsjahre miteinander vergleichbar sind, damit eine kontinuierliche Entwicklung sichtbar wird.

So kann es vorkommen, dass eine Firma über Jahre hinweg ein Wachstum beim EGT ausweist, aufgrund außerordentlicher Einflüsse aber einen abweichenden Jahresüberschuss oder sogar mit einem Verlust abschließen kann.

Erst die Analyse des EGT zeigt, dass zumindest das Kerngeschäft des Unternehmens intakt ist. Selbstverständlich muss bei einer Analyse oder im Rahmen einer Kreditvergabe auch beleuchtet werden, welche außerordentlichen Faktoren bei der Bilanzierung eine Rolle spielen. Die Ermittlung des EGT isoliert zumindest das Kerngeschäft für eine Beurteilung.

Welche Vergleiche kann man mit dem EGT durchführen?

In erster Linie wird mit dem Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit eines Geschäftsjahres die Kennzahl für das betrachtete Unternehmen selbst ermittelt. Der Vergleich über mehrere Geschäftsjahre zeigt die Entwicklung der analysierten Firma.

Zusätzlich besteht über diese, für alle Unternehmen identisch zu ermittelnde Größe auch die Möglichkeit, einen Vergleich zu anderen Unternehmen in derselben Branche durchzuführen. So lässt sich die Wettbewerbsfähigkeit einzelner Firmen feststellen.

Mit dem Ergebnis der Analyse kann man erkennen, ob die Konkurrenz besser oder schlechter aufgestellt ist. Natürlich ist diese Kennzahl nur ein Parameter unter vielen. So kann es vorkommen, dass andere Unternehmen der Branche aktuell nicht so ertragreich sind, weil parallel bereits Zukunftsinvestitionen durchgeführt wurden oder Beteiligungen erworben wurden, die aktuell noch keinen hohen Profit abwerfen.

Ein Vergleich des EGT eines Unternehmens mit dem Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit anderer Firmen aus unterschiedlichen Branchen ist nicht zu empfehlen, da es oft in unterschiedlichen Branchen andere Geschäftsmodelle oder Ertragszyklen geben kann.

Was umfasst den Begriff außerordentliche Erträge?

Außerordentliche Erträge sind ein Sammelbecken für alle Erträge eines Geschäftsjahres, die nicht dem gewöhnlichen Betrieb zuzuordnen sind. Zu den Merkmalen der außerordentlichen Erträge gehört, dass sie entweder einmalig auftreten oder nicht planbar sind.

Für die Bilanzierung von Firmen ist es wichtig, dass es eine Unterscheidung gibt welche Erträge ordentlich oder außerordentlich sind. Nur so lässt sich die Aussagekraft der Betriebsleistung exakt ermitteln. Außerdem bauen viele Kennzahlen in der Bilanzanalyse auf dem ordentlichen Betriebsergebnis auf.

Außerordentliche Erträge entstehen beispielsweise aus dem Verkauf von Anlagevermögen oder der Veräußerung von Beteiligungen an Tochtergesellschaften. Auch Subventionen oder einmalige Zuschüsse gehören nicht zum gewöhnlichen Geschäftsumfang und sind daher außerordentlich als Ertrag zu verbuchen.

Besondere Vorsicht ist geboten, wenn der Anteil der außerordentlichen Erträge einen wesentlichen Teil des Jahresüberschusses einer Firma ausmacht. In diesen Fällen ist die Zusammensetzung der außerordentlichen Erträge genau zu analysieren.

Wer erstellt eine Einnahmenüberschussrechnung und wie sieht sie aus?

Die Einnahmenüberschussrechnung gibt es sowohl in Deutschland als auch in Österreich (E/A-Rechnung). Für beide Länder ist diese Sonderform der Gewinnermittlung im Paragrafen 4 Absatz 3 des jeweiligen Einkommensteuergesetzes geregelt.

Diese Sonderregelung gilt für Unternehmer, die nicht aufgrund gesetzlicher Vorschriften zur Buchführung und der Erstellung regelmäßiger Jahresabschlüsse verpflichtet sind. Zu den Nutznießern dieser Vereinfachung gehören meist Kleingewerbetreibende oder Vertreter der freien Berufe, wie Ärzte, Anwälte, Heilpraktiker oder Architekten beispielsweise. Wichtig ist, dass der Unternehmer sein Wahlrecht für die Einnahmenüberschussrechnung eindeutig ausübt und dokumentiert.

Vom Grundsatz her bedeutet diese Form der Buchführung die Ermittlung des Überschusses der Betriebseinnahmen über die gegenzurechnenden Betriebsausgaben.

Für die Einnahmenüberschussrechnung muss kein Kassenbuch zwingend geführt werden. Allerdings muss der Nachweis aller einzelnen Geschäftsvorfälle lückenlos vorgelegt werden.

Die Einnahmenüberschussrechnung folgt dem Abfluss- und Zuflussprinzip. Erfasst werden nur alle Geschäftsvorfälle, die das Wirtschaftsjahr betreffen. Bestandsveränderung, wie bei bilanzierenden Unternehmen bleiben unberücksichtigt.

Die Einnahmenüberschussrechnung ist die einfachste Form der Gewinnermittlung. Trotz vieler Erleichterungen gegenüber bilanzierenden Unternehmen müssen auch bei der Einnahmenüberschussrechnung monatliche Umsatzsteuererklärungen an das Finanzamt abgegeben werden.

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