Kinderbetreuungskosten absetzen in Österreich – Kinderbetreuung absetzen

Die Kinderbetreuungskosten in österreichischen Haushalten steigen seit Jahren kontinuierlich weiter an. Das liegt in erster Linie daran, dass sich traditionelle Familienstrukturen immer mehr verändern und beide Elternteile berufstätig sind bzw. die Großeltern oft nicht in der Nähe wohnen, um die Betreuung der Enkel übernehmen zu können oder sogar selbst noch berufstätig sind.

Familien mit einem oder mehreren Kindern müssen sich daher die Frage stellen, wie die Beaufsichtigung der Kinder am besten geregelt werden kann und wie dieser Kostenfaktor in das Familienbudget passt.

Was viele nicht wissen ist, dass Kinderbetreuungskosten in Österreich seit 2009 steuerlich absetzbar sind. Bei uns erfahren Sie, wie hoch der Absetzungsbetrag ist, welche Bedingungen dafür erfüllt werden müssen und wie es zum Beispiel bei Kindern mit körperlicher oder geistiger Einschränkung aussieht.

Wichtig: Kinderbetreuungkosten wie z.B. Kindergarten können abgesetzt werden

Wie hoch ist der steuerliche Absetzbetrag für die Kinderbetreuung?

Pro Jahr und Kind können in Österreich 2.300 Euro als außergewöhnliche Belastung von der Steuer abgeschrieben werden. Dieser Steuerabsetzbetrag ist jedoch an einige Bedingungen geknüpft. So darf das Kind das elfte Lebensjahr zu Beginn des Kalenderjahres noch nicht erreicht haben und einem der Elternteile muss der Kinderbetreuungsabsetzbetrag für mehr als sechs Monate im aktuellen Kalenderjahr zustehen.

Leben die Eltern getrennt und kommt der unterhaltsverpflichtete Elternteil auch für die Kinderbetreuungskosten auf, so kann dieser die Kinderbetreuungskosten absetzen. Kommen beide Elternteile für die Betreuungskosten des Kindes auf, leben diese jedoch getrennt, so können sie die Kosten ebenfalls von der Steuer absetzen. Der Gesamtbetrag darf jedoch pro Kind und pro Kalenderjahr die bereits genannten 2.300 Euro nicht überschreiten.

Erhalten Eltern eines geistigen oder körperlich behinderten Kindes zusätzliche steuerliche Begünstigungen?

Eltern eines Kindes mit einer körperlichen oder geistigen Einschränkung erhalten eine höhere Familienbeihilfe und außerdem steht Ihnen aufgrund der außergewöhnlichen Belastung ein monatlicher Freibetrag von bis zu 262 Euro zu.

Zudem ist es möglich, die Kinderbetreuungskosten, die weder im Zusammenhang mit einer Sonder-oder Pflegeschule sowie einer Behindertenwerkstätte in Zusammenhang stehen bis zum 16. Lebensjahr des Kindes steuerlich abzusetzen. Das ist jedoch ebenfalls nur bis zu einem Höchstbetrag von 2.300 Euro möglich. Erhalten die Eltern des Kindes Pflegegeld, muss dieses bei der Ermittlung der entstandenen Kosten miteinbezogen werden.

Was passiert, wenn die Kinderbetreuungskosten die freigegebenen 2.300 Euro pro Kind übersteigen?

Kinderbetreuungskosten von über 2.300 Euro pro Kalenderjahr können bei der steuerlichen Abschreibung nicht berücksichtigt werden.

Es gibt dabei jedoch einige Ausnahmen, wenn zum Beispiel ein Vater oder eine Mutter alleine für die Betreuung des Kindes aufkommt. In diesem Fall können auch die Kinderbetreuungskosten über 2.300 Euro als außergewöhnliche Belastungen abgesetzt werden, sind jedoch um den einkommensabhängigen Selbstbehalt zu kürzen.

Welche Kinderbetreuungskosten sind absetzbar?

Damit die Betreuungskosten steuerlich abgesetzt werden können, muss es sich um tatsächlich getätigte Zahlungen handeln. Das bedeutet, erhält ein Elternteil einen Kostenzuschuss vom Arbeitgeber, um die Betreuungskosten zu begleichen, können nur die tatsächlich von dem Steuerzahler selbst getragenen Kosten von der Steuer abgeschrieben werden.

Darin enthalten sind nicht nur die Kosten für die Kinderbetreuung, sondern auch Verpflegung-bzw. Bastelgeld. Das Schulgeld für Privatschulen oder auch Nachhilfeunterricht darf dabei allerdings nicht berücksichtigt werden.

Des Weiteren muss die Betreuung des Kindes entweder in einer privaten oder in einer öffentlichen Kinderbetreuungseinrichtung stattfinden. Zudem sind die Kosten für die Vermittlung der Betreuungspersonen bzw. deren Fahrtkosten zum Ort der Kinderbetreuung ebenfalls nicht absetzungsfähig.

Zu den besagten Kinderbetreuungseinrichtungen zählen folgende:

  • Kinderkrippen bzw. Krabbelstuben
  • alle Arten von Kindergärten wie zum Beispiel Betriebskindergärten, Integrationskindergärten oder auch Übungskindergärten
  • Horte
  • von Eltern verwaltete Kindergruppen sowie Spielgruppen
  • Kinderbetreuungseinrichtungen
  • Nachmittagsbetreuung
  • die Kinderbetreuung an universitären Einrichtungen

Generell kann festgehalten werden, dass es sich bis zum Besuch einer Pflichtschule in den meisten Fällen immer um absetzbare Kinderbetreuungskosten handelt. Nach diesem Zeitraum müssen die Aufwendungen unterteilt werden in Kosten für den Schulbesuch und die Betreuungszeiten außerhalb der Schule. Kosten, die für die Betreuung des Kindes während schulfreier Zeit entstehen, wie zum Beispiel Nachmittags-oder Ferienbetreuung können ebenfalls von der Steuer abgesetzt werden.

Das allerdings nur, wenn die Kinderbetreuung durch eine pädagogisch qualifizierte Person erfolgt bzw. einer Kinderbetreuungsinstitution durchgeführt wird. Ferienbetreuungskosten dürfen dabei komplett miteingerechnet werden und daher lassen sich sämtliche Kosten wie zum Beispiel die Verpflegung, die Unterkunft, Fahrtkosten und auch Sportveranstaltungen von der Steuer absetzen, wenn ein pädagogisch qualifizierte Person die Betreuung übernimmt.

Erfolgt die Kinderbetreuung jedoch von einer pädagogisch qualifizierten Person, die mit dem Kind verwandt ist, das es zu betreuen gilt und leben beide im selben Haushalt, so können die Betreuungskosten nicht von der Steuer abgesetzt werden

Wann ist eine Person pädagogisch qualifiziert?

Von einer pädagogisch qualifizierten Person spricht man, wenn diese eine Ausbildung zur Kinderbetreuung bzw. Kindererziehung im Mindestmaß von 35 Stunden absolviert hat.

Zudem muss die Betreuungsperson das 18. Lebensjahr vollendet haben, um die Kinderbetreuung übernehmen zu können.

Folgende Ausbildungsinhalte müssen erfolgreich absolviert worden sein:

  • eine Einführung in Entwicklungspsychologie und Pädagogik
  • erfolgreiche Kommunikation und Konfliktlösung
  • Erste Hilfe-Maßnahmen zur Unfallverhütung bei der Kinderbetreuung

Die Absolvierung einer solchen Ausbildung muss innerhalb einer anerkannten Organisation erfolgen. Die Adressen der jeweiligen Organisationen sind auf der Internetseite des Bundesministeriums für Familie und Jugend nachzulesen.

Hat eine Person den Lehrgang für Tageseltern nach landesgesetzlichen Vorschriften absolviert oder aber eine Ausbildung zum Kinderpädagogen, zum Horterzieher, zum Sozialpädagogen bzw. zum Früherzieher gemacht oder hat diese ein pädagogisches Hochschulstudiums erfolgreich abgeschlossen, kann die Kinderbetreuung dieser Person von der Steuer abgeschrieben werden.

Die Betreuungsperson muss die jeweilige Ausbildung jedoch im EU- oder EWR-Raum abgeschlossen haben, denn nur dann wird die Ausbildung anerkannt. Pädagogische Kurse, die nur im Rahmen eines anderen Studiengangs absolviert wurden, werden in Österreich hingegen nicht anerkannt.

Was viele nicht wissen ist, dass auch Au-Pair Kräfte eine Ausbildung von mindestens 35 Stunden erfolgreich absolvieren müssen, damit ihre Tätigkeit von der Steuer abgeschrieben werden kann.

Kann eine Ausbildung nachgeholt werden?

Erfolgt die Kinderbetreuung durch eine Person, die keine für die Absatzfähigkeit erforderliche Ausbildung aufweisen kann, ist es möglich, die Ausbildung bis zum Ende des aktuellen Kalenderjahres nachzuholen. Seit 2018 können die Kinderbetreuungskosten jedoch erst ab dem Zeitpunkt steuerlich bedacht werden, ab dem die Person auch die notwendige Ausbildung nachweisen kann.

Es gibt jedoch auch hier eine Ausnahmeregel: Absolviert die Au-Pair Kraft innerhalb der ersten beiden Monate ihres Einsatzes die Ausbildung zu qualifizierten Betreuungsperson, so können die Kosten für die Kinderbetreuung bereits ab Beginn des Au-Pair Aufenthalts steuerlich miteinbezogen werden.

Welche Kostenersätze führen zu Kürzung der Kinderbetreuungskosten?

Sämtliche steuerfreie Beihilfe des Staates, die zum Zweck der Kinderbetreuung erhalten wurden, führen zu einer Kürzung des steuerlich zu berücksichtigen Absatzbetrags. Dazu zählen jedoch nicht das Kinderbetreuungsgeld, die Familienbeihilfe, der Kinderabsetzbetrag oder der Kinderfreibetrag.

Auf welche Weise erfolgt der Nachweis der Kinderbetreuungskosten?

Um die Kinderbetreuungskosten steuerlich vergüten zu können, muss ein Nachweis der Kinderbetreuungseinrichtungen bzw. der pädagogisch qualifizierten Betreuungsperson erfolgen.

Zu diesem Zweck wird normalerweise eine Rechnung oder ein Zahlungsbeleg ausgestellt, auf dem folgende Angaben zu finden sind:

  • Der Name sowie die Sozialversicherungsnummer bzw. Kennnummer der Krankenversicherungskarte des zu betreuenden Kindes
  • der Name und die Adresse des Rechnungsempfänger
  • das korrekte Ausstellungsdatum
  • eine Rechnungsnummer
  • der Zeitraum der durchgeführten Kinderbetreuung
  • handelt es sich um eine öffentliche Kinderbetreuungseinrichtungen, so sind zudem der Name und Anschrift der Einrichtung zu nennen
  • bei einer privaten Einrichtung muss zusätzlich der Hinweis auf die Bewilligung zur Führung der jeweiligen Einrichtung vorhanden sein
  • bei pädagogisch qualifizierten Privatperson müssen Name, Adresse, Sozialversicherungsnummer bzw. Kennnummer der Europäischen Krankenversicherungskarte sowie ein Qualifikationsnachweis vorliegen
  • der korrekte Rechnungsbetrag mit der ausgewiesenen Umsatzsteuer, wenn es sich um einen Kleinunternehmer handelt

Die erhaltenen Belege müssen von dem Elternteil, der die Kinderbetreuungskosten steuerlich absetzen möchte, über sieben Jahre aufbewahrt werden, um diese im Falle einer Aufforderung vom Finanzamt vorzeigen zu können.

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