Forschungsdialog in Österreich

Einmal im Jahrzehnt trifft sich in Österreich die Elite der universitären Forschung.

Über 2000 Mitglieder, die meisten von Ihnen an der Universität Forschende, aber auch Interessierte und Prominente, treffen sich an wechselnden Orten, um über neue Forschungsergebnisse zu sprechen und um einen Ausblick auf die kommenden Jahre zu geben. Damit wird bestätigt, dass die Forschung selbst für Österreichs zukünftige Entwicklung von herausragender Bedeutung ist.

In diesem Beitrag werden wir uns deshalb mit diesem Dialog einmal genauer auseinander setzen. Bei uns erfahren Sie, was der Forschungsdialog ist, welche Ziele er verfolgt, welche Teilnehmer hieran partizipierten und welche Ergebnisse herauskamen.

Damit der Artikel nicht zu umfangreich wird, werden nur die wichtigsten Ergebnisse des Forschungsdialogs 2008 wiedergegeben. Der Interessierte Leser, der sich gerne vertieft mit dem Thema auseinander setzen möchte, sei auf die umfangreiche Ergebnisdokumentation verwiesen, die im Internet zu finden ist.

Was ist der Forschungsdialog Österreich?

Der Forschungsdialog Österreich ist ein seit 2007 regelmäßig stattfindender Kongress aller an Forschung in Österreich beteiligter Personen. Er ist von Forschungsminister Dr. Johannes Hahn eingeführt worden und wird von der gesamten Bundesregierung unterstützt. Damit nähern sich Politik und Forschung weiter an und beide beteiligten Parteien können voneinander lernen.

Der Forschungsdialog beschränkt sich aber nicht nur auf die Zeit des Kongresses, sondern ist eher als Handlungsmaxime für ein gesamtes Jahr zu betrachten.

Er erreicht seinen Höhepunkt in dem Kongress, bei dem in Kamingesprächen, Dialogforen, Joint Ventures, Onlinedialogen und schriftlichen Beiträgen die Ergebnisse der Forschungsarbeit seit Beginn des Forschungsdialoges zusammen getragen worden sind.

Was sind die Ziele des Forschungsdialogs in Österreich?

Das Ziel des Forschungsdialogs in Österreich ist es, den Forschungsstandort Österreich zu stärken. Dieses Ziel soll im Jahr 2020 erreicht werden. Darüber hinaus soll der Kongress Impulse für eine FTI-Strategie der Bundesregierung erarbeiten.

Diese Strategie soll das Ziel des Kongresses, den Forschungsstandort Österreich zu stärken, in politische Maßnahmen überführen. Erstmalig fand der Forschungsdialog im Jahr 2007 statt.

Um eine angemessene FTI-Strategie zu formulieren, soll der Kongress erreichen, dass alle hierfür notwendigen Akteure an einem Tisch sitzen und Ihre Impulse beisteuern. Dies wurde vorher noch nie erreicht.

Damit dies erreicht wird, sah der Forschungsdialog Veranstaltungen in ganz Österreich zu jeder Jahreszeit vor. Der Kongress diente also schlussendlich dazu, die gesammelten Erkenntnisse eines Jahres zusammen zu tragen und in eine politische Strategie zu überführen. Mit der Dokumentation der Ergebnisse, die im Internet auch für die früheren Jahre nachlesbar ist, soll zudem ein Wissensspeicher erarbeitet werden, der zu den größten aller Zeiten gehört.

Wer nimmt am Forschungsdialog teil?

Die Teilnehmerliste liest sich wie ein Who is Who der österreichischen Forschungslandschaft. Von der Bundesregierung nahmen das Ministerium für Wissenschaft und Forschung, das Ministerium für Verkehr, Innovation und Technologie, das Ministerium für Wirtschaft und Arbeit, das Ministerium für europäische und internationale Angelegenheiten, das Ministerium für Finanzen und weitere Ministerien sowie der Rat für Forschung und Technologieentwicklung teil.

Als Joint Venture Partner nahmen die Jonaneum Research Forschungsgesellschaft, die österreichische Forschungsförderungsgesellschaft, die österreichische Fachhochschul-Konferenz und das Bundeskanzleramt teil.

Als Veranstaltungspartner fungierten die österreichische Akademie der Wissenschaften , die OÖ Technologie- und Marketinggesellschaft, die Universität für Musik und darstellende Kunst, die Salzburg Research Forschungsgesellschaft und die Universität Mozarteum Salzburg sowie weitere Universitäten.

Was sind die bisherigen Ergebnisse des Forschungsdialogs?

Zunächst einmal wurde festgestellt, dass Österreich in Bezug auf die Ausgaben für Forschung & Entwicklung, meist abgekürzt F&E, deutlich über dem europäischen und weltweiten Durchschnitt liegt.

2008 wurden 2,63% des BIP, dies entspricht 7,512 Milliarden Euro, für F&E ausgegeben. Die wichtigste Finanzierungsquelle ist der Unternehmenssektor mit 48,6%, danach folgt der öffentliche Sektor mit 35,9% und zuletzt der ausländische Sektor mit 15,5%.

Auch die Qualifikation der Arbeiter selbst hat sich seit Beginn des Forschungsdialogs verbessert. Generell ist festzustellen, dass ein Trend zu höherer Bildung zu beobachten ist. Das Barcelona-Ziel der EU, die F&E Ausgaben dem Ziel von 3% des BIP anzunähern, wird damit von Österreich als einzigem westeuropäischen Land, neben den skandinavischen Ländern, erreicht. Vor allem der Unternehmenssektor, der seit Jahren kontinuierlich mehr in F&E investiert, trägt dazu bei.

Auch der öffentliche Sektor investiert mehr, aber nicht so stark wie der Unternehmenssektor. Die Bundesregierung hat zahlreiche Förderprogramme aufgelegt, um mehr Mittel für die Forschung und die Entwicklung neuer Produkte bereit zu stellen. Es bleibt abzuwarten, wie hoch die Effizienz dieser Forschungsprogramme ist.

Eine bessere Grundlagenforschung ermöglichen

Der Kongress erkannte auch, dass mehr finanzielle Ressourcen für die Grundlagenforschung aufgewendet werden müssen. Die Grundlagenforschung ist Voraussetzung für wissenschaftlichen Output. Die Schweiz, die mit 0,85% am BIP den höchsten Anteil für Grundlagenforschung ausgibt, hat dementsprechend auch einen höheren wissenschaftlichen Output. Das von Forschungsminister Hahn ausgesprochene Ziel, in der FTI-Strategie ein Ziel von 1% für den Anteil an Grundlagenforschung festzuschreiben, wurde durch den Kongress mit Zwischenschritten übernommen.

Damit sich die Attraktivität der Grundlagenforschung weiter verbessert, muss auch die Attraktivität der universitären Lehre verbessert werden. Hierfür müssen die Rahmenbedingungen optimiert werden. Vor allem die Akzeptanz atypischer Lebensläufe muss zunehmen. Da viele Beschäftigte an der Universität lediglich mit Zeitverträgen über ein Jahr ausgestattet werden, ergeben sich so immer wieder Lücken, die nicht kompensiert werden können. Deshalb soll die Laufbahn an der Universität möglichst ohne Unterbrechungen ablaufen und abhängig von der Leistung des Wissenschaftlers sein. Auch sollen durch neue Programme mehr Doktoranden und PostDoc-Stellen geschaffen werden.

Die Rolle des Humankapitals an der universitären Forschung

Der Begriff Humankapital verursacht starke Kritik. Davon unbeeindruckt zeigt sich die Forderung nach einer verstärkten Förderung des wissenschaftlichen Humankapitals in Österreich. Das Land ist mit der Herausforderung konfrontiert, ökonomisches Wachstum durch Schaffung neuer Produkte zu generieren.

Vor allem im technischen, als auch im naturwissenschaftlichen Forschungsbereich besteht für Österreich Nachholbedarf. Vor allem die Arbeitsbedingungen, speziell für Frauen, ist dabei Gegenstand häufiger Kritik und soll laut Meinung des Forschungsdialoges in naher Zukunft unbedingt verbessert werden.

Der Forschungsdialog forderte ebenfalls, den Anteil von Frauen in Führungspositionen zu erhöhen. Vor allem die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, genauer gesagt, Karriere und Familie, bereitet vielen weiblichen Führungskräften Probleme und deshalb ist der Anteil von Frauen in der Wissenschaft, als auch in Führungsorganen, wie in Europa allgemein, sehr niedrig.

Quellen und weitere Details zum Thema Forschung & Forschungsdialog in Österreich

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