China im Jahr des Erd-Schweins – Marktkommentar von Wolfgang Fickus -Mitglied des Investmentkomitees bei Comgest – Stock Picking Potenziale

40 Jahre nach den Reformen von Deng Xiaoping geht China in das Jahr des Erd-Schweins.

Nach dem euphorischen Jahr 2017 hat die Baisse des chinesischen Aktienmarkts im vergangenen Jahr die Sinne für Risiken geschärft, etwa jene aus dem schwelenden Handelskonflikt mit den USA.

Der Sozialismus mit chinesischem Antlitz ist aus unserer Sicht jedoch trotz der lauter werdenden kritischen Stimmen kein Auslaufmodell. Stock Picking Potenziale eröffnen sich in den Bereichen Gesundheit, Versicherungen, Software und Internet.

Nach der langen wirtschaftlichen Blüte Chinas mehren sich erstmals die Stimmen, die von China fairere Wettbewerbsbedingungen sowie einen besseren Schutz geistigen Eigentums fordern. Die USA spüren, dass ihre mehr als 100-jährige Hegemonie durch China ernsthaft gefährdet ist, und fachen einen Handelskrieg an, dessen Ausmaß nicht klar ist.

Signalisiert die Baisse des chinesischen Aktienmarkts, dass der ‘Sozialismus mit chinesischem Antlitz‘ ein Auslaufmodell ist? Wo eröffnen sich internationalen Investoren Stock Picking Potenziale?

Während der Blick auf China skeptischer und der Umgang härter wird, reformiert die kommunistische Partei Chinas das Land weiter. Weitreichende Maßnahmen zur Kontrolle und Eindämmung des Schattenbankensektors und zum Schuldenabbau gehören dazu.

Wolfgang Fickus -Mitglied des Investmentkomitees bei Comgest

Wolfgang Fickus -Mitglied des Investmentkomitees bei Comgest

Diese schwächen das Wirtschaftswachstum ab, sind aber aus Gründen der Nachhaltigkeit zu begrüßen. Die Öffnung des Kapitalmarktes geht ebenso voran, was im Jahr des Erd-Schweins zu einer Vervierfachung des Gewichts von A-Aktien bei MSCI Indizes führen wird. Wir sind bereits seit 2012 in diesem Markt unterwegs, begrüßen aber die sehr verbesserten Rahmenbedingungen zum Handel von Aktien, die das Stock Connect Programm seit 2014 herbeigeführt hat.

Die Abkehr vom kredit- und infrastrukturgetriebenen hin zum innovations- und konsumorientierten Wachstum ist in vollem Gange. Der Ausbau von Forschung und Entwicklung (F&E) schreitet voran, der Dienstleistungssektor, die Realeinkommen und damit die Mittelklasse wachsen stetig.

Nach dem Überschwang des Jahres 2017 hat der Dämpfer im Jahr 2018 wieder zu attraktiven Kursen geführt.

In vielen Bereichen wie Gesundheit, Versicherungen, Software und Internet sehen wir sehr interessante Unternehmen, in die es sich lohnt, langfristig zu investieren.

Chinas große Schatzkammer – der Binnenmarkt

Die Fondsauswahl eines Stockpickers wie Comgest reflektiert diese Veränderungen. Konsum, Informationstechnologie, Lebensversicherung und Gesundheit dominieren unser Portfolio.

Unser Ziel ist es, Unternehmen zu finden, die langfristig ein dynamisches Gewinnwachstum von mindestens 10 Prozent im Jahr über einen Zeitraum von mindestens 5 Jahren mit hoher Vorhersehbarkeit liefern.

Die Unternehmen, in die wir investieren, zeichnen sich durch starke Innenfinanzierungskraft aus, sie verfügen über hohe Markteintrittsbarrieren und Preissetzungsmacht. Aus diesen Gründen fehlen in unserem konzentrierten Portfolio Energie-, Rohstoff-, Immobilienunternehmen sowie Banken.

Nach der Rallye im Jahr 2017 war der chinesische Technologiesektor 2018 Belastungen ausgesetzt. Neben dem Handelskonflikt haben sich vor allem regulatorische Verschärfungen negativ ausgewirkt.

Ein neues E-Commerce-Gesetz, eine verstärkte Überwachung digitaler Medieninhalte und schleppende Zulassungen im Gaming-Bereich sorgten für eine Wachstumsverlangsamung im Vergleich zum Superjahr 2017.

Wir haben durch Aufnahme von Tencent, Alibaba und 58.com ins Portfolio zum Ende des Jahres den Anteil des Portfolios an digitalen Serviceanbietern ausgebaut. Die reduzierten Bewertungen spiegeln nun die Herausforderungen dieser Wachstumsunternehmen nach der Euphorie der Vorjahre besser wieder.

Mit steigendem Wohlstand und einer alternden Bevölkerung wächst auch in China die Nachfrage nach Gesundheitsdienstleistungen und -produkten. Der chinesische Pharmasektor war in der Vergangenheit vor allem durch starke Vertriebskanäle geprägt, die F&E-Kapazitäten lagen eher im Bereich der Generika, wo ausgelaufene Patente aus Europa oder den USA kopiert wurden. Gleichzeitig kam es immer wieder zu politisch motivierten Interventionen, da ein bezahlbares Gesundheitssystem ein politisches Ziel der chinesischen Führung ist.

Entsprechend hoch ist die Volatilität des Sektors. Mit Waigao oder 3Sbio haben wir im Pharmabereich sowie der Medizintechnik Qualitätswachstumsunternehmen gefunden, die hohe Markteintrittsbarrieren und Profitabilität mit visiblem Wachstum verbinden. Krankenversicherer wie Ping An profitieren von der steigenden Nachfrage nach Versicherungsdienstleistungen, denn einen hohen Anteil an Gesundheitsausgaben müssen die Chinesen noch aus der eigenen Tasche bezahlen.

Im Jahr des Erd-Schweins kann China ganz im Sinne des Horoskops feiern, was die letzten 40 Jahre seit den großen Reformen Deng Xiaopings gewachsen ist.

Die Förderung des Binnenkonsums sowie der Innovationsfähigkeit seiner Wirtschaft zeigen, dass China sich im Jahr 2019 weiter auf seine eigenen Stärken besinnt. Der Handelskonflikt mit den USA weist darauf hin, dass Chinas Wirtschaft in den vergangenen Jahrzehnten enorme Fortschritte gemacht hat.

Der Sozialismus mit chinesischem Antlitz ist also kein Auslaufmodel. Die Baisse des Jahres 2018 hat nach der Euphorie des Vorjahres rechtzeitig den Sinn für Risiken geschärft.

Das ist für Investoren das vielleicht wichtigste Signal zum anstehenden Neujahresfest. Mit attraktiven Bewertungen liegen Stock Picking Potenziale trotz der abflauenden Konjunktur und der aus dem Handelskonflikt lauernden Gefahren auf der Hand, denn die dynamisch wachsende Mittelschicht hat stetig wachsende Bedürfnisse.

Wichtige Informationen

Diese Angaben sind vom 05. Februar 2019, soweit nicht anders angegeben. Allgemeine Quellen: Comgest-Analyse, Unternehmensberichte. Die in diesem Artikel dargelegten Inhalte dienen nur zu Informationszwecken und sind nicht als Angebot oder Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder als Empfehlung in Bezug auf eine mögliche Anlage zu verstehen.

Anleger sollten diesen Fonds nicht zeichnen, ohne zuvor den Prospekt und die „Wesentlichen Anlegerinformationen“ (KIID) gelesen zu haben, die in unseren Niederlassungen und auf unserer Website www.comgest.com zur Verfügung stehen.

Über Wolfgang Fickus

Wolfgang Fickus absolvierte ein Studium der Betriebswirtschaftslehre (Diplom-Kaufmann) an der Universität in Köln und studierte an der London Business School. Er besitzt einen CEMS Master in internationalem Management und ist Chartered Financial Analyst (CFA).

Der Finanzexperte begann seine Karriere 1995 bei Paribas Asset Management in Paris im Fondsmanagement für europäische Aktien und wechselte im Jahr 2000 zur WestLB. Dort analysierte er deutsche und europäische Aktien im Technologie-Sektor bevor er ab 2005 das Mid- und Small-Cap Research leitete. Im September 2012 kam Fickus zu Comgest und ist Mitglied des Investment-Komitees.

Über Comgest

Comgest ist ein unabhängiger, internationaler Vermögensverwalter mit Hauptsitz in Paris, strategischen Niederlassungen in Amsterdam, Boston, Dublin, Düsseldorf, Hongkong, Singapur, Tokio und einem Repräsentanzbüro in London.

Seit seiner Gründung im Jahr 1985 verfolgt Comgest einen langfristigen, auf Qualitätswachstum und verantwortliches Investieren ausgerichteten Anlagestil mit dem Ziel, Qualitätsunternehmen auszuwählen, die ein solides und nachhaltiges Wachstum erwarten lassen. Das Unternehmen beschäftigt über 150 Mitarbeiter aus 30 verschiedenen Nationen und verwaltet Kundenkapital in Höhe von mehr als 25,7 Mrd. EUR (Stand: 31. Dezember 2018).

 

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