Eine Übersicht aller Kollektivverträge in Österreich – KV Gastronomie, Handel, Bau, Metall – Gehalt

Kollektivverträge in Österreich – Fairness in der Arbeitswelt

Der Kollektivvertrag regelt in Österreich die arbeitsrechtlichen Bestimmungen ausgewählter Berufsgruppen. “Kollektiv” bedeutet in diesem Sinn nichts anderes als gesammelt, da dieser Vertrag nicht von einem einzelnen Individuum sondern von der Gewerkschaft einer ganzen Berufsgruppe für die Arbeitnehmer in eben dieser Gruppe unterzeichnet wird.

Dabei haben die Arbeitnehmer also weitgehend idente Rechte und Pflichten.

All die Bestimmungen in einem solchen Vertrag können von Branche zu Branche variieren; deshalb ist es wichtig, sich nicht nur den eigenen branchenbezogenen Kollektivvertrag zu verinnerlichen, sondern auch jene aus verwandten Branchen unter die Lupe zu nehmen.

Aufgrund der großen Vielfalt hinsichtlich der Berufe und der einzelnen Sektoren sind in Österreich einige Ausführungen voneinander zu unterscheiden.

Arbeitszeiten & Co: Im Kollektivvertrag geregelt!

Insgesamt gibt es 889 solcher Verträge und Anhänge (siehe www.kollektivvertrag.at). Davon jedoch sind mehrere branchenübergreifend, weil für einige Sektoren gemeinsame Regelungen gelten.

Andere wiederum sind zwar bereits von neuen Fassungen überholt, jedoch immer noch zur Einsichtnahme verfügbar.

Was ist ein Kollektivvertrag?

Abgeschlossen wird der Vertrag zwischen der WKO und der jeweiligen Gewerkschaft, die im Interesse von Arbeitnehmer und Arbeitgeber handelt. So wird eine Chancengleichheit und auch eine anderweitige Gleichbehandlung verschiedenster Mitarbeiter der Berufsgruppe gewährleistet.

Der Vertrag gilt dann auf den Tag genau solange, bis er von einer neuen Fassung abgelöst wird und sorgt dafür, dass in einem Arbeitsverhältnis weder der Arbeitnehmer noch der Arbeitgeber in ungerechtem Ausmaß bevor- oder benachteiligt werden.

Ein Kollektivvertrag beinhaltet für gewöhnlich die folgenden und ähnliche Themen:

  • Die zulässige Maximalarbeitszeit in bestimmten Beschäftigungsgraden (Voll- oder Teilzeit)
  • Den Mindestlohn bzw. den Mindestgehalt
  • Pausenregelungen während eines Arbeitstages
  • Die jährlichen Urlaubsansprüche
  • Sonderzahlungen (Urlaubszuschuss, Weihnachtsremuneration, Jahresprämien, Zulagen, …)
  • Elternteilzeit
  • Pensionsmodelle
  • Die Bestimmungen über die Abfertigung
  • Bestimmungen über eine nebenberufliche Tätigkeit
  • Fahrtkosten für Pendler sowie Taggeld für Mitarbeiter, die eine Saison in einer anderen Niederlassung des selben Unternehmens verbringen
  • Kündigungsfristen
  • Bestimmte Rechte und Pflichten von Mitarbeitern

Einige besondere Kollektivverträge beinhalten spezielle Punkte, die explizit auf die Ausübung der jeweiligen Tätigkeit bezogen sind. Hierzu sollen die wichtigsten Verträge genannt und ihre Eigenheiten erläutert werden.

Österreichische Kollektivverträge – Beispiele

  • BARS – Rettungs- und zugehörige Sanitätsberufe
    Dieser Vertrag ist je nach Bundesland individuell geregelt; es gibt also eine Generalform mit verschiedenen Anhängen, welche auf die jeweiligen Bundesländer anzuwenden sind. In der Generalform finden sich zum Beispiel spezielle sozialpolitische Angelegenheiten wie Karenzzeiten.
  • Bundesbeamte und/oder Bundesvertragsbedienstete
    Ihre Löhne und Gehälter sind streng und peinlich genau in Tabellen geregelt und gliedern sich in verschiedene Verwendungsgruppen und Gehaltsstufen. Weiters ist zwischen dem Fixgehalt und Funktionszulagen zu unterscheiden. Inhalt sind vor allem Beamte, Veretragsbedienstete, Militärbedienstete, Exekutivbedienstete, Wachebeamte, Richter, Staatsanwälte, Schulaufsichtsbeamte und Lehrer.
  • Mitarbeiter und Führungskräfte der Casinos Austria AG
    Dieser Vertrag gilt österreichweit für jede Niederlassung des Unternehmens und unterliegt unter anderem dem Glücksspielgesetz. Für die Casinos gelten dabei besondere Bestimmungen, wie zum Beispiel, dass Casinoangestellte und -arbeiter das Trinkgeld, welches sie von Gästen erhalten, nicht selbst einbehalten dürfen.
  • Kollektivverträge im Hotel- und Gastgewerbe
    Diese gelten nicht nur für jedes Bundesland unterschiedlich, sondern mitunter sogar unternehmensbezogen individuell. Vor allem etwaige Sonderregelungen können oftmals von Gewerkschaft und Wirtschaftskammer veranlasst werden (zum Beispiel Kleiderpauschalen, Zulagen für Fremdsprachenkenntnisse oder Nachtarbeit).
  • Die Lauda Air
    Sogar das Luftfahrtunternehmen hat einen eigenen Kollektivvertrag für sich. Eine kleine Besonderheit darin: Er regelt sogar das Ableben von Arbeitnehmern, die mindestens ein Jahr für die Lauda Air gearbeitet haben.
  • Die österreichische Hochseeschifffahrt
    Wer von Reedereien auf Seeschiffen angeheuert wird, die dem österreichischen Fachverband für Schiffahrtsunternehmungen angehören, unterliegt bis zu seiner Abmusterung diesem Vertrag. Inhalt sind unter anderem die medizinische Versorgung auf See, besondere Bestimmungen über Kriegsgebiete, die Heuern, die Bemannung und Dringlichkeitsdienste.

Wo erhalte ich Einsicht in meinen Kollektivvertrag?

Einige Quellen im Internet bieten die Möglichkeit, sich die vollständige Fassung zu verinnerlichen. So zum Beispiel die Wirtschaftskammer Österreich, die Arbeiterkammer oder der Österreichische Gewerkschaftsbund.

Wie ist ein Kollektivvertrag aufgebaut?

Grundsätzlich enthält ausnahmslos jeder Kollektivvertrag Bestimmungen über den Geltungsbereich und die Genderklausel; beides bereits zu Beginn. Die anschließenden Unterpunkte variieren in ihrer Position in Abhängigkeit vom Vertragsthema.

Meist werden die für Arbeitnehmer relevanten Punkte ebenfalls recht früh erwähnt. Dies wären zum Beispiel Neueinstellungen und Kündigungen, die Arbeitszeit und Dienstfreistellungen, Entlohnung, Sonderzahlungen und Abfertigungen. Auch beinhaltet jede Ausführung eine Wirksamkeitsklauses am Ende, die bestimmt, ab wann der Vertrag gilt.

Wann werden neue Kollektivverträge vereinbart?

Da uns aufgrund der Inflation jedes Jahr gezwungenermaßen ein gewisser Prozentsatz an Gehalts- und Lohnerhöhung bevorsteht, bedeutet dies, dass auch jedes Jahr neue Verhandlungen über die Kollektivverträge stattfinden.

Pionier ist in diesem Fall die Metallindustrie, die jedes Jahr als erste verhandelnde Branche die Grundsteine legt. Üblicherweise finden diese Verhandlungen im Herbst statt.

Rechtliche Rahmenbedingungen

Das rechtliche Fundament der Kollektivverträge ist im Arbeitsverfassungsgesetz und (für Arbeiter im Bereich der Land- und Forstwirtschaft) im Landarbeitsgesetz zu finden. Aus diesen beiden Gesetzen ergibt sich, in welchem Ausmaß die Mitarbeiter eines Betriebes grundsätzlich eingesetzt werden dürfen, und zu welchen Bedingungen.

Verstöße dagegen sind rechtswidrig, detailliertere Ausführungen die jedoch dem Betrieb und dem Arbeitnehmer gleichermaßen von Nutzen sind, sind gestattet und fließen oft in Kollektivverträge mit ein.

Von ihnen zu unterscheiden sind jedoch die Betriebsvereinbarungen. Sie halten sich prinzipiell an die Kollektivverträge, die sich wiederum an das Arbeitsverfassungsgesetz (oder Landarbeitsgesetz) halten, doch die Betriebsvereinbarungen sind lediglich Bestandteil des Hausrechts, das jede Niederlassung individuell auslegen kann. Hausrechte und Betriebsvereinbarungen dürfen überstehende Gesetzmäßigkeiten nicht umgehen oder außer Kraft setzen.

Besondere Kollektivverträge

Arbeiter und Arbeiterinnen in Hotel- und Gastgewerbe und Systemgastronomie

Innerhalb der Bestimmungen über die Arbeitszeit sind für Arbeiter im Gastgewerbe wöchentliche Ruhezeiten vorgesehen. Weiters gibt es gesonderte Regelungen über die Beschäftigung Minderjähriger Auszubildender an Sonn- und Feiertagen sowie die Erhöhung der Löhne, wenn der Mitarbeiter seit längerem im Betrieb tätig ist. Letztere variieren in einigen Bundesländern. Außerdem wird zum Beispiel festgelegt, dass dem Berufsausübenden jegliche Werkzeuge und Hilfsmittel kostenfrei zu Verfügung gestellt werden müssen und er hat (nach zweimonatiger Arbeit im Unternehmen) Anspruch auf die Jahresremuneration.

Der Kollektivvertrag im Handel

Man unterscheidet hier zwischen dem Vertrag für Angestellte im Handel und jenem für Arbeiter im Handel. Sie teilen sich jedoch die Rechte und Pflichten der Mitarbeiter, den lohnrechtlichen Inhalt und die Regelungen über die Arbeitszeit samt Überstunden, Mehrarbeit und wöchentlicher Ruhezeit.

Kollektivvertragliche Regelungen in der österreichischen Bauindustrie

Das Baugewerbe ist eine der größten Branchen hierzulande. Ihre Verträge richten sich vor allem nach der Schichtarbeit, nach der Erschwernis (Erschwerniszulage), Dienstreisevergütungen und Arbeitsgemeinschaften (bei Zusammenschlüssen mehrerer Baufirmen).

Vertragsbestimmungen in der Metallindustrie – Metaller KV in Österreich

Der Metallervertrag ist jährlich jener, auf dessen Neuerungen die Wirtschaft gespitzt wartet. Im Metallsektor ist für Lehrlinge eine Bildungszeit vorgesehen, die Dekadenarbeit ist verankert, Pflichtpraktikanten werden gesondert erwähnt sowie auch Ferialaushilfen. Auch in der Metallindustrie sind die Gehälter und Löhne inVerwendungsgruppen eingeteilt.

Weitere Informationen über Kollektivverträge

Neben der Wirtschaftskammer, dem Österreichischen Gewerkschaftsbund und der Arbeiterkammer gibt es noch einige andere nützliche Quellen, die sinnvolle Informationen über Kollektivverträge und anstehende Neuerungen bieten.

Das Unternehmensserviceportal (kurz: USP) der österreichischen Regierung bietet solche Informationen auch in Englisch und auf www.kollektivvertrag-online.at sind die letzten Änderungen der Verträge zur Einsicht verfügbar.

Welcher Kollektivvertrag gilt für mich?

Diese Frage wird im Artikel auf https://www.kollektivvertrag.at/cms/KV/KV_3.4.b/1342536527911/der-kollektivvertrag/mein-kollektivvertrag/welcher-kollektivvertrag-gilt-fuer-mich umfassend beantwortet.

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