Erasmus Vorteile, Nachteile, Förderungen & Erfahrungsbericht

Erasmus, das Förderprogramm der Europäischen Union für Studenten der Mitgliedsstaaten, zielt auf die Förderung von Bildung, interkulturellem Austausch und akademischer Zusammenarbeit auf europäischer Ebene ab.

Dafür gibt die EU im Jahr viele hundert Millionen Euro aus, damit fördert sie alle Studenten im Bachelor oder Master, die sich dazu entschließen, 6 oder 12 Monate an einer ausländischen Universität zu verbringen.

Die Bewerbung ist aber nicht mit einem einzigen Dokument abgeschlossen, für die finanzielle Förderung müssen verschiedene Dinge erstellt und eingereicht werden, dazu gehören die Bewerbungsschreiben, Sprachtests, das Ausfüllen der sogenannten Learning-Agreements und eine Reihe von Dokumenten, die nach der Rückkehr bearbeitet werden müssen.

Im Folgenden gebe ich einen Überblick über den Ablauf von Erasmus, die Schwierigkeiten, die mir begegnet sind, und meine persönlichen Erfahrungen mit dem Förderprogramm. Ich habe das Wintersemester 2017 / 2018 in Sevilla, Spanien verbracht und kann deswegen mit viel Erfahrung aufwarten.

Vorteil von Erasmus: Viele neue Kontakte und Freundschaften

Was beinhaltet das Erasmus-Stipendium?

Das Erasmus-Stipendium beinhaltet eine monatliche Zahlung, deren Höhe individuell ist. Dazu kommt, dass in der europäischen Union keine zusätzlichen Gebühren an der ausländischen Universität bezahlt werden müssen. An der spanischen Universität Pablo de Olavide in Sevilla beispielsweise müssen Erasmus-Studenten keine Gebühren für die „matrícula“ bezahlen, das sind Kosten, die für jede Prüfung eines Kurses anfallen und von den spanischen Studenten jedes Semester aufgebracht werden.

Erasmus bietet außer der finanziellen Unterstützung auch persönlichen Beistand: An jeder Universität gibt es ein Büro, meist International Office genannt, das für die ausländischen Studenten zuständig ist und speziell für Erasmus geschult wird.

Dorthin kann man sich wenden, wenn es Probleme mit dem Stundenplan gibt, ein Kennwort verloren gegangen ist oder für Unterschriften, die von der heimischen Uni in Deutschland benötigt werden. Außerdem organisieren verschiedene universitäre Gruppen soziale Veranstaltungen für die Erasmus-Studenten, um das Kennenlernen zu fördern, oft bilden sich hier erste Kontakte.

Diese Veranstaltungen beinhalten den Besuch von Sehenswürdigkeiten, Stadtrallyes, Ausflüge in die nähere oder fernere Umgebung und nächtliche Aktivitäten, wie zum Beispiel Barhopping oder Mottopartys in Diskotheken.

Wer bekommt die Förderung?

Jeder Student, der an einer Universität eingeschrieben ist und sich erfolgreich für ein Auslandssemester beworben hat, ist förderungsberechtigt. Der Erhalt von Bafög, eigene finanzielle Mittel oder das Einkommen der Eltern sind hier nicht relevant, außerdem bekommen alle je nach Land den gleichen Betrag. Wenn man zusätzlich Bafög bekommt, empfiehlt es sich auf jeden Fall das Auslands-Bafög zu beantragen, Erasmus kann damit kombiniert werden und wird nicht angerechnet.

Man muss auf jeden Fall beachten, dass die Immatrikulation für die Semester im Ausland an der eigenen Universität trotzdem durchgeführt werden muss. Wenn man die Rückmeldung verpasst, wird man von der heimischen Uni für das kommende Semester exmatrikuliert und damit endet auch die Erasmus-Förderung und der Aufenthalt an der fremden Universität. Es empfiehlt sich also, wenn möglich, auf automatische Rückmeldeverfahren umzusteigen oder sich die Fristen für die Rückmeldung genau vorzumerken, damit der Auslandsaufenthalt nicht abrupt endet.

Wie viel Geld bekomme ich vom Erasmusprogramm?

Die Auszahlungen richten sich nach dem jeweiligen Land, in das du gehst, durchschnittlich gibt es bei Erasmus 320 Euro pro Monat. Für die Berechnung gibt existiert eine Ländertabelle, die bei der Infoveranstaltung für Erasmus nach der Zuweisung der Plätze präsentiert wird.

Es gibt sie auch im Internet oder im Erasmus-Büro der eigenen Uni. Die Ländertabelle beinhaltet drei Ländergruppen: Die erste besteht unter anderem aus Dänemark, Finnland und Frankreich, die zweite aus Spanien, Luxemburg und Portugal und die dritte aus Litauen, Bulgarien und Estland.

Die erste Ländergruppe beinhaltet den höchsten monatlichen Satz, da die Lebenshaltungskosten in Finnland und Co deutlich höher sind, die dritte Ländergruppe beinhaltet den niedrigsten Satz, da für Osteuropa von niedrigen Lebenshaltungskosten ausgegangen wird. Ich habe für Spanien einen Betrag von 230 Euro im Monat erhalten, Kommilitonen in Frankreich erhielten etwas mehr.

Der finanzielle Betrag wird entweder vollständig am Anfang des Auslandssemesters auf das in der Erasmus-Bewerbung angegebene Konto überwiesen oder trifft nach den ersten Monaten ein. Bei zwei Auslandssemestern wurde mir beispielsweise der volle Betrag für die 11 Monate kurz vor Beginn überwiesen, bei anderen kam das Geld für das zweite Semester erst nach Ende des ersten. Man sollte auf jeden Fall über genügend Mittel verfügen, um die ersten 3 Monate notfalls auch ohne das Erasmusgeld überbrücken zu können.

Woher bekomme ich alle notwendigen Informationen?

Die Unis in Deutschland bieten in regelmäßigen Abständen Infoveranstaltungen für alle an, die ein Auslandssemester in Erwägung ziehen. An meiner Universität fanden diese im April und November statt, während der Veranstaltung wurde eine Präsentation mit allen Rechten und Pflichten bei Erasmus gezeigt.

Oft sind auch ehemalige Erasmus-Studenten dabei, die Fragen zu einem bestimmten Land oder einer Universität beantworten können. So gut wie alle deutschen Unis verfügen auch über ein Erasmus-Büro, dort gibt es die Liste der aktuell verfügbaren Universitäten, Antworten auf individuelle Fragen und auch die Mail-Adressen von ehemaligen Teilnehmern, die einer Kontaktierung zugestimmt haben.

Außerhalb der Uni kann auch selbst im Internet recherchiert werden, die EU bietet auf der Webseite http://ec.europa.eu/programmes/erasmus-plus/ viele Informationen über ihr Förderprogramm. Es lohnt sich auch, online nach Erfahrungsberichten zu schauen, diese beinhalten oft nützliche Infos zu bestimmten Städten oder Mietpreisen zum Beispiel im Großraum Paris und sind frei zugänglich.

Wie beantrage ich die Förderung der EU?

Die Beantragung erfordert die Einreichung von mehreren Papieren, aus denen dann eine „Note“ errechnet wird, es werden u. a. das Motivationsschreiben und die Noten an der Uni bewertet. Eine gute Gesamtnote gibt dir eine höhere Garantie für dein Wunschziel.

Der Papierkram beinhaltet: Das Motivationsschreiben, der Lebenslauf, eventuelle Zeugnisse für soziale Tätigkeiten, Sprachzertifikate, der Bogen (3 – 4 Seiten) für die Bewerbung auf eine bestimmte Stadt und der aktuelle Notenspiegel.

Das Motivationsschreiben umfasst 1 – 2 Seiten, in denen du erklärst, warum du dich für Erasmus bewirbst und in welches Land du gehen möchtest. Das Motivationsschreiben muss meistens bis Anfang Dezember für ein Auslandssemester im darauffolgenden Jahr abgegeben werden, da ich das Wintersemester 2017 / 2018 in Spanien verbringen wollte, reichte ich das meinige in der ersten Dezemberwoche bei der zuständigen Abteilung ein.

Der Lebenslauf ist reine Formsache, wenn aber soziales Engagement, freiwillige Praktika oder ähnliches angegeben werden, sollte das zugehörige Zeugnis gleich mitgeliefert werden.
Der Notenspiegel wird ausgedruckt und beigelegt, ebenso Zertifikate für Sprachkurse, die in der Landessprache absolviert worden sind. Besonders Universitäten in Frankreich, Spanien oder England verlangen von ihren Studenten zu Anfang ein bestimmtes Sprachniveau. Da ich Spanisch studiere, reichte ich eine zusätzliche Bescheinigung des Kurses mit dem höchsten Sprachniveau auf Papier ein, das Dokument wurde von meiner Dozentin ausgestellt.

Der eigentliche Erasmus-Bewerbungsbogen beinhaltet deine persönlichen Daten, wie zum Beispiel Nationalität, Alter und Studiengang. Hier wird auch die Wunschliste für das oder die Auslandssemester angegeben:

Anhand der aktuellen Liste von ausländischen Unis, die an Erasmus teilnehmen, werden die eigenen Prioritäten eingetragen, das oberste Wunschziel wird an erster Stelle eingetragen. Das könnte in etwa so aussehen:

  • Nummer 1: Universidad de Sevilla, Spanien
  • Nummer 2: Universidade de Coimbra, Portugal
  • Nummer 3: Università di Padova, Italien
  • Nummer 4: Universitat de Barcelona, Spanien

Vor der Erstellung der Wunschliste sollte man die Unis, die in Frage kommen, kurz auf ihrer Homepage besuchen, so verschafft man sich einen ersten Eindruck, oft gibt es zu ihnen auch einige Erfahrungsberichte von ausländischen Studenten im Internet.

Genaue Fristen und Termine zu allem gibt es im Erasmus-Büro oder inzwischen auch auf der Homepage der Universität, bei allgemeinen Infoabenden werden die Deadlines auch erwähnt.

Ich habe einen Platz bekommen – was jetzt?

Meistens kommen die Zu- oder Absagen für die Plätze der Wunschliste im Januar oder spätestens Ende Februar. Je nach der Höhe der eigenen Gesamtnote aus Motivationsschreiben, Sprachkenntnissen, etc. erhält man einen Platz, der weiter oben auf der eigenen Liste steht, oder nicht.

Wenn du im unwahrscheinlichen Fall mit der zugewiesenen Universität absolut nicht zufrieden sein solltest, gibt es oft noch die Möglichkeit einer Warteliste. Manche Studenten canceln ihr Auslandssemester nach der Bewerbung, dann können die frei gewordenen Plätze neu vergeben werden. Zuständig dafür ist das Erasmus-Büro deiner Universität.

Wenn du mit deinem Platz zufrieden bist, können jetzt die ersten Vorbereitungen beginnen: Informiere dich in deinem Studiengang oder Freundeskreis über Personen, die schon einmal in dem Land oder in derselben Stadt waren, oft können sie wertvolle Tipps zu Wohnungen, Lage, Kursen an der Uni und Co geben. Nach der Zuweisung der Plätze findet eine weitere Informationsveranstaltung der eigenen Uni statt, bei mir war das Mitte April, kurz vor Semesterbeginn. Auf dieser Veranstaltung wird das Konzept der Learning Agreements erklärt, was für den Auslandsaufenthalt organisiert werden sollte, wie die Anrechnung von Punkten funktioniert und vieles mehr.

Vor dem Antritt des Auslandssemesters muss ein Sprachtest absolviert werden. Er beinhaltet Sektionen wie Grammatik, Hörverstehen, Leseverstehen, etc. und gibt dir zum Schluss einen genauen Überblick über deinen Stand in den verschiedenen Bereichen der Sprache. Er dient deiner Gastuniversität außerdem zur Bewertung deiner Sprachkenntnisse, wenn du keinen Sprachkurs mit Zertifikat absolviert haben solltest.
Einer der wichtigsten Punkte sind jedoch die beiden Learning Agreements (auf Deutsch: Lernvereinbarungen), hier haben viele Studenten Probleme beim richtigen Ausfüllen.

Das erste Learning Agreement – Before the mobility

Die Learning Agreements sind eine Vorgabe der EU für die Kontrolle der akademischen Inhalte im Gastland. Da das Studium überall in Europa mit den sogenannten ECTs, also Leistungspunkten berechnet wird, ist die Übertragung der Punkte auf das heimische System außerdem einfacher. Die Learning Agreements sind eine offizielle Vereinbarung, laut derer der Student im Ausland Kurse belegen und bestehen muss, damit die Förderung ausgezahlt werden kann.

Das erste LA wird größtenteils im Heimatland ausgefüllt: Das Online-Vorlesungsverzeichnis der Zieluniversität im Gastland beinhaltet alle angebotenen Kurse, daraus werden die ausgesucht, die man während des Auslandssemesters belegen möchte. Hierbei muss vorher mit dem Erasmus-Büro der eigenen Universität besprochen werden, welche Kurse im eigenen Studienverlauf noch offen sind und mit welchen Kursen an der Gastuniversität sie sich decken. Die Inhalte und der Anspruch muss in etwa gleich sein, dazu werden die Kursbeschreibungen durchgelesen, in denen die Inhalte des Kurses und das Niveau beschrieben werden.

Es lohnt sich, im Erasmus-Büro der eigenen Uni nachzufragen, ob bereits bestimmte Kurse an der jeweiligen ausländischen Uni angerechnet wurden. Dann nämlich sind die Inhalte ausreichend ähnlich und der Kurs kann belegt werden, ohne sich über die Anrechnung Gedanken zu machen.

Wenn du deine Kurse gefunden hast und sichergestellt hast, dass sie auf die deiner eigenen Uni anrechenbar sind, trägst du sie in die davor vorgesehene Tabelle des ersten Learning Agreements ein, unterschreibst selbst und reichst es dann an das Erasmus-Büro weiter.

Dort wird es nochmal geprüft, von den Verantwortlichen unterschrieben und an dich zurückgereicht. Jetzt muss es per Scan und Email an das Erasmus-Büro der ausländischen Universität geschickt werden, damit diese das Dokument ebenfalls unterschreibt und es gültig ist. Das vollständige Papier mit allen drei Unterschriften wird dann bei der an deiner Universität zuständigen Abteilung abgegeben. Damit ist das erste LA, das den vorläufigen Stundenplan enthält, erledigt.

Das zweite Learning Agreement – During the mobility

Dieses Learning Agreement wird während des Aufenthalts im Ausland ausgefüllt. Es enthält den endgültigen Stundenplan, an dem danach keine Änderungen mehr vorgenommen werden. Das zweite LA hat den Grund, dass an der ausländischen Uni Kurse überbelegt sein können oder gar vollständig ausfallen, die Ersatzkurse sind dann oft nicht anrechenbar. Manche stellen sich auch als zu schwer oder langweilig heraus, dann kann das erste LA modifiziert und das Kursprogramm geändert werden.

Auch beim zweiten LA sind die Unterschriften aller drei Parteien notwendig: Von dir selbst, dem ausländischen Erasmus-Büro und den Zuständigen an deiner heimischen Universität.
Meistens muss das zweite LA innerhalb von 4 – 6 Wochen nach Vorlesungsbeginn im Ausland vollständig sein und mit deiner Unterschrift und der vom dortigen Erasmus-Büro per Email an die Verantwortlichen an der Uni in Deutschland geschickt werden.

Dort wird das endgültige LA registriert und zu den Unterlagen gelegt, wenn dieses LA fehlt ist nicht sichergestellt, dass du ordnungsgemäß die Kurse besuchst und die Vorgaben von Erasmus erfüllst! Sorge also rechtzeitig dafür, dass die Änderungen eingetragen und von den Verantwortlichen vor Ort unterschrieben werden.

Papiere, Papiere – was muss nach der Rückkehr erledigt werden?

Die Prüfungen sind geschrieben, die beiden Learning Agreements sind an der Universität in Deutschland oder Österreich angekommen und du bist zurück von deinem Auslandssemester. Was bleibt jetzt noch an Bürokratie?

Zuerst muss ein Erasmus-Erfahrungsbericht verfasst werden. Dazu gibt es verschiedene Vorgaben von den deutschen Universtäten. Meistens sollen folgende Aspekte behandelt werden: Wie ist die Uni im Gastland? Was kostete das Semester insgesamt (Flüge, Wohnung, etc. …)?

Welche Kurse sind empfehlenswert? Welche Probleme traten auf, wie habe ich sie gelöst? Der vollständige Erasmusbericht sollte an meiner Universität 3 – 6 Seiten lang sein und als PDF Dokument per Mail beim zuständigen Erasmus-Büro eingereicht werden. Oft werden diese Erfahrungsberichte auf den Webseiten der Unis veröffentlicht, um neuen Erasmus-Studenten Einblicke in den Alltag ihrer zukünftigen Stadt und Universität zu geben.

Die Prüfungen sind absolviert, im besten Fall alle bestanden und die Kurse können angerechnet werden. Dafür musst du dem zuständigen Bereich deiner Universität das sogenannte Transcript of Records vorlegen. Das ist gewissermaßen dein Zeugnis von der ausländischen Universität, in dem die belegten Kurse und die erhaltenen Noten aufgeführt sind. Ohne dieses Zeugnis können dir keine Kurse an der heimischen Uni angerechnet werden, normalerweise erhältst du etwa 3 Wochen nach der Rückkehr eine E-Mail, in der das Transcript of Records angehängt ist.

Solltest du es 4 – 5 Wochen nach deiner Rückkehr noch nicht erhalten haben, gib dem Erasmus-Büro an deiner Universität Bescheid und frage außerdem bei deiner ausländischen Uni nach, manchmal gehen solche Dokumente unter.

Etwa zwei Wochen nach der Ankunft in Deutschland bekommst du außerdem eine E-Mail, in der du aufgefordert wirst, den am Anfang abgelegten Sprachtest zu wiederholen, um deine Fortschritte festzustellen. Dieser beinhaltet wieder die üblichen Abschnitte mit Grammatik, Hörverstehen, etc. und gibt dir zum Schluss einen genauen Überblick über deine Entwicklung in den verschiedenen Bereichen der Sprache.

Zuletzt gibt es noch einen Fragebogen von der zuständigen Abteilung der EU, in der du deine Erfahrungen mit der Gastuniversität, der fremden Stadt und deinen eigenen Umgang mit der neuen Kultur beschreiben und anhand von Skalen bewerten sollst. Dieser Fragebogen wird anonym ausgewertet und dient der Evaluierung des Programms, es geht beispielsweise um die Frage, wie die sozialen Kompetenzen oder das Selbstvertrauen der Studenten sich im Ausland entwickeln.

Die Vorteile und Nachteile von Erasmus

Das Förderprogramm hat definitiv viele Vorzüge. Noch nie war es so vielen Studenten unabhängig vom Einkommen und der Herkunft möglich, ein oder zwei Semester im Ausland zu verbringen. Erasmus gibt es seit fast 30 Jahren, in dieser langen Zeit haben sich viele Abläufe schon eingespielt und Erasmus-Studenten sind ein fester Bestandteil jeder größeren Uni, ob in Deutschland oder im europäischen Ausland.

Es gibt nur wenige Studenten, die ohne Erasmus in einem anderen Land studieren, die bürokratischen Hürden sind höher und es gibt keine spezielle Hilfe vom Büro der ausländischen Universität. Erasmus kann außerdem mehrmals gemacht werden: es sind jeweils 11 Monate im Bachelor und 11 Monate im Master möglich, schöpft man diese Kontingent voll aus, kann man also knapp 2 Jahre im ausländischen Europa studieren.

Die Nachteile sind dennoch nicht ganz unerheblich:

Das Erasmusgeld steht zwar jedem Studenten zu, es deckt jedoch auf keinen Fall die tatsächlichen Kosten während dem Semester. In Spanien, Italien oder Portugal sind die Lebenshaltungskosten etwas niedriger, besonders Essen gehen oder ein geselliges Bier kosten in einigen Städten deutlich weniger als in Deutschland. In Sevilla zum Beispiel kann für ein Abendessen aus Tapas mit 2 Getränken mit 8 – 10 Euro kalkuliert werden.

In Frankreich oder England jedoch, wo die Lebenshaltungskosten vor allem in den großen Städten über dem deutschen Niveau liegen, ist es ohne eine oder mehrere zusätzliche Finanzierungsquellen unmöglich die Kosten zu tragen. Es ist daher ratsam, sich frühzeitig über die gesamten Kosten zu informieren und diese zu überschlagen, Metropolen wie London, Madrid, Lissabon oder Paris stechen besonders mit hohen Mieten für WG-Zimmer heraus.

Erasmus bedeutet auch einen gewissen Aufwand im Hinblick auf Papierkram: Die Learning Agreements stellen vor allem am Anfang eine Stolperfalle dar und bei Verständigungsproblemen mit dem International Office vor Ort kann es zu Missverständnissen kommen. Nach meiner Erfahrung jedoch lösen sich diese schnell, bei ernsten Problemen mit Prüfungen oder nicht belegten Kursen sollte man sich an die Universität in Deutschland wenden, um sich Hilfe zu holen.

Mir persönlich war das Erasmus-Programm eine große Hilfe, nicht nur finanziell, sondern auch persönlich. Es war ermutigend zu wissen, dass ich mich an verschiedene Stellen wenden kann und nicht vollständig mit Verwaltungsproblemen alleine bin.

Fazit: Meine ganz persönliche Erfahrung mit Erasmus – Erfahrungsbericht

Ich bin selbst vor 2 Monaten aus Spanien zurückgekommen und habe unglaublich viel an Erfahrungen und Wissen mitnehmen können. Meiner Meinung nach ist Erasmus, trotz der nicht ausreichenden Finanzierung und dem bürokratischen Aufwand, eine sehr gute und vorteilhafte Möglichkeit über den Tellerrand hinauszuschauen.

Es gibt viele spannende Kurse, die an der Uni in der Heimat nicht angeboten werden, es gibt so viele Möglichkeiten etwas auszuprobieren. Die eigene Reife und Charakterstärke bildet sich ebenfalls weiter: Bereits durch die Integration in ein neues soziales Umfeld und eine neue Universität mit ganz eigenen Abläufen wächst die Persönlichkeit und die Fähigkeit alleine zurechtzukommen.

Die sozialen Kompetenzen werden auch unheimlich gestärkt, der Kontakt mit anderen Menschen aus vielen verschiedenen Nationen und deren Gebräuche sind faszinierend und erweitern den eigenen Horizont.

Die Sprachkenntnisse sind ebenfalls ein wichtiger Baustein: Besonders wenn man Spanisch, Französisch oder Englisch studiert, ist das Auslandssemester mit Erasmus eine optimale Verbesserung der Kenntnisse. Der Alltag bringt Unmengen an neuem Vokabular, der Ausdruck verbessert sich täglich und die eigene Schüchternheit verliert sich mit der Zeit.

Insgesamt ist Erasmus eine sehr lohnende Erfahrung, auf die sich jeder Student einlassen sollte, wenn sich die Möglichkeit bietet. Die Verwaltung wird nicht komplett dem Studenten selbst überlassen, es werden soziale und finanzielle Ressourcen zur Verfügung gestellt. Persönliche und akademische Fortschritte bereichern dich selbst und deinen Lebenslauf, ein Auslandssemester gehört für viele Personalchefs besonders bei Bewerbungen auf höhere Stellen dazu.

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