Kurzarbeit in Österreich wegen Coronavirus – Das sollten Arbeitnehmer und Arbeitgeber wissen

Wegen des Coronavirus werden viele Betriebe in naher Zukunft Kurzarbeit anmelden müssen. Viele Hersteller beziehen wichtige Rohstoffe und Bauteile aus dem asiatischen Raum und können die Produktionskette auf Grund von Lieferengpässen nicht mehr aufrechterhalten.

Auch in der Reisebranche, in der Gastronomie und in der Flugbranche erwartet die Österreichische Regierung einen Einbruch.

  • Doch warum ist es wichtig, dass die Regierung das Instrument der Kurzarbeit bereitstellt?
  • Was steckt hinter dem Kurzarbeitsbeschluss und welche Folgen hat das für die Mitarbeiter? Dieser Beitrag soll alle offenen Fragen bezüglich der Kurzarbeit in Österreich beantworten und Mitarbeiter und Arbeitgeber informieren.

Was bedeutet Kurzarbeit anmelden?

Wenn ein Betrieb seine Mitarbeiter nicht mehr vollbeschäftigen kann, dann hat er die Möglichkeit Kurzarbeit anzumelden. Durch das Anmelden der Kurzarbeit kann der Arbeitgeber die Arbeitsplätze sichern und schwierige wirtschaftliche Situationen überbrücken.

Die normale, tägliche Arbeitszeit der Mitarbeiter wird reduziert. In Folge dessen hat der Mitarbeiter zwar nicht mehr das volle Gehalt, wird jedoch durch die Kurzarbeiterunterstützung entlastet. Für jede Ausfallstunde erhält der Mitarbeiter das Kurzarbeitergeld von der AMS.

Welche Institution muss der Arbeitgeber über die Kurzarbeit informieren?

Hat der Arbeitgeber vor Kurzarbeit anzumelden, dann ist er dazu verpflichtet, den Arbeitsmarktservice AMS zu informieren. Der AMS berät den Betrieb, dieser wiederum erarbeitet mit dem Betriebsrat eine Kurzarbeitsvereinbarung.

Die Regierung stellt dem AMS ein Budget bereit, mit dem die Kurzarbeit finanziert werden kann. Unter den Bedingungen des Coronavirus hat die Österreichische Regierung bereits zugesagt, weitere finanzielle Mittel bereitzustellen, sollte dies notwendig werden. Aktuell hat der Arbeitsmarktservice 20 Mio. € zur Verfügung, um die Kurzarbeit finanzieren zu können.

Welche Frist hat der Arbeitgeber bei geplanter Einführung von Kurzarbeit zu beachten?

  • Plant ein Betrieb Kurzarbeit anzumelden, dann sollte er sich mindestens ein paar Wochen zuvor bei der AMS melden und die Planung besprechen.
  • Der Arbeitsmarktservice berät das Unternehmen umfangreich und gibt wertvolle Tipps zur Hand. Der Antrag sollte mindestens drei Wochen vor der geplanten Kurzarbeitszeiteinführung bei der Landesgeschäftsstelle vorliegen.

Wer wird durch die Kurzarbeit gefördert?

Vorrangig werden die Mitarbeiter eines Betriebs durch die Kurzarbeit gefördert. Schließlich geht es darum, möglichst viele Arbeitsplätze erhalten zu können. Die Förderung fließt an Mitarbeiter, die wegen dem Arbeitsausfall einen Verdienstausfall erleiden. Die Regierung hat pauschale Ausfallsätze beschlossen, die pro Ausfallstunde gezahlt werden.

Wer kann keine Kurzarbeit beantragen?

Es gibt Ausnahmeregelungen, die bestimmte Branchen von der Kurzarbeit ausschließen.

  • Ausgenommen von der Kurzarbeiterregelung sind Unternehmen und Arbeitgeber des Bundes, der Bundesländer, der Politik, des öffentlichen Rechts, sowie Gemeinden und deren Verbände.
  • Zudem kann ein Betrieb keinen Lehrling in Kurzarbeit schicken und auch die Geschäftsführer dürfen ihren Arbeitsausfall nicht über die AMS geltend machen.

Gilt die Kurzarbeit auch für Auszubildende, Lehrlinge und Leiharbeiter?

Auszubildende und Lehrlinge dürfen nicht unter den Voraussetzungen der Kurzarbeit beschäftigt werden. Sinn der Ausbildung ist es, alle Ausbildungsinhalte zu vermitteln. Im Zeitraum der Kurzarbeit ist der Arbeitgeber dazu verpflichtet, den Lehrling oder Azubi weiterhin zu beschäftigen und sachgerecht auszubilden.

Ein Leiharbeiter hingegen kann auf Kurzarbeit arbeiten, wenn der Betrieb sich auf die Kurzarbeit einstellt. Der Leihunternehmer wird nun mit dem Betrieb eine Kurzarbeitsvereinbarung schließen. Der Leiharbeiter darf nur in dem angemeldeten Betrieb auf Kurzarbeit arbeiten. In den Ausfallstunden darf der Leiharbeiter nicht für andere Betriebe arbeiten.

Wie lange gilt die Kurzarbeitsvereinbarung?

  • Meldet ein Unternehmen Kurzarbeit an, dann beschränkt sich die Maßnahme auf einen Zeitraum von 6 Monaten.
  • Hat sich die wirtschaftliche Lage noch nicht entspannt und liegen noch Gründe für die Kurzarbeit vor, dann kann der Betrieb die Kurzarbeit, um weitere 6 Monate verlängern. Insgesamt darf ein Betrieb die Kurzarbeit für 24 Monate beantragen.

Unter welchen Voraussetzungen darf ein Betrieb in Österreich Kurzarbeit anmelden?

Ein Betrieb kann Kurzarbeit anmelden, wenn sich das Unternehmen in einer wirtschaftlichen Problemsituation befindet. Zudem können Naturkatastrophen, wie z.B. Überschwemmungen und auch Epidemien, wie z.B. das Coronavirus dazu führen, dass der Betrieb nicht wie gewohnt fortgeführt werden kann.

Kann der Betrieb in naher Zukunft seine Mitarbeiter nicht mehr bezahlen, ist die Produktion nicht ausgelastet, dann kann der Arbeitgeber reagieren und seine Mitarbeiter mit der Kurzarbeitszeit vor der Entlassung bewahren.

Was kann der Betrieb noch tun, um Arbeitsplätze zu retten?

Ziel eines jeden Betriebs sollte es sein, möglichst viele Arbeitsplätze zu retten. Die Regierung hat sich deshalb für Kreditgarantien ausgesprochen. Die Betriebe können auf Grund der wirtschaftlichen Probleme einen günstigen Überbrückungskredit beantragen und der Kurzarbeit vielleicht somit entgehen.

Es müssen vielleicht auch nicht alle Mitarbeiter des gesamten Unternehmens in Kurzarbeit geschickt werden. Es ist auch möglich nur stark betroffene Abteilungen in Kurzarbeit zu entsenden und Beschäftigungsgruppen zu bilden. Der Betriebsrat ist nun gefragt und sollte sich gemeinsam mit der geschäftsführenden Abteilung auseinandersetzen, damit gemeinsam mit dem AMS darüber beraten werden kann.

Wieviel Geld bekommt man, wenn der Betrieb Kurzarbeit anmeldet?

Jeder Mitarbeiter, der wegen der Kurzarbeit einen Verdienstausfall hinnehmen muss, wird durch die Fördergelder des AMS unterstützt. Die Förderung erfolgt in Form eines Pauschalbetrags, der pro Ausfallstunde gezahlt wird.

  • Die Höhe des Pauschalbetrags richtet sich nach der vertraglich vereinbarten Normalarbeitszeit, des Bruttoverdienstes und der geleisteten Sonderzahlungen und Sondervereinbarungen eines jeden Arbeitsvertrags.
  • Das Kurzarbeitergeld entspricht in etwa der Höhe, die der Arbeitnehmer bei Arbeitslosigkeit, durch staatliche Unterstützung bekommen würde. Die Anzahl der im Haushalt lebenden Kinder spielt bei der Berechnung ebenso eine große Rolle.

Wer zahlt was bei Kurzarbeit?

Die Kurzarbeiterunterstützung, den sogenannten Pauschalbetrag für die Ausfallstunden, erhält der Arbeitnehmer vom AMS. Auch die Beihilfe zur Sozialversicherung wird durch den AMS übernommen, dieser Beitrag unterstützt den Arbeitgeber. Befindet sich ein Mitarbeiter in einer Qualifizierungsmaßnahme oder auf einer Schulung, kann der Mehraufwand durch die Qualifizierungsbeihilfe abgedeckt werden.

Hat die Kurzarbeit einen negativen Einfluss auf die Rente/Pension in Österreich?

Ja, die Einführung der Kurzarbeit hat einen negativen Einfluss auf die Rente im Alter. Das Ausmaß des Schadens ist, mitunter durch die zeitliche Begrenzung der Kurzarbeit, sehr begrenzt und in geringem Umfang zu erwarten. Während der Kurzarbeit werden die Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung aufgeteilt.

Unterschieden wird zwischen dem Verdienst, der ohne die Kurzarbeit zu Stande gekommen wäre und der Differenz zum Kurzarbeitergeld. Ca. 80 % des Verdienstes werden für die Rente angerechnet, wobei sich eine etwas geringere Summe bildet. Dies führt zu minimalen Abweichungen in der späteren Rentenberechnung.

Wie lange darf man bei Kurzarbeit arbeiten?

  • Die Arbeitszeiten sind durch die Anmeldung der Kurzarbeit nun anders gestaltet. Der Mitarbeiter orientiert sich an der vertraglich festgesetzten Arbeitszeit.
  • Im Zeitraum der Kurzarbeit darf diese Arbeitszeit nicht unter 10 % liegen und nicht 90 % überschreiten. Ein Mitarbeiter, der beispielsweise einen 38 Wochenstundenvertrag hat, darf während der Kurzarbeit maximal 34,2 Stunden arbeiten und muss mindestens für 3,8 Stunden beschäftigt werden.

Welche Branchen sind aktuell durch das Coronavirus von der Kurzarbeit betroffen?

Die Reise- und Tourismusbranche leidet sehr unter dem Ausbruch des Coronavirus, denn viele Menschen verzichten unter diesen Gefahren lieber auf einen Urlaubsaufenthalt. In Folge dessen haben auch die Luftfahrtgesellschaften und Airlines einen Rückgang der Buchungen zu erwarten.

  • Die Wirtschaftskammer (WKO) hat sich bereits umfassend beraten und bereitet sich auf die Einführung der Kurzarbeit in der Reisebranche vor. Unternehmen, die vom asiatischen Markt abhängig sind, haben auf Grund des Coronavirus nicht nur mit Lieferengpässen zu kämpfen.
  • Einige Unternehmen können Ihre Auslandskontakte nicht wie gewohnt pflegen, denn Flugreisen in bestimmte Regionen sind nicht mehr möglich. Auch die Holzindustrie ächzt unter den fehlenden Aufträgen. Aktuell prüft die Regierung, ob sich die Kurzarbeit auch für Kleinbetriebe eignet.

Fazit:

Die Österreichische Regierung ist darum bemüht, geschwächte Betriebe zu unterstützen, die durch die aktuelle Coronavirus-Krise betroffen sind. Für die Ausgestaltung der Kurzarbeit stehen den Betrieben unterschiedliche Finanzierungshilfen und Möglichkeiten zur Verfügung.

Kritiker befürchten, dass die 20 Mio. € Budget des AMS nicht ausreichen, um die vielen Anträge auf Kurzarbeit bedienen zu können.

Die Österreichische Regierung hat sich bereits Gedanken gemacht und sichert weitere Finanzierungshilfen zu. Vor Allem die Touristik- und Reisebranche ächzt aktuell unter den einbrechenden Zahlen. Fluggesellschaften wollen ihre Kapazitäten verringern.

In wie weit das Coronavirus noch Auswirkungen auf die Wirtschaft hat bleibt abzuwarten. Im Moment sind die Märkte stark eingebrochen, die Börsenkurse befinden sich im Sinkflug. Wer jetzt schon einen starken Rückgang der Geschäftstätigkeiten bemerkt und Sorge um die Bezahlung der Mitarbeiter hat, der kann sich bei dem zuständigen Arbeitsmarktservice beraten lassen.

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Comments

  1. Hermann Grünstäudl says:

    Bitte um Präzisierung der u.a. angeführten Information:
    “Zudem kann ein Betrieb keinen Lehrling in Kurzarbeit schicken und auch die Geschäftsführer dürfen ihren Arbeitsausfall nicht über die AMS geltend machen.”
    Sin damit alle GF gemeint (auch die gewerberechtlichen GF) oder nur die handelsrechtlichen GF ?

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