EPU & KMU – was ist das & wo liegen die Unterschiede? – Einzelunternehmer, Kleinunternehmen

EPU und KMU – was versteht man darunter und wo liegen die Unterschiede?

EPU steht für Ein-Personen-Unternehmen und gehört zusammen mit KMU (kleine und mittlere Unternehmen) zu den Begriffen des täglichen Umgangs, und man begegnet ihnen fast täglich auf den Wirtschaftsseiten der Zeitungen Österreichs.

Wobei EPU eher noch zu den unbekannteren Abkürzungen gehört und längst nicht so häufig zitiert wird wie KMU. Doch was genau versteht man unter diesen beiden Begriffen und worin unterscheiden sie sich?

EPU – ein starker Bestandteil der Wirtschaft Österreichs

Ein-Personen-Unternehmen (EPU) machen heutzutage mit ungefähr 60% Anteil einen Großteil der aktiven Mitgliedschaften der Wirtschaftskammer Österreichs aus. Sie prägen dadurch das Erscheinungsbild der österreichischen Unternehmenslandschaft in bisher nie erreichtem Ausmaß.

Aber durch die damit erlangte Vielfalt entstehen auch Vorstellungen von dieser Gruppe an Unternehmern, die einer Korrektur bedürfen. Zum Beispiel die Meinung, dass Ein-Personen-Unternehmen sozial nicht abgesichert und eigentlich gar keine echten Unternehmen seien.

Dabei ist für den Erfolg eines Unternehmens nicht die Größe ausschlaggebend, sondern Engagement und Kompetenz, mit dem ein Unternehmen geführt wird. Derzeit gibt es ungefähr 306.000 EPU in Österreich, bei steigender Tendenz.

Zu beachten ist, dass seit dem Jahr 2007 die Personenbetreuung als selbstständige Tätigkeit ebenfalls als EPU eingestuft wird. Diese Gesetzesänderung sorgte seinerzeit für einen großen Zuwachs an Ein-Personen-Unternehmen.

Home Office & Einzelunternehmerin

Was genau versteht man unter einem Ein-Personen-Unternehmen?

Ein EPU ist ein Kleinunternehmen der Wirtschaft, das auf rein selbständiger Basis geführt wird, also zum Beispiel auch ohne geringfügig beschäftigte Angestellte auskommt. Seine Leistungen orientieren sich am Markt und sind auf dauerhaften Bestand ausgerichtet.

Das Ein-Personen-Unternehmen ist meist als Einzelunternehmen oder als GmbH tätig und kommt auch ohne Mitunternehmer aus. Unternehmen, die über die Dauer eines gesamten Jahres geringfügig Beschäftige anstellen, zählen also nicht zu den EPU.

Firmen, welche aber beispielsweise lediglich für den Schlussverkauf mehr Personal benötigen und deshalb über eine begrenzte Dauer mit Teilzeitbeschäftigten arbeiten, dagegen schon.

Aktuell existieren in Österreich ca. 315.900 Ein-Personen-Unternehmen, das macht knapp zwei Drittel an der gewerblichen Wirtschaft aus. Am stärksten ist die Sparte Gewerbe und Handwerk vertreten, gefolgt von Unternehmen, die sich auf wirtschaftliche Beratung und Consulting spezialisiert haben.

Der Handel besetzt den dritten anteilsmäßigen Platz. Bei den EPU, die als Einzelunternehmen agieren, liegt das derzeitige durchschnittliche Alter des Eigner bei 46,8 Jahren. Der Anteil an Frauen ist mit 52,1% überdurchschnittlich hoch.

Damit zählen Unternehmen mit einem während des ganzen Jahres geringfügig Beschäftigtem nicht zu den EPU, während Unternehmen mit drei Teilzeitbeschäftigten zum Beispiel während eines saisonalen Verkaufs im Handel als EPU definiert werden.

Vorurteile und Meinungen zum EPU

Zunächst einmal geht es darum, Vorurteilen zu begegnen. Die Meinung, dass das EPU nicht wettbewerbsfähig sei, dass das unternehmerische Risiko fehlt und dass die meisten dieser Unternehmer lediglich aus der Not heraus und mangels beruflicher Alternativen in die Selbstständigkeit gegangen sind, ist schlichtweg falsch und hält keiner Statistik stand.

Denn die Ein-Personen-Unternehmen Österreichs haben zum Beispiel im Jahr 2014 mehr als 7 Milliarden Euro umgesetzt und ein großer Anteil dieser Unternehmen ist so erfolgreich, dass sie sogar mittelfristig an die Beschäftigung von Mitarbeitern denken.

Anders würde sich dies verhalten, wenn Arbeitslose nur zur Überbrückung in die Selbständigkeit gehen und nach Erhalt eines Angebots für eine Anstellung diese wieder aufgeben würden. Ein weiteres Vorurteil besteht darin, dem EPU zwangsläufig Erfolglosigkeit zu unterstellen, da ein so kleines Unternehmen mit den gigantischen Marktführern nicht konkurrieren kann.

Das ist ebenso falsch. Denn nur die kleinen Unternehmen können einerseits die oft sehr lukrativen Nischen besetzen und andererseits derart flexibel wirtschaften, dass sie sich neuen Trends viel schneller anzuschließen imstande sind, als die großen Firmen. Auch die Vermutung, die Wirtschaftskammer unterstütze eher die großen Unternehmen ist nicht korrekt. Die Pflichtmitgliedschaft dieser Klein- und Kleinstunternehmen garantiert ihnen auch, dass sie inmitten der lauten Stimmen der Großen dennoch mit ihren Anliegen gehört werden.

Die rechtlichen Grundlagen

Will man keine Ein-Personen-Kapitalgesellschaft gründen, wie zum Beispiel AG oder GmbH, so handelt man grundsätzlich als Einzelunternehmer. Voraussetzungen für den kommenden Einzelunternehmer gibt es keine.

Man muss sich aber im Klaren sein, dass man mit seinem Privatvermögen haftet. Ein Aufnahme von weiteren Teilhabern ist nicht möglich. Ein Mindestkapital ist nicht vorgeschrieben. Als kaufmännischer Einzelunternehmer ist man zum Eintragen in das Handelsregister gesetzlich verpflichtet, und das Unternehmen unterliegt dem Handelsgesetzbuch (HGB). Damit verbunden ist zum Beispiel auch die Pflicht, Bilanzen zu erstellen und eine doppelte Buchführung zu betreiben.

Das Geschäftskonto für den Einzelunternehmer

Die Banken bieten in der Regel mehrere Modelle an, die jeweils auf die Möglichkeiten und speziellen Bedürfnisse der Unternehmer abgestimmt sind. Es gibt zum Beispiel das sogenannte Kleinpauschalkonto. Mit ihm verbunden sind BankCard, digitales Banking und eine eventuelle Kreditkarte.

Die Leistung umfasst weiterhin sämtliche Buchungen und Kontoauszüge (digital). Auch ein sogenanntes Gründerkonto befindet sich im Angebot der meisten Großbanken. Dieses unterstützt das meist steinige und schwierige erste Jahre der Unternehmensführung durch bis zu 50% reduzierte Kontoführungsgebühren.

Die Möglichkeit zur Überziehung kann ebenfalls vereinbart werden und das Angebot einiger Banken hinsichtlich Hilfe bei Fakturierung und Buchhaltung ist weiterhin eine wertvolle Hilfe für den unternehmerischen Einstieg. Dringend wird empfohlen, ein eventuell bestehendes Privatkonto nicht automatisch als Firmenkonto weiterzuführen.

Und dies aus mehreren Gründen: Zum Beispiel kann auf einem Privatkonto keine SEPA-Lastschrift beauftragt werden. Und Geschäftskonten fallen nicht unter das Kapital-Abfluss-Meldegesetz, dies unterscheidet sie ebenfalls von von privaten Konten.

Was bedeutet KMU?

Eine allgemeingültige Definition für kleine und mittlere Unternehmen existiert nicht. Um dennoch diesen Begriff gegenüber anderen Unternehmensformen abgrenzen zu können, bezieht man sich in der Regel auf eine Empfehlung der EU-Kommission.

Vier Kriterien machen diese Definition aus: Mitarbeiterzahl, Umsatz oder Bilanzsumme , weiterhin Eigenständigkeit. Ein sogenannter Schwellenwert gibt Aufschluss darüber, zu welcher Kategorie ein Unternehmen zählt.

Die verschiedenen Kategorien der kleinen und mittleren Unternehmen.

  • Ein Kleinstunternehmen hat maximal neun Mitarbeiter, und der Umsatz bzw. die Bilanzsumme beträgt weniger als 2 Millionen Euro,
  • als Kleinunternehmen dagegen gilt eine Firma mit höchstens 49 Mitarbeitern und einem Umsatz, bzw. einer Bilanzsumme, die unter der 10-Millionen-Grenze bleiben.
  • Mittlere Unternehmen haben bis zu 249 Mitarbeitern und erwirtschaften einen Umsatz, der weniger als 50 Millionen Euro ausmacht. Die Bilanzsumme dagegen ist kleiner als 43 Millionen Euro. Allen drei Arten der Unternehmensgrößen ist die wirtschaftliche Eigenständigkeit gemeinsam.
  • Übersteigt ein Unternehmen diese Werte, so rangiert es unter dem Begriff Großunternehmen.

In der Praxis tritt die Schwierigkeit, ein Unternehmen nicht eindeutig einer bestimmten Größenklasse zuordnen zu können, häufig auf. Die Merkmale für die Einstufung passen sich nur selten einhellig einer einzigen Einstufung an. Das wichtigste Kriterium für die Klassifizierung eines Unternehmens spielt deshalb die Anzahl der Mitarbeiter.

Quellen, Statistik und Informationen zu EPU & KMU in Österreich

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