Interview mit Bernhard Weber – ZWI – Zentrum für Wissens und Innovationstransfer GmbH

Guten Tag Herr Bernhard Weber – Stellen Sie sich unseren LeserInnen bitte kurz vor?

Ich bin Geschäftsführer der Zentrum für Wissens- und Innovationstransfer GmbH. Das ist eine Tochtergesellschaft der Uni Graz, die den Technologietransfer in Form von Startups und Spin-off forciert.

In dieser Funktion bin ich zum einen Ansprechpartner für Startup und Spin-off Projekte an der größten Universität der Steiermark und zum Anderen bauen wir gerade ein Zentrum auf, in dem wir auch Infrastruktur für InnovatorInnen anbieten werden.

Konkret werden wir rund 3000 m² zur Verfügung haben, um direkt am Campus der Uni mitten in Graz eine Drehscheibe für Startup, Corporates und Forschung betreiben zu können. Bereits jetzt können wir übrigens einen kleinen temporären Coworkingspace anbieten.

Zuvor habe ich zehn Jahre lang den Inkubator „Science Park Graz“ mitaufgebaut und zuletzt als Geschäftsführer geleitet. Wir sind als Uni Graz dort auch als Gesellschafter beteiligt.

Weber, Bernhard

Insgesamt beschäftige ich mich seit mehr als 15 Jahren mit dem Thema Innovation und Gründung und habe in den letzten Jahren mehr als 150 Startups bei den ersten Schritten begleitet. Mein Schwerpunkt dabei ist der Support bei der Entwicklung eines Startup Projektes aus der rudimentären Ideenphase in die Seedphase, vor allem im Bereich Geschäftsmodell und Finanzierung.

Im diesem Umfeld bin ich auch noch in verschieden anderen Bereichen aktiv. So bin ich im Team der www.Gruendungsgarage.at oder auch Evaluator im SME Programm bei Horizon2020 der EU.

Es macht mir einfach viel Spaß mit spannenden Teams oder Personen und mit Zukunftsthemen zu arbeiten und aus vagen Ideen die Basis für tolle Unternehmen zu legen.

Ein weiteres meiner „Steckenpferde“ ist auch die aktive Unterstützung und Mitgestaltung des Innovations- und Startupecosystem in der Steiermark bzw. speziell in Graz.

Meine Berufskarriere habe ich nach dem Studium der Umweltsystemwissenschaften mit Fachschwerpunkt BWL an der Uni Graz bei PwC in Wien begonnen, wo ich einige (spannende) Jahre in der Beratung und Wirtschaftsprüfung tätig war.

Was würden Sie GründerInnen für die Unternehmensgründung raten?

Denk darüber nach, ob deine Gründungsidee wirklich ein relevantes Problem löst bzw. in einem Segment angesiedelt ist das ein gesellschaftliches Zukunftsthema darstellt. Rede mit dem Markt und mit potentiellen NutzerInnen.

Sei kreativ, probiere aus, gehe über die Grenzen und denke großzügig und stell dich auf einen langen Weg ein, d.h. beim ersten Rückschlag nicht aufgeben.

Und verbringe nicht zu viel Zeit mit den Basisfragen wie Rechtsform, Steuerfragen etc. dafür gibt es ExpertInnen, die einem helfen. Nutze die Zeit besser und beschäftige dich mit dem Produkt, dem Markt und den KundInnen. Und falls du alleine startest, versuche rasch CoFounder zu finden und ein Team aufzubauen.

Wie kann der “Hub for Innovators” UnternehmerInnen helfen?

Wir werden in Zukunft professionelle Infrastruktur im Herzen der Stadt, am Campus der größten Uni der Steiermark anbieten können.

Direkt dort, wo täglich tausende Talente und ForscherInnen unterwegs sind werden wir Platz in Form von CoWorking Space und modernen Büroräumen sowie Meeting und Veranstaltungsräumlichkeiten anbieten. In erster Linie für Startups aber auch für Innovative Corporates, die in diesem Umfeld aktiv werden möchten.

Wir werden thematisch einen Schwerpunkt auf die Themen „Modern Aging“ und „Demographic Change“ setzen und versuchen, verstärkt Innovation in diesem gesellschaftlichen Megatrendthema hervorzubringen. Die Bandbreite reicht hier von Gesundheitsthemen bis hin zu Urban Technologies und Digitalisierung in allen Facetten.

Unser Ziel ist es, einen Ort zu schaffen, wo unsere Mieter jederzeit GesprächspartnerInnen aus Unternehmen und aus der Forschung um sich haben.

Wir wollen Zugänge zur universitären Forschung und zu Talenten ermöglichen und Unterstützung für Startups anbieten.

Was war Ihr größter Fehler als Unternehmer und was konnten Sie daraus lernen?

Ich würde jetzt keinen einzelnen Fehler herausstreichen. Ich denke ich mache immer wieder Fehler. Mir ist wichtig nicht zu glauben, dass man selbst fehlerlos ist, sondern dann, wenn etwas nicht so läuft, die Situation möglichst neutral neu zu bewerten und zu versuchen einen neuen Weg zu finden. Den Status Quo zu analysieren ohne in ein „Hätti-Wari“ Lamentieren zu verfallen. Das ist nicht immer leicht.

Wie wichtig ist für Sie die “Work-Life Balance” und worauf empfehlen Sie dabei zu achten?

Ich kann mit dem Begriff Work-Life Balance wenig anfangen, weil er suggeriert, dass die Arbeit und das Leben getrennte Welten sind. Ich habe immer das Glück gehabt, berufliche Aufgaben zu haben, die mich voll begeistern und damit sind sie auch integrativer Teil meines Lebens.

Wichtig ist mir unterschiedliche Dinge zu tun, um Inspiration und Energie zu haben. Und natürlich geht es mir darum, genügend Zeit für meine Familie zu haben. Dabei hilft eine „Work-Life-Integration“. Ich möchte mir z.b. ohne schlechtes Gewissen die Zeit nehmen um meinen Sohn zu einer Schulveranstaltung zu begleiten. Dafür kann ich Arbeiten unter Nutzung flexibler digitaler Tools dann erledigen wenn es mir ins Zeitkonzept passt.

Wie wichtig ist das Thema “Networking” aus Ihrer Sicht für UnternehmerInnen und welche Tipps können Sie hier geben?

Extrem wichtig! Belastbare Netzwerke können im „Ernstfall“ DER Erfolgsfaktor sein. „Beim Reden kommen die Leut zamm“ heißt es und so ist es auch.

Ich empfehle aber selektiv zu überlegen wo man hingeht (oder welche elektronischen Netzwerke man nutzt). Man muss nicht überall dabei sein! Wenn man aber netzwerkt, dann sollte man sich vorab zumindest kurz überlegen, wer bei einer Veranstaltung dabei ist, und ob es mögliche Anknüpfungspunkte gibt.

Vorbereitung ist die halbe Miete. Ein Eckpunkt für mich war und ist auch immer Projekte oder Positionen im positiven und gutem Einvernehmen zu verlassen. So entstehen langjährig währende, gute Netzwerkkontakte

Und natürlich muss man über seine Themen reden können und zwar so dass ich auch verstanden werde (Stichwort „Pitch“), auch dann, wenn sich spontane Gelegenheiten ergeben.

Auch zuhören zu können ist von großer Bedeutung.

Aus meiner Sicht ist es wichtig in Netzwerke zu investieren, d.h. nicht sofort und penetrant eine Leistung zu fordern sondern einfach vorbehaltlos zu investieren, zu helfen, positiv zu agieren ohne eine Gegenleistung zu erwarten.

Möchten Sie unseren LeserInnen noch etwas mitgeben?

Seid neugierig und mutig! Jetzt ist die richtige Zeit, mit den richtigen Rahmenbedingungen, um ein eigenes Projekt zu starten.

Mit freundlichen Grüßen

Bernhard Weber

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Geschäftsführer

ZWI – Zentrum für Wissens und Innovationstransfer GmbH

c/o Zentrum für Entrepreneurship und angewandte Betriebswirtschaftslehre

Karl-Franzens-Universität Graz

Elisabethstraße 50b/II, A-8010 Graz

www.zwi-graz.at

Infos und Bewerbung: www.gruendungsgarage.at

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