Kreditversicherung in Österreich – Anbieter, Vorteile, Kosten

Eine Kreditversicherung wird in der Regel von Unternehmen oder von Selbstständigen abgeschlossen.

Sollte das versicherte Unternehmen oder der versicherte Selbstständige, also der Versicherungsnehmer, unverschuldet Verbindlichkeiten aus Dienstleistungen oder Warenlieferungen nicht zahlen können, springt die Kreditversicherung im Rahmen des Versicherungsschutzes ein.

In vielen Kreditversicherungsverträgen ist darüber hinaus geregelt, dass der Versicherungsnehmer mit einer Prämie auch eine Bonitätsprüfung und Bonitätsbeobachtung erhält.

Ein weiterer Bestandteil einer klassischen Kreditversicherung ist, dass das Versicherungsunternehmen den Auftragnehmer im gesamten Prozess des Forderungsmanagements begleitet und unterstützt.

Wichtig: Kosten für die Kreditversicherung vergleichen

Die in der Regel langjährige Erfahrung der Versicherungsunternehmen in diesem Bereich gewährleistet den gezielten Umgang mit Verbindlichkeiten. Auf diese Weise kann das Unternehmen wertvolle Zeit und finanzielle Ressourcen effektiver nutzen. Zudem muss sich das Personal oder der Selbstständige nicht aufwendig in eine fachfremde Materie einarbeiten.

Formen der Kreditversicherung

Prinzipiell handelt es sich bei der Kreditversicherung um die Versicherung des Lieferantenkredits. Die Kreditversicherung beinhaltet dabei jedoch ausdrücklich nicht anderweitige Kredite, wie zum Beispiel Immobilienfinanzierungen oder Bankkredite.

In den häufigsten Fällen handelt es sich bei einer Kreditversicherung um eine Warenkreditversicherung. Mit dem Abschluss dieser Versicherungsart sind die Versicherungsnehmer vor dem Fall, dass diese ihre Schulden aus Warenlieferungen oder Dienstleistungen nicht zahlen können, abgesichert. Im Normalfall werden in einem Kreditversicherungsvertrag Versicherungs- und Finanzdienstleistungen miteinander kombiniert.

Auch können sich Unternehmen mittels einer sogenannten „Investionsgüterkreditversicherung“ langfristig (länger als sechs Monate) vor dem wirtschaftlichen Risiko bei Zahlungszielen absichern lassen.

Durch die sogenannte „Exportkreditgarantie“ können sich Unternehmen des Weiteren vor politischen Unruhen und möglichen Wirtschaftssanktionen absichern. Die Kreditversicherung würde finanzielle Einbußen bei Exportstopps auf Grund von politischer Unruhen oder wirtschaftlichen Bestrafungen ausgleichen.

Ob sich der Abschluss einer solchen Versicherung für österreichische Unternehmen lohnt, wird von Versicherungsfachleuten kontrovers diskutiert. Österreich gilt als politisch sehr sicheres und langfristig stabiles Land, die wichtigsten Handelspartner, zu denen Deutschland, Frankreich, die USA und China zählen, gehören ebenfalls zu den Ländern, deren politische Lage von Experten als dauerhaft stabil eingestuft wird.

Ablauf des Versicherungsabschlusses

Bevor ein Unternehmen einen Kreditversicherungsvertrag abschließen kann, überprüft das Versicherungsunternehmen die Bonität und die Zahlungsbereitschaft potenzieller neuer Versicherungsnehmer ganz genau.

Die Versicherungsunternehmen nutzen hierfür unterschiedliche Quellen: So arbeiten diese eng mit Banken und Wirtschaftsauskunfteien zusammen.

Die Versicherungsunternehmen können Anfragen zu Versicherungsverträgen jederzeit ohne die Angabe von Gründen ablehnen. Der Grund hierfür ist unter anderem, dass es sich bei der Kreditversicherung um eine freiwillige Versicherung handelt und kein Versicherungsunternehmen in Österreich gesetzlich dazu verpflichtet ist, jede Anfrage nach einer Kreditversicherung positiv zu beantworten.

Sollte die Bonitätsauskunft zu einem positiven Ergebnis führen, vergibt die Versicherungsfirma eine Deckungszusage mit einem individuellen Limit. Bei diesem Limit handelt es sich um einen sehr wichtigen Wert, da bis zum Erreichen dieser Summe alle unbeglichenen Forderungen des Versicherungsnehmers auf „Revolving-Basis“ abgesichert sind. In der Zwischenzeit aufgetretene neue Forderungen des Versicherungsnehmers senken gleichzeitig den Wert des Betrages der schon erreichten Summe des Limits.

Das Eintreten des Versicherungsschutzes

Die Versicherung wird meist dann in Anspruch genommen, wenn das versicherte Unternehmen pleite oder in Zahlungsverzug geraten ist. Zumeist versucht das Unternehmen noch eigenständig das eigene Mahnverfahren erfolgreich zu bearbeiten, gibt den Sachverhalt dann jedoch bei Misserfolg an das Inkasso der noch zu begleichenden Schulden an das Versicherungsunternehmen ab.

Die Versicherungsprämie

Bei der Ermittlung der Höhe der Versicherungsprämie handelt es sich um einen zentralen Vorgang im Rahmen der Vergabe eines Versicherungsvertrages im Bereich Kredit.
Die Höhe der Prämie wird in der Regel über zwei Methoden ermittelt:

  • 1. Bei einer Umsatzprämie wird ein pauschaler Betrag für nicht gedeckte Warenlieferungen und Dienstleistungen berechnet. Bei dieser Berechnungsmethode ist besonders vorteilhaft, dass sich die genaue Höhe der Umsatzprämie für ein Versicherungsjahr unproblematisch im Voraus planen lässt.
  • 2. Bei der Saldenprämie muss das versicherte Unternehmen oder der versicherte Selbstständige nur für Forderungen Beiträge bezahlen, die auch tatsächlich versichert sind. Hierbei handelt es sich um einen großen Vorteil, da teils enormes Einsparpotenzial gegeben ist. Von Nachteil ist bei der Saldenprämie jedoch, dass diese mit einem großen Aufwand verbunden ist. So müssen offene Posten jeden Monat neu berechnet werden.

Je nachdem, welches Angebot in Anspruch genommen wird, beträgt der Prämiensatz in der Regel zwischen 1 – 3 Promille des errechneten Umsatzes oder der ermittelten offenen Forderungen. Neben der konjunkturellen Lagen und der finanziellen Situation des Versicherungsunternehmens wird die Höhe der Prämie auch von weiteren Faktoren bestimmt.

So werden auch die genauen Zahlungseingänge des Versicherungsnehmers, die jeweilige Branche, die Abnehmerbranche, mögliche Forderungsverluste in der Vergangenheit und ein möglicherweise vorhandenes internes Debitorenmanagement genauestens einbezogen.

Da die Angebote der unterschiedlichen Anbieter stark variieren können, lohnt es sich, vor dem verbindlichen Abschluss einer Kreditversicherung möglichst viele unterschiedliche Angebote einzuholen und diese sorgfältig miteinander zu vergleichen. Erfahrungsberichte von anderen Versicherungsnehmern, Tests und Vergleichsportale können hierbei eine große Hilfe darstellen.

Bei einem durchschnittlichen jährlichen Umsatz von 500.000 Euro liegt die jährlich zu zahlende Versicherungsprämie bei etwa 500 – 1.500 Euro.

Interessierte Versicherungsnehmer sollten dazu auch unbedingt beachten, dass neben der jährlichen Prämie oftmals weitere Zusatzservices der Versicherungsunternehmen in Rechnung gestellt werden. Hierbei handelt es sich in der Regel um Gebühren für Bonitäts- und Kreditlimitermittlungen, Inkassogebühren bei offenen Forderungen und Gebühren für Beratungstermine.

Mögliche Zusatzleistungen

Da der Konkurrenzkampf der unterschiedlichen Anbieter im Bereich Kreditversicherungen sehr groß ist, bieten die Versicherungsunternehmen ihren (potenziellen) Kunden immer verstärkter auch individuell zugeschnittene Angebote an. Diese können optional und kostenpflichtig zusätzlich zum eigentlichen Kreditversicherungsvertrag abgeschlossen werden. Experten sprechen in diesem Zusammenhang häufig von sogenannte „angelagerte Dienstleistungen“ und „Services“.

Unter einer „angelagerten Dienstleistung“ ist zum Beispiel der Forderungsverkauf zu verstehen. Der Verkauf kann dabei entweder komplett von dem Versicherungsunternehmen übernommen werden oder dieser wird über eine Vermittlung organisiert. Durch den Forderungsverkauf steigt gleichzeitig die Liquidität des Versicherungsnehmers wieder an.

Eine weitere optional hinzubuchbare Leistung im Rahmen eines Kreditversicherungsvertrags ist die sogenannte „Top-Up-Deckung“. Diese Leistung kann immer dann genutzt werden, wenn der Versicherer eine unvollständige Versicherungszusage gegeben hat. In einem solchen Fall wird nur ein bestimmter Teil der Forderungen durch das Versicherungsunternehmen übernommen. Der „Top-Up-Schutz“ stockt die zugesagte Summe auf, so dass ein weiterer Teil des Ausfallrisikos übernommen wird.

Die besten Anbieter in Österreich

Tests und Erfahrungsberichte führen häufig eine Liste der Versicherungsunternehmen in Österreich auf, die im Bereich Kreditversicherung als besonders erfahren und zuverlässig gelten.

Zu den Hauptkriterien zu Bewertung eines Unternehmens im Bereich Kreditversicherung zählen faire Preise, ein umfassendes Leistungspaket, ein breites Angebotsspektrum, transparente Versicherungsdetails und ein gut erreichbarer Kundenservice. Auch die Professionalität des Online Auftritts (gerade im Bereich Social Media Bereich) spielt eine immer wichtigere Rolle.

Zu den Top-Anbietern in Österreich zählen aktuell:

  • R+V Versicherung
  • Atradius Austria
  • Coface
  • PRISMA
  • Garant Kreditversicherungs-Aktiengesellschaft
  • OeKB Versicherung
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