Richtiger Umgang mit Geld für Kinder & Jugendliche – Finanzbildung

Während der Sommermonate macht die Schule für Kinder und Jugendliche in ganz Österreich Pause. Neben der wohlverdienten Erholung bieten die neun Wochen dauernden Ferien ausreichend Zeit, um sich mit anderen wichtigen Dingen des Lebens zu befassen – etwa dem richtigen Umgang mit Geld.

Denn je früher Kinder und Jugendliche ein Gefühl dafür entwickeln, desto leichter fällt ihnen im Erwachsenenalter die finanzielle Lebensplanung.

Österreichischer Verband Financial Planners informiert gemeinsam mit der Familien- und Erziehungsexpertin Prof.Dr.med.univ. Martina Leibovici-Mühlberger, M.Sc. darüber, wie Kinder und Jugendliche rechtzeitig und altersgerecht an Finanzthemen herangeführt werden können.

Prof.Dr.med.univ. Martina Leibovici-Mühlberger, M.Sc., Familien- und Erziehungsexpertin, © Matthieu Munoz

Prof.Dr.med.univ. Martina Leibovici-Mühlberger, M.Sc., Familien- und Erziehungsexpertin, © Matthieu Munoz

Wien, am 9. Juli 2018. Finanzbildung sollte auch in den Pflichtschulen zum Thema gemacht werden, denn beim Umgang mit Geld hat Österreichs Jugend noch immer einigen Nachholbedarf. Anders lassen sich die alarmierenden Zahlen der Schuldenberatung, wonach jeder vierte Klient nicht älter als 30 Jahre ist, kaum erklären.

„Die Zunahme an Privatkonkursen und die steigende Überschuldung der Bevölkerung, auch schon in jungen Jahren, lassen leider darauf schließen, dass die betroffenen Erwachsenen während ihrer Kindheit nur wenig im Umgang mit Geld gelernt haben. Dabei stellt die finanzielle Allgemeinbildung die Basis für eine erfolgreiche Teilnahme am wirtschaftlichen Leben dar“, hält Claudia Figl, Vorstandsmitglied Österreichischer Verband Financial Planners, fest.

 Claudia Figl, MAS, CFP®, TEP, Vorstandsmitglied Österreichischer Verband Financial Planners, © Bank Gutmann

Claudia Figl, MAS, CFP®, TEP, Vorstandsmitglied Österreichischer Verband Financial Planners, © Bank Gutmann

Erster Schritt: Geld als Tauschmittel für begehrte Güter

Wann der richtige Zeitpunkt gekommen ist, um die Funktion von Geld mit Kindern erstmals zu thematisieren, ist individuell verschieden. „Das Kind ist hier der Taktgeber. Es realisiert, etwa beim Einkaufen mit den Eltern, dass Geld ein Tauschmittel für begehrte Güter ist und entwickelt auch eigene Begehrlichkeiten“, erklärt Familien- und Erziehungsexpertin Prof.Dr.med.univ. Martina Leibovici-Mühlberger, M.Sc.

Hier sollte man dem Kind spielerisch beibringen, dass hinter jedem Geldbetrag, den man ausgibt, eine Arbeitsleistung steckt. Kostet ein Stoff-Tiger beispielsweise zehn Euro, empfiehlt die Expertin, zu Hause mit dem Kind ein Bild des Tigers zu malen und darin zehn Münzen einzuzeichnen.

„So kann man die Zusammenhänge für Kinder veranschaulichen und es ist ein gutes Training ihrer Impulskontrolle. Sie lernen: Wenn man kleine Wünsche eine Zeit lang unterdrückt, kann man sich nach einer gewissen Zeit einen größeren Wunsch erfüllen“, führt sie aus.

Taschengeld ist wichtigstes Übungsfeld

Damit Kinder finanzielle Selbständigkeit entwickeln und eigene Erfahrungen im Umgang mit Geld sammeln können, ist es für sie ganz entscheidend, Taschengeld zu erhalten. Volksschüler sollten ihr Taschengeld wöchentlich bekommen, älteren Kindern und Jugendlichen kann man es zweiwöchentlich oder monatlich auszahlen. „Taschengeld sollte regelmäßig und unaufgefordert ausbezahlt werden, den Kindern zur freien Verfügung stehen und bei Strafmaßnahmen keine Rolle spielen“, erklärt Figl.

Eine Einschränkung gibt es hier allerdings: Geben Kinder ihr Taschengeld für gefährliche oder verbotene Dinge aus, sollen und müssen Eltern natürlich einschreiten. Regeln für den Umgang mit Taschengeld sind also sehr wohl aufzustellen und familiäre Normen abzustecken.

Die Auszahlung des Taschengelds sollte jedenfalls nicht daran gekoppelt sein, ob das Kind brav war. Die Höhe des Taschengeldes richtet sich, neben den Empfehlungen in Ratgebern, nicht zuletzt nach den finanziellen Möglichkeiten einer Familie.

„Wichtig ist aber, dass Kinder aus allen sozialen Schichten den Umgang mit Geld erlernen müssen. Auch Kinder aus wohlhabenden Familien müssen verstehen, dass das Geld nicht auf den Bäumen wächst“, betont Figl. Und Leibovici-Mühlberger ergänzt: „Im Hinblick auf das spätere Leben dient Taschengeld immer auch dazu, vorausschauende Geld- und Finanzplanung anzustoßen.“

Zusätzliche Leistungen zusätzlich honorieren

Doch auch abgesehen vom Taschengeld gibt es Wege und Möglichkeiten, Kinder und Jugendliche auf das Thema Geld im späteren Leben vorzubereiten. Gerade die Sommerferien eignen sich dazu sehr gut. „Eltern können sich in Alltagssituationen mit ihren Kindern dem Thema Geld widmen, beispielsweise beim Einkauf im Supermarkt oder während der Urlaubsreise in Restaurants“, sagt Figl. Zudem sollten Kinder und Jugendliche lernen, dass zusätzlicher Aufwand und Fleiß und somit Leistung gesondert honoriert wird.

Auch hier bieten sich die Sommerferien an. Mäht ein Kind in den Ferien etwa den Rasen im Familiengarten, sollte zusätzlich Geld von den Eltern fließen. So lernen Kinder, dass sich Mehraufwand und Leistung lohnen. Jugendliche können diese Erfahrung im Sommer auch im Rahmen freiwilliger Praktika machen.

FACTBOX: ÖSTERREICHISCHER VERBAND FINANCIAL PLANNERS

Österreichischer Verband Financial Planners wurde im Jahr 2001 mit dem Ziel ins Leben gerufen, zum Wohle der Öffentlichkeit höchste Beratungsstandards für Finanzdienstleister in Österreich zu etablieren und zu fördern. Gründungsmitglieder waren damals neben Professor Otto Lucius, derzeit Vorsitzender des Vorstandes des Verbandes, unter anderem hochrangige Vertreter der heimischen Finanzbranche wie etwa Dr. Ruth Iwonski-Bozo, KR Heinrich Spängler, oder Mag. Wolfgang Traindl.

Der Mittelpunkt der Tätigkeit der gemeinnützigen Organisation, die in der Rechtsform eines Vereins konstituiert ist, ist neben der Finanzbildung die Zertifizierung von Finanzexperten zum CERTIFIED FINANCIAL PLANNER™, kurz CFP®. Der internationale CFP-Standard hat sich mittlerweile auch in Österreich als Benchmark für fundierte und umfassende Finanzberatung etabliert. Berater, die das Gütesiegel CFP® tragen, haben nicht nur eine umfassende Ausbildung absolviert und kommissionelle Prüfungen abgelegt, sondern sich auch einem strengen Ehrenkodex unterworfen und zu ständiger Weiterbildung verpflichtet.

Eine Liste aller heimischen CFP-Zertifikatsträger kann auf der Website des Verbandes (www.cfp.at) abgerufen werden. Daneben gibt es noch die Zertifizierung zum EFA® European Financial Advisor® und jetzt neu den EIP® European Investment Practitioner®.

Nicht zuletzt schätzt die Finanzmarktaufsicht die Arbeit des Verbandes. FMA-Vorstand Helmut Ettl schloss seine Rede anlässlich der 10 Jahre-Jubiläumsfeier des Verbandes etwa mit den Worten: “Das ist Aus- und Weiterbildung, wie wir sie uns vorstellen.”

Die fördernden Mitglieder des Verbandes, der im FPSB Council des Financial Planning Standards Board Ltd. und im EFPA Europe Board of Directors die Interessen Österreichs vertritt, sind aktuell die Alpenbank Innsbruck, die Bank Gutmann, das Bankhaus Carl Spängler, die Erste Bank der österreichischen Sparkassen, FiNUM Private Finance, Raiffeisen Campus, der Raiffeisenverband Salzburg, die Raiffeisen Kapitalanlage GmbH, die Sparkasse NÖ Mitte West, die Schoellerbank, UBS Wealth Management Österreich und die UniCredit Bank Austria.

Pressefotos anbei:

  • Claudia Figl, MAS, CFP®, TEP, Vorstandsmitglied Österreichischer Verband Financial Planners, © Bank Gutmann
  • Prof.Dr.med.univ. Martina Leibovici-Mühlberger, M.Sc., Familien- und Erziehungsexpertin, © Matthieu Munoz
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