Sozialgeld/Mindestsicherung in Österreich – Höhe, Anspruch, Bearbeitungsdauer, Antrag

Aktuell ist das Thema Sozialgeld/Mindestsicherung in Österreich aufgrund der Politik und verschiedenen Meinungen zum Thema wieder breit diskutiert – Wie die Diskussion ausgehen wird bzw. welche Lösungen/Änderungen die Politik in Form einer Reform der Mindestsicherung bringen wird ist noch unklar.

Der Bund pocht hierbei auf eine Reform der Mindestsicherung – In der Steiermark würde dies laut der Kleinen Zeitung 16.400 ÖsterreicherInnnen und 2000 junge Asylberechtigte betreffen.

Statement Liste Pilz

Daniela Holzinger, die Sozialsprecherin der Liste Pilz, sieht in der Mindestsicherung keine Versicherungsleistung sondern eine Existenzsicherung für Menschen in finanziellen Notlagen.
Österreich gilt laut EUROSTAT als eines der reichsten Länder der Welt in dem Armut keine Chance haben darf, so Holzinger, denn wenn internationale Großkonzerne sowie die Reichsten, die teilweise wenig bis gar keine Steuern für erwirtschaftete Gewinne abführen endlich ihren gerechten Teil an unserem solidarischen Gemeinwesen beitragen würden, wäre eine ausreichende Finanzierung in angemessener Höhe kein Problem und dem gegeneinander Ausspielen einzelner Bevölkerungsgruppen durch Schwarz/Blau der Boden entzogen.

Bei der Umsetzung der Mindestsicherung herrscht aus meiner Sicht aber noch Handlungsbedarf, führt Holzinger weiter aus.

Ich freue mich, dass sich hier meiner langjährigen Forderung nach einer einheitlichen Lösung für alle Bundesländer auch die Präsidentin des Rechnungshofes anschließt, denn es ist nicht zielführend wenn hier ein Bundesland das andere ausspielt. Schwarz/Blau überholen sich hier gegenseitig rechts voneinander was bis zu rechtswidrigen Lösungen in einzelnen Bundesländern führt.

Die Mindestsicherung verstärkt in Richtung Sachleistungen auszugestalten ist nachvollziehbar, da diese sozial treffsicherer sind und regionale Unterschiede bei den Wohnkosten ausgleichen. Ein Augenmerk sollte auch auf die unterschiedliche Arbeitsmarktlage in den einzelnen Bundeländern gelegt werden, da durch gezielte Arbeitsmarktpolitik hier regionalen Bedürfnisse am Arbeitsmarkt entsprochen werden kann durch gezielte Förderung von Asylberechtigten in Mangelberufen.

Statement NEOS zum Thema Mindestsicherung

NEOS geht es darum, dass Sozialleistungen wie die Mindestsicherung ihren Zweck erfüllen, beispielsweise die Existenzsicherung in sozialen Notlagen. Im derzeitigen System ist das aber aus vielen Gründen nicht der Fall.

Einerseits können Mehrfachförderungen nicht immer ausgeschlossen werden, andererseits werden oftmals Leistungen nicht in Anspruch genommen oder es bestehen Lücken. Zusätzlich gibt es aktuell in jedem Bundesland eine andere Mindestsicherungsregelung. Es darf nicht von der Postleitzahl abhängen, wie zielgerichtet die Unterstützung in einer sozialen Notlage ist. NEOS stehen deshalb langfristig für eine Zusammenführung aller Sozialleistungen wie Mindestsicherung und Notstandshilfe in ein Bürger_innengeld. Dieses viel treffsichere Modell setzt sich aus verschiedenen Modulen (Wohnen, Lebenserhaltungskosten, etc.) zusammen, für die es Anspruchsvoraussetzungen gibt. Dementsprechend werden auch nur jene Module gewährt, für die Bedarf und Anspruch bestehen.

Standpunkt der Sozialministerin Beate Hartinger-Klein (FPÖ)

Vonseiten der Sozialministerin gab es einen klaren Auftrag: Sollten die neun Länder keine einheitliche bedarfsorientierte Mindestsicherung entscheiden und sich über Höhe und Details zur Auszahlung/Leistungen einig sein, übernimmt der Bund dieses Thema.

Laut beiden Seiten (Ländern/Sozialministerin/Bund) soll eine nachhaltige soziale Absicherung geschaffen werden, es solle jedoch keine Anreize vor allem für ausländische Anträge geben, so wird die blaue Ministerin zitiert.

Aktuelle Zahlen für die Steiermark

Dank einer Anfrage durch die freiheitliche Partei (FPÖ) an die Soziallandesrätin Doris Kampus (FPÖ) gibt es nun aktuelle Informationen zu den genauen Zahlen für Kosten der Mindestsicherung in der Steiermark in 2017. Hierbei haben 1990 Bürger aus der EU und dem EWR Ansprüche auf Mindestsicherung gestellt und wurden bewilligt.

Eine größere Anzahl kam hierbei von Drittstaatsangehörigen – 9394 Personen haben hier Mindestsicherung bezogen. In dieser Zahl wurden bereits 2037 minderjährige Asylberechtigte berücksichtigt.

Mehrheit der Bezieher aus Österreich

Die meisten Bezieher der Mindestsicherung kamen aus Österreich, von 16.400 Personen beispielsweise 705 Pensionsten, die mit weniger als 844,46 Euro ihre Ausgaben decken müssen. Der Betrag für die Mindestsicheurng wurde heuer auf die maximale Höhe von 863,04 Euro angehoben.

Aufzahler als größte Gruppe

Als Aufzahler gelten Personen, die nicht das volle Sozialgeld (Mindestsicherung) benötigen. Aktuell betraf das im Jahr 2017 bis zu 9977 Österreicher im Monat, die Tendenz ist hierbei sinkend.

Integrationshilfe für anerkannte Flüchtlinge

Im Landhaus/in der Steiermark möchte man am liebsten eine bundesweite Integrationshilfe für Flüchtlinge umgesetzt wissen – Dies bedeute weniger Geld, dafür mehr Sachleistungen, wie beispielsweise Übernahme der Miete.

Die Gesamtkosten im Jahr 2017 für Mindestsicherung (inklusive Krankenversicherung) lagen bei 41,4 Millionen Euro.

Höhe der Mindestsicherung in Österreich

Seit dem Jahr 2017 gibt es keine österreichweite einheitliche Regelung mehr zur Höhe der Mindestsicherung. Daher müssen Sie sich je nach Bundesland einzeln informieren. In unserer Übersicht listen wir jeweils die maximale Höhe für den Bezug – Über ihren jeweiligen Anspruch/Voraussetzungen können Sie sich beispielsweise bei ihrer zuständigen Arbeiterkammer informieren.

  • Burgenland: 838 Euro
  • Kärnten: 844,46  Euro (Lebensbedarfsanteil und Wohnbedarfsanteil)
  • Niederösterreich: 844,46 Euro
  • Oberösterreich: 921,30 Euro
  • Steiermark: 863,04 Euro
  • Vorarlberg:  633,91 Euro
  • Wien: 863,04 Euro (Lebensbedarfsanteil und Wohnbedarfsanteil)
  • Tirol: 647,28 Euro
  • Salzburg: 863,04 Euro

Wann kann ich Mindetsicherung beantragen?

Die Mindestsicherung kann beim Sozialzentrum/zuständigen Amt der jeweiligen Stadt/Wohnort beantragt werden.  Sie können sich hierzu auch von ihrer jeweiligen Arbeiterkammer beraten und unterstützen lassen – Einen Überblick zu Kontaktmöglichkeiten gibt es auf https://www.arbeiterkammer.at/ueberuns/kontakt/index.html .

Die bedarfsorientierte Mindestsicherung kann dann beantragt werden, wen eine Unterstützung für eine finanzielle Notlage möglich ist, aus der man selbst nicht mehr herauskommt/man seinen Lebensunterhalt mit Einkommen nicht mehr abdecken kann. Meist folgt auf den Antrag ein Gespräch um den Bedarf einzuschätzen und die Genehmigung auf Erhalt der Mindestsicherung zu erteilen.

Wann wird die Mindestsicherung ausgezahlt?

Die Auszahlung erfolgt jeden Monat – 12 mal jährlich. Bitte beachten Sie hierbei die unterschiedlichen Höhen und Regelungen in den einzelnen Bundesländern. Die Fragen “Wann ist die Mindestsicherung am Konto” bzw. Mindestsicherung Auszahlungstermine können wir aktuell leider nicht beantworten – Hierzu können Sie sich aber im Rahmen des Antrags auf bedarfsorientierte Mindestsicherung informieren lassen/nachfragen.

Vermögen und Mindestsicherung – Wieviel darf ich besitzen?

Wichtig ist es hierbei dass bestehendes Vermögen begrenzt ist und vor der Mindetsicherung vorhandene Ersparnisse/Auto/Wohnung aufgebraucht werden muss. Ein Vermögen in der Höhe von maximal 4.315,20 pro Bedarfsgemeinschaft darf man besitzen.

Je nach Wert des Autos muss dieses vor dem Bezug der Mindestsicherung verwertet werden. Eine Ausnahme liegt hier vor wen beispielsweise eine Behinderung vorliegt, die ein Auto erforderlich macht, oder der Arbeitsweg damit zwingend bestritten werden muss.

Ich besitze eine Eigentumswohnung – Muss ich diese verkaufen?

Eine Eigennutzung ist auch bei Bezug von Mindestsicherung möglich – es besteht keine Pflicht zur Verwertung. Dennoch hat das Amt nach 6 Monaten Leistung eine Sicherstellung im Grundbuch vorzunehmen (Pfandrecht)

Mindestsicherung wie lange dauert die Bearbeitung?

Die Dauer für die Bearbeitung von einem Antrag ist abhängig von der jeweiligen Stelle/Bundesland. In Wien beispielsweise liegt die Bearbeitungsdauer bei 5 Tagen (wen laut Definition ein “Notfall” vorliegt) bis zu 20  Werktagen. Man sollte also etwas Geduld mitbringen, auch wen dies besonders in einer Notlage schwierig erscheint.

Quelle und aktuelle Nachrichten zum Thema Mindestsicherung in Österreich

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