Kapitalbedarfsplan – Inhalt & Vorlagen – Businessplan, Existenzgründung, Geschäftsideen – Österreich & Deutschland

Die Gründung eines Unternehmens ist für den angehenden Unternehmer ein Schritt in eine neue Existenz. Wichtigste Voraussetzung für eine Existenzgründung ist zunächst die Geschäftsidee, die dem neuen Business zugrunde liegen soll.

Hat der Existenzgründer die zündende Geschäftsidee und sieht er dafür einen entsprechenden Markt mit Abnehmern und neuen Kunden, so gibt es viele Hürden auf dem Weg zur erfolgreichen Geschäftseröffnung zu nehmen.

Neben den gesetzlichen Voraussetzungen, der Suche nach der geeigneten Rechtsform und dem Aufspüren des am besten geeigneten Standortes sollte vor allem die finanzielle Ausstattung des neuen Unternehmens genau geplant werden.

In unserem Ratgeber möchten wir uns daher in erster Linie auf die finanziellen Voraussetzungen für eine erfolgreiche Existenzgründung konzentrieren. Neben dem wichtigen Kapitalbedarfsplan wollen wir auch die Bereiche Businessplan, Existenzgründung, Freiberufler und Geschäftsideen etwas näher beleuchten.

Kapitalbedarfsplan – Businessplan – Inhalt & Vorlagen – Österreich

Geschäftsideen in Österreich & Deutschland im Überblick – Selbständig machen

Info: Dieser Artikel konzentriert beim Thema Kapitalbedarfsplan, Förderungen/Zuschüsse und Unterstützung für die Gründung auf Details in Deutschland. Ein guter Businessplan, eine klare Geschäftsidee und ein klarer Kapitalbedarfsplanung ist aber auch bei der Unternehmensgründung in Österreich sehr wichtig. Hierbei kann auch ein Unternehmensberater mit Informationen und Erfahrung für GründerInnen vorteilhaft sein.

Wofür benötigt der Existenzgründer einen Kapitalbedarfsplan auf der Vermögensseite?

Der Kapitalbedarfsplan ist ein Bestandteil des Businessplanes für ein neu zu gründendes Unternehmen. Den Begriff des Businessplanes werden wir in einem späteren Teil des Ratgebers noch erläutern.

Ein Kapitalbedarfsplan ist die Zusammenfassung aller zukünftig in einem Unternehmen geplanten Investitionen, weshalb dieser Plan oft auch Investitionsplan genannt wird.

Zur Erleichterung für den Existenzgründer gibt es im Internet zahlreiche Vorlagen von Investitionsplänen, an denen er sich orientieren kann. Jedoch ist jedes neue zu gründende Unternehmen einzigartig und bedarf daher einer intensiven Analyse des Kapitalbedarfs.

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Wichtig: Vorab zu Geschäftsideen und Details informieren & Businessplan erstellen!
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Bei der Aufstellung der Investitionen unterscheidet man in erster Linie nach der Fristigkeit. Gegenstände, die im Anlagevermögen verbleiben, sind zum Beispiel Grundstücke, Gebäude, Maschinen oder auch ein Fuhrpark.

Darüber hinaus gibt es kleinere Anschaffung für Büromaschinen oder eine Computeranlage, die eine etwas kürzere Verweildauer im Betrieb haben werden. Diese Investitionen sind eher als kurz- oder mittelfristig im Kapitalbedarfsplan aufzulisten.

Im nächsten Schritt erfolgt die Planung der Betriebsmittel in Form von Waren oder Roh- Hilfs- und Betriebsstoffe für eine Produktion.

Im Zusammenhang mit der Unternehmensgründung entstehen dem Existenzgründer auch Kosten, die reine Gründungskosten sind. Dazu gehören beispielsweise behördliche Genehmigungen, Abgaben an Kommunen oder das Finanzamt und auch externe Beratungskosten die im Zusammenhang mit der Firmengründung stehen können. Auch an liquide Mittel in Form von Kassenbeständen oder einem Bankguthaben sollte bei der Kapitalbedarfsplanung gedacht werden.

Im Wesentlichen entspricht dieser Teil des Kapitalbedarfsplanes der Aktivseite in der Bilanz des zu gründenden Unternehmens.

Wie wird der Kapitalbedarfsplan des Existenzgründers finanziert?

Auf der Passivseite einer Bilanz erkennt man die Form der Finanzierung eines Unternehmens.

An erster Stelle steht hier das Kapital des jungen Unternehmens. Je nach Rechtsform kann es sich dabei beispielsweise um Stammkapital bei einer GmbH, Kommanditkapital bei einer KG oder um eine private Einlage des Unternehmers bei einem Einzelunternehmen handeln.

Das Kapital sollte dem Unternehmen langfristig zur Verfügung stehen, weshalb es von der Fristigkeit an der ersten Position steht. In den meisten Fällen benötigt ein Existenzgründer zusätzliche Mittel zur Finanzierung seiner Geschäftsidee. Hier ist es vorteilhaft bei öffentlichen Stellen nachzufragen und sich beraten zu lassen.

Mit einem erfolgreichen Business- und Kapitalbedarfsplan erhält ein Existenzgründer oft Förderzuschüsse, die er nicht zurückbezahlen muss oder er bekommt von den öffentlichen Stellen Hinweise um an günstige Finanzierungen zu kommen.

Wenn diese vorrangigen Fördermittel bewilligt worden sind, muss der restliche Kapitalbedarf auf der Finanzierungsseite von Banken finanziert werden.

Hier sollte man darauf achten, dass langfristige Anlagegüter, wie beispielsweise Grundstücke und Gebäude auch mit langfristigen Bankkrediten oder Eigenkapital finanziert werden.

Kurzfristige Gegenstände des Anlagevermögens, wie Produktionsmittel und Waren können auch mit kurzfristigen Betriebsmittelkrediten von der Bank finanziert werden. Die Kapitalbedarfsplanung aus Sicht der Vermögens- und Finanzierungsplanung ist abgeschlossen, wenn beide Seiten kongruent finanziert werden können.

Wie werden sich Einnahmen und Ausgaben gegenüberstehen?

Zunächst betrachtet man in der Planung die betrieblich verursachten Aufwendungen im Kapitalbedarfsplan. An erster Stelle stehen hier die Aufwendungen für den Einkauf von Roh- Hilfs- und Betriebsstoffen bei einem Produktionsbetrieb oder von Waren bei einem Handelsunternehmen.

Im reinen Dienstleistungsbereich entfallen diese Positionen bei einer Existenzgründung.Der zweite große Posten sind die Personalkosten, die planerisch zu erfassen sind.

Als Nächstes berechnet man die sonstigen betrieblichen Aufwendungen. Dazu gehören beispielsweise Miete, Fahrzeugkosten, Bürobedarf, Rechts- und Beratungskosten, Telefon und sonstige Aufwendungen je nach Betriebsumfang.

Zu planen sind noch die Zinsaufwendungen für eine eventuelle Bankfinanzierung und auch der steuerliche Aufwand ist zu berücksichtigen. Die Summe dieser Aufwendungen werden dem geplanten Umsatz aus der Geschäftsidee gegenüber gestellt werden. Das Ergebnis dieser Gegenüberstellung sollte mit einem Überschuss abschließen. Das ist aber noch nicht der Gewinn, denn auch der Unternehmer muss ja von dem erwirtschafteten Ergebnis leben können.

Woran muss der Unternehmer für sich denken, wenn er eine Existenzgründung plant?

Um den Gesamtkapitalbedarf der Existenzgründung ermitteln zu können, ist auch ein Blick in die eigene Lebensführung wichtig. Als Unternehmer hat man später kein Einkommen aus Lohn und Arbeit mehr und das neu zu gründende Unternehmen muss auch genügend Geld für die private Lebenshaltung erwirtschaften können. Aus diesem Grund ist es wichtig, auch den privaten Kapitalbedarf zu ermitteln.

Der private Kapitalbedarf aus dem neu zu gründenden Unternehmen umfasst die monatlichen Kosten die für den Unternehmer zur privaten Lebensführung benötigt werden. Diese Kosten bilden die Entnahmen aus dem Unternehmen für den Gründer.

In diesem Zusammenhang sind sowohl die Einkommensteuer, die Kirchensteuer und private Steuern, so wie in Deutschland der Solidaritätszuschlag zu berücksichtigen. Weitere Ausgaben, die der Jungunternehmer aus seinem Betrieb monatlich erwirtschaften muss, sind seine Kosten für Krankenversicherung, Pflegeversicherung, Unfallversicherung und weitere private Versicherungen.

Auch sollte der Existenzgründer schon vor Beginn seiner unternehmerischen Tätigkeit an die Altersabsicherung denken. Als selbstständiger Unternehmer kann er freiwillige Beiträge in die Rentenversicherung einzahlen oder sollte alternativ an den Abschluss einer privaten Lebens- oder Rentenversicherung denken. Monatliche Kosten für seine private Miete und die Kosten der privaten Lebensführung ergänzen den privaten Kapitalbedarf, der zu erwirtschaften ist.

Wichtig ist bei der Planung des privaten Kapitalbedarfs für den Unternehmer, dass er einen realistischen Ansatz bei seiner Planung vornimmt. Auch ein Puffer für unvorhergesehene Ereignisse sollte in der Planung bedacht werden.

Oft wird der Fehler gemacht, dass man sich bei den privaten Kosten der Lebensführung zu sehr einschränkt, um auch mit weniger Ertrag aus dem Unternehmen sein Gründungsziel zu erreichen. Die Erfahrung hat aber gezeigt, dass ein Jungunternehmer, der in seinem Unternehmen hart arbeitet und dann zu wenig Geld für sein Privatleben einplant, schnell frustriert ist und sein junges Unternehmen wieder aufgeben muss.

Wie muss ein erfolgreicher Businessplan für eine Existenzgründung aufgestellt sein und was sollte darin zu finden sein?

Eine Existenzgründung ist in der heutigen Zeit ohne einen kompletten Businessplan nicht mehr möglich.

Der Businessplan sollte mindestens 30 bis 50 Seiten an Text umfassen und allein schon vom Umfang her ein eindeutiges Zeichen für die Motivation des Existenzgründers aufweisen.
Eine Bank wird zur Finanzierung einer Existenzgründung in jedem Fall einen aussagekräftigen und umfangreichen Businessplan einfordern.

Weil der Vorgang der Existenzgründung so umfangreich ist, zeigt der Businessplan schnell an, ob der Jungunternehmer auch wirklich alle möglichen unternehmerischen Risiken richtig eingeschätzt und ausreichend berücksichtigt hat.

Der erste Teil des Businessplans erläutert die Geschäftsidee des Existenzgründers und sollte detaillierte Informationen zur Markteinschätzung und den Chancen und Risiken der Existenzgründung beinhalten. Hier zeigt sich, ob die Planung fundiert ist und man an alle Unwägbarkeiten gedacht hat.

Der zweite Teil des Businessplanes umfasst die Finanzplanung der Existenzgründung in Form des ausführlich erläuterten Kapitalbedarfsplanes. Er beinhaltet die Planung von Vermögen und deren Finanzierung sowie die Aufstellung von Erträgen und Aufwendungen des zu gründenden Unternehmens.

Welche Form der staatlichen Hilfen gibt es bei einer Existenzgründung?

Manchmal entsteht der Gedanke an eine Existenzgründung auch aus der Not der eigenen Arbeitslosigkeit heraus. Hier gibt es in Deutschland Zuschüsse von der Bundesagentur für Arbeit an Empfänger von Arbeitslosengeld, die sich im Rahmen einer Existenzgründung selbstständig machen möchten.

Der Zuschuss ist aber an bestimmte Voraussetzungen gebunden. So muss die Arbeitslosigkeit bereits seit mindestens 150 Tagen bestehen und die Existenzgründung muss zur vollständigen Beendigung der Arbeitslosigkeit führen. Geprüft wird von staatlicher Seite auch die Tragfähigkeit der Existenzgründung sowie die persönliche und fachliche Eignung des Arbeitslosen.

Für diese Prüfung ist ein guter Businessplan ein entscheidender Vorteil für eine erfolgreiche Bezuschussung des Existenzgründungsprojektes.

Gibt es gute Geschäftsideen und einen Businessplan auch für Freiberufler?

Zu den freien Berufen gehören selbstständig ausgeübte Tätigkeiten in den Bereichen Erziehung, Schrifterstellung, Wissenschaft und Kunst. In Deutschland ist der freie Beruf kein Gewerbebetrieb und unterliegt damit auch nicht der Gewerbeordnung und der Gewerbesteuer.

Zu den freien Berufen zählen beispielsweise Rechtsanwalt, Notar, Arzt, Zahnarzt, Architekt, Wirtschaftsprüfer, Ingenieur, Steuerberater, Heilpraktiker, Hebamme und der Journalist. Die Liste ist nicht vollständig, aber auch für diesen Personenkreis ist es eine selbstständige Existenz, die gut geplant werden sollte.

Deshalb sind Businessplan und Kapitalbedarfsplanung auch für die Freiberufler ein wichtiges Instrument für einen erfolgreichen Start in die Existenzgründung.

Fazit:

Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten die Gründung eines neuen Unternehmens zu planen.

Mit einem umfangreichen Businessplan ist der Existenzgründer auf einem guten Weg alle erdenklichen Chancen und Risiken richtig zu erfassen. Die Kapitalbedarfsplanung ist ein wesentlicher Bestandteil des Businessplans und deckt die finanzielle Planung des zu gründenden Unternehmens ab.

Verwendete Quellen für diesen Artikel:

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