Industriedesign in Österreich – Ausbildung, Branche, berühmte Industriedesigner

Am Industriedesign führt kaum ein Weg vorbei

Egal ob Maschinen, Werkzeuge, Unterhaltungselektronik-Artikel oder Arbeitsmittel wie Computer, Tablets und Co. – ohne das richtige Industriedesign kommt längst keiner dieser Gegenstände mehr aus bzw. auf den Markt.

Der IT-Konzern Apple hat in der Vergangenheit mehr als einmal eindrucksvoll bewiesen, was mit stimmigem (Industrie-)Design in Kombination mit Technologie und gutem Marketing alles möglich ist. In Österreich hat man die Wichtigkeit dieser Designrichtung längst erkannt und bietet Interessierten eine Vielzahl an Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten an.

Was ist Industriedesign? – Industrial Design Definition

Hinter dem Begriff „Industriedesign“ verbirgt sich laut Definition die Beschäftigung mit der Gestaltung einer großen Bandbreite von Gegenständen, die in industrieller Massenproduktion hergestellt werden.

Im Vordergrund steht die Formgebung technischer Gerätschaften, jedoch reicht das Industriedesign auch bis hin zum industriell gefertigtem Kunsthandwerk.

Erstmals wurde der Begriff „Industrial Design“ im Jahr 1919 von Joseph Sinel verwendet. Ursprünglich in der Werbeindustrie tätig, startete dieser 1923 mit einem eigenen Industriedesign-Unternehmen und beschäftigte sich in weiterer Folge mit dem Aussehen von Automobilen, Bierflaschen, Hämmern, Hörhilfen, Buchcovern und vielem mehr.

Mit 14, 15 Jahren geht’s los – Industriedesign Ausbildung in Österreich

Ist man an Industriedesign als Beruf interessiert, bietet sich dafür bereits rund um das Ende der Pflichtschulzeit ein entsprechendes Angebot.

Stockfoto-ID: 197316559 Copyright: Kasia Bialasiewicz/Bigstockphoto.com

Wichtig: Kreative Design Arbeit braucht Zeit und Raum
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Einen Ausbildungsschwerpunkt gibt es an ausgewählten höheren (technischen) Lehranstalten, meist in Verbindung mit der Fachrichtung Maschinenbau. Entsprechende Angebote bieten zum Beispiel das TGM in Wien, die HTL St. Pölten, die HTBLuVA Ferlach oder die HTBLuVA Graz-Gösting.

Entscheiden sich die Jugendlichen zunächst für die Absolvierung der Oberstufe mit Matura, gibt es an den meisten HTL auch viersemestrige Kollegs, die sich mit dem Thema auseinandersetzen.

Strebt man einen Hochschul-Abschluss an, so werden einem aktuell sechs Industriedesign- und Produktdesign-Studiengänge in Österreich geboten.

Bachelor- (sechs Semester) gibt es in Kuchl (Fachhochschule Salzburg), Graz (Fachhochschule Joanneum), Linz (Universität für künstlerische und industrielle Gestaltung), Wels (Fachhochschule Oberösterreich) und St. Pölten (New Design University – Privatuniversität). Aufbauend auf diese werden viersemestrige Master-Studiengänge angeboten. Den Magistertitel kann man derzeit in 10 Semestern an der Universität für angewandte Kunst in Wien erlangen.

Während an der Universität in Wien und an den österreichischen Fachhochschulen gerade einmal die Studiengebühren von 363 Euro (plus ÖH-Beitrag von 19,70 Euro) pro Semester anfallen, schlägt das Bachelor-Studium „Design, Handwerk & materielle Kultur“ an der New Design University in St. Pölten mit wohlfeilen 3.000 Euro pro Semester zu Buche.

Schnittstellenfunktion zwischen Kunden und Ingenieuren

Ist die Ausbildung dann einmal abgeschlossen, so findet sich der Industriedesigner im Arbeitsalltag wieder, der ihn eine Schnittstellenfunktion zwischen Kunden und Ingenieuren einnehmen lässt. Sobald der Kunde einen entsprechenden Auftrag erteilt hat, starten die vier Phasen der Produktentwicklung. Phase eins ist die Analyse, wo eine Marktanalyse und die Analyse der Mitbewerber-Produkte auf der Tagesordnung stehen.

Die nächste Phase ist die Konzeptphase, wo zunächst die Zielgruppen-Analyse durchgeführt werden sollte.

Dann steht die wichtigste und für den Industriedesigner wohl schönste Phase an – die Designphase. In dieser gilt es, die Optik mit der Funktionalität in Einklang zu bringen.

Das umfasst schwerpunktmäßig die Form und die Materialauswahl. Im Anschluss geht der Entwurf an die Ingenieure des Kunden, die dann das Produkt – die sogenannte Nullserie – herstellen. Dieses wird nach der Fertigstellung vom Industriedesigner noch einmal mit den Entwürfen abgeglichen und bei Bedarf nachgebessert.

Branche mit Überangebot an Fachkräften

Bei aller persönlichen Begabung und dem damit verbundenem Engagement sollte aber nicht außer Acht gelassen werden, dass Industriedesign derzeit boomt und relativ viele Absolventen auf den Arbeitsmarkt drängen. Daher ist es sinnvoll, schon während der Ausbildung diverse Praktika zu absolvieren und sich zusätzliche Kompetenzen (als Modellbauer oder Tischler bzw. BWL-Kenntnisse) anzueignen.

Denn prinzipiell bestehen die Möglichkeit einer Festanstellung (Agentur, Unternehmen) oder der Gang in die Selbstständigkeit.

Oftmals helfen auch Spezialisierungen, um im Beruf Fuß zu fassen. Relativ breit sind damit die möglichen Betätigungsfelder. Als Industriedesigner für Konsumgüter erstellt man schwerpunktmäßig Produkte für den persönlichen Bereich (Kaffeemaschinen, Lampen, Geschirrspüler).

Als Industriedesigner im „Transportation Design“ dreht sich alles um die Mobilität und den Transport von A nach B, was unter anderem Busse, Bahnen und Automobile beinhaltet.

Will man sich im Industriedesign für Investitionsgüter einen Namen machen, so kann man beispielsweise an der Ausstattung von Krankenhäusern (Betten, Untersuchungsgeräte) sein Können unter Beweis stellen.

Berühmte Industriedesigner

Das Industriedesign hat im Laufe der Jahre und Jahrzehnte immer wieder bekannte Persönlichkeiten hervorgebracht. Einer von ihnen war der Finne Alvar Aalto, der aufgrund seiner Arbeiten als Architekt und Stadtplaner, aber auch als Möbeldesigner als „Vater des Modernismus“ im nordeuropäischen Raum angesehen wird.

Als Industriedesigner erlangte er Berühmtheit durch die sogenannte Aalto-Vase (auch bekannt als Savoy-Vase), die er 1936 entworfen hat. Der Franzose Le Corbusier gilt als einer der einflussreichsten Architekten des 20. Jahrhunderts.

Daneben designte dieser unterschiedlichste Sitz- und Liegemöbel sowie einen Esstisch. Der Norweger Arne Emil Jacobsen verschrieb sich in seinen Arbeiten dem Stil des Funktionalismus und entwarf Sitzmöbel, Hänge- und Stehlampen und die durch den Film „2001: Odyssee im Weltraum“ zur Berühmtheit gelangte Essbesteckserie AJ.

Funktionale Möbelentwürfe kennzeichneten die Arbeiten von Charles Ormand Eames und seiner Frau Ray Eames. Dabei setzten die beiden die unterschiedlichen Materialien Holz, Fiberglas, Draht und Aluminium ein.

Zu den noch lebenden berühmten Industriedesignern zählt beispielsweise Philippe Starck, der in seiner Designlaufbahn unter anderem Entwürfe für Yachten, Radiowecker, ein Motorrad und ein Elektroauto lieferte.

Ebenfalls dem automobilen Umfeld hat sich der italienische Designer Giorgio Giugiaro verschrieben, der mit dem Design des VW Golf I den Grundstein für eine wahre Erfolgsgeschichte des deutschen Autobauers gelegt hat.

Daneben stammen der puristische Fiat Panda und die weiteren Modelle Fiat Uno, Fiat Punto, Lancia Delta und Audi 80 sowie der Lotus Esprit von seinen Entwürfen ab. Auch für sportliche Reifen der Marke Vredestein lieferte Giugiaro das stimmige Design.

Und auch der bekannte Schweizer Industriedesigner Luigi Colani entwarf zunächst Autos, später auch Möbel, Brillen, Geschirr, Kugelschreiber, Fernseher, Computer und -zubehör und sogar die aktuellen Uniformen der norddeutschen Landespolizeien.

Dass man auch scheinbar banalen Geräten wie einem Staubsauger zu einem gewissen „Ruhm“ verhelfen kann, zeigt aktuell James Dyson. Nach dem Design eines Bootes und einer Schubkarre konstruierte er Mitte der 1980er-Jahre seinen ersten beutellosen Staubsauger.

1993 brachte er mit dem Dyson DC01 sein erstes eigenes Modell auf den Markt. Dieser und seine Nachfolger entwickelten sich zu Erfolgsmodellen, die heute vom Markt stark nachgefragt werden. Gegenwärtig werden unter der Marke Dyson unter anderem Luftreiniger, Heizlüfter, Ventilatoren, Haarföne und Händetrockner angeboten.

Die Wirtschaft hat verstanden

Auch die Wirtschaftskapitäne haben längst verstanden, dass Industriedesign für ein gutes Produkt ebenso entscheidend ist wie die Qualität und der Vertrieb. „Gute Designer sind nie ausschließlich auf die reine Optik aus, sondern haben immer die Querschnittsfunktion eines Produkts im Fokus“, meint etwa Matthias J. Hoffmann, geschäftsführender Gesellschafter der bekannten deutschen Werkzeugmarke Hazet.

Zu den Querschnittsfunktionen zählen beispielsweise neben der Optik auch die Ergonomie, die Handhabung, die Langlebigkeit, aber auch ökonomische und ökologische bzw. nachhaltige Aspekte.

Auch in Österreich gibt es zahlreiche Unternehmen, die sich mit Industriedesign beschäftigen und sich damit ein gutes Renommee verschafft haben. Im oberösterreichischen Neumarkt im Mühlkreis ist die Firma Schinko beheimatet, die mit rund 160 Mitarbeitern Maschinen- und Geräteverkleidungen entwirft und produziert.

Im Stückzahlbereich von 10 bis 2.000 Stück pro Jahr realisiert das Unternehmen vielfältige Produkte im Bereich der Maschinen- und Geräteverkleidungen samt der dazugehörigen integrierten Schaltschranktechnik und Arbeitsplatzgestaltung.

In Anif bei Salzburg ist die österreichische Designschmiede Kiska zu Haus.

„Industriedesign muss Begehrlichkeiten wecken und jemanden dazu bringen, etwas haben zu wollen“, beschreibt Gerald Kiska die Anforderungen, die an sein Unternehmen herangetragen werden.

Er sieht derzeit einen starken Wandel in der Branche.

Vor 25 Jahren hätten Papier und Bleistift gereicht, mittlerweile sei Industriedesign eine investmentintensive Branche geworden: Vom 3-D-Drucker bis zu CNC-Fräse, vom digitalen Tablet bis zu VR-Meetings werde heutzutage alles gebraucht. Aber das alles sollte junge Designer nicht davon abschrecken, im Industriedesign Fuß zu fassen: Denn schließlich ist am Ende des Tages noch immer die Kreativität entscheidend.

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