Pflegeversicherung in Österreich – Anbieter, Kosten, Vorteile

Rund 440.000 Menschen sind in Österreich von Pflege abhängig. Diese erschreckend hohe Zahl entspricht einem Anteil von rund fünf Prozent der Gesamtbevölkerung. Sie ist gleichzeitig ein ernst zu nehmendes Indiz für die Wichtigkeit der Pflegeversicherung.

Der Bereich lässt die Kosten explodieren, viele Angehörige leiden unter zu hohen finanziellen Aufwendungen, die nur teilweise vom Staat aufgefangen werden. Zu wenig, wissen viele Menschen. Sie sind froh, sich bei der Pflegebedürftigkeit von Angehörigen auf eine private Absicherung berufen zu können, die ihnen und den Patienten zugutekommen.

Die Kernbedingungen der gesetzlichen Pflegeversicherung

Die gesetzliche Seite der Pflege in Österreich wird durch das Bundespflegegeldgesetz spezifiziert. Um finanzielle Hilfen zu erhalten, muss die Dauer der Pflegebedürftigkeit mindestens sechs Monate bei einem Zeitaufwand von wenigstens 65 Stunden betragen.

Für die Klassifizierung der Pflegestufen zeichnen die Amtsärzte verantwortlich. Unter anderem prüfen sie die Verpflegungssituation, den Aufwand und die Dauer der Haushaltsreinigung. Sie klären außerdem, wer sich um die Wäsche des Bedürftigen kümmert und legen die weiteren notwendigen Hilfestellungen fest. Aus diesen Punkten ergeben sich die Einstufungen in eine der insgesamt sieben Pflegestufen, die unterschiedlich hohe monatliche Zahlungen nach sich ziehen.

Es beginnt mit der Zahlung von 157,30 Euro für mehr als 65 Stunden Hilfe, bei mehr als 95 Stunden monatlich sind es 290 Euro. Die Pflegestufe drei sieht einen Zeitbedarf vom mehr als 120 Stunden vor, gezahlt werden dafür 451,80 Euro.

Kommen mehr als 160 Stunden monatlich zusammen, erhält die pflegende Person eine Unterstützung von 677,60 Euro, bei mehr als 180 Stunden sind es bereits 920,30 Euro. Sollte ein außergewöhnlich hoher Pflegeaufwand bei gleicher Zeitangabe vorliegen, wächst die monetäre Unterstützung auf 1280,20 Euro. Fehlt noch die 7. Pflegestufe mit 1699,90 Euro, wenn der Patient alle vier Extremitäten nicht mehr zielgerichtet bewegen oder kontrollieren kann.

In vielen Fällen mögen die Zahlungen der gesetzlichen Pflegeversicherung die tatsächlich anfallenden Kosten für Betroffene nicht decken. Diesem Umstand kann mit dem Abschluss eines privaten Anbieters entgegen getreten werden. Mit den entsprechenden Policen lassen sich die staatlichen Zuwendungen aufstocken, wobei sich die Versicherer an der amtlich festgelegten Pflegestufe orientieren.

Oftmals kann die Vorsorge erst mit dem Erreichen des 35. Lebensjahres beginnen. Andere Anbieter stellen die Zahlungen mit dem 70. Lebensjahr ein. Andere leisten ihre Zahlungen erst mit einer höheren Pflegestufe und nur für den Fall, dass kein stationärer Aufenthalt des Pflegebedürftigen vorliegt. Die monatlichen Prämien liegen durchschnittlich zwischen drei und 50 Euro für Zahlungen ab 500 Euro bis zu rund 1000 Euro zum gesetzlichen Pflegegeld. Damit enden die meisten Gemeinsamkeiten, die Anbieter unterscheiden sich insbesondere bei ihren Leistungsansprüchen, allgemein stehen zwei Varianten zur Auswahl.

Mit der ersten Auswahl orientieren sich die Versicherer an den gesetzlichen Vorgaben und somit an der Pflegestufe in Verbindung mit dem gewählten Tarif. In der zweite Variante werden hingegen die tatsächlich vorliegenden Bedürfnisse des Pflegebedürftigen versichert.

Das Anspruchsrecht auf Zahlung beginnt, wenn der Helfende die Leistungen, beispielsweise das An- oder Ausziehen, die Unterstützung bei den Mahlzeiten oder bei der Bewegung durch das Zimmer des Patienten, nicht mehr alleine durchführen kann. Je früher der Versicherungsbeginn gelegt wird, desto günstiger fallen die monatlichen Prämien aus. Einige Versicherungen bieten sogar eine Pflegeversicherung ab dem Kindesalter an.

Wiener Städtische: Gepflegt älter werden

Die Assekuranz Gruppe bietet ihre Pflegegeldversicherung unter dem Tarifnamen MEDplus Pflege an. Zur Auswahl stehen die vier Varianten: ECO (ab Pflegestufe 6), BASIC (ab Pflegestufe vier), CLASSIC (ab Pflegestufe 3) sowie PREMIUM (ab Pflegestufe 1). Diese Tarife richten sich nach den gesetzlichen Vorgaben bezüglich der Pflegestufen und dem staatlichen Pflegegeld.

Das Wiener Unternehmen fördert die Pflege in den eigenen vier Wänden, alternativ in einer Seniorenresidenz. Mit einem Einstiegsalter von 30 Jahren betragen die Anfangsprämien nur vier Euro im Monat, als letzte Einstiegsmöglichkeit gilt das 70. Lebensjahr. Im Alter von 25 bis 45 Jahren lassen sich im Rhythmus von fünf Jahren, ohne Gesundheitsprüfung, Anpassungen des Versicherungsschutzes vornehmen, von ECO zu BASIC, von BASIC auf CLASSIC oder von CLASSIC auf PREMIUM.

Der Kunde kann den Beginn der Leistungszahlungen inklusive der gewünschten Pflegestufe bestimmen. Er ist aber auch frei in der Wahl der Leistungshöhe, die schrittweise von 25 Prozent bis zu 200 Prozent der staatlichen Pflegegeldsätze reicht.

Wobei die monatliche Prämie im gleichen Verhältnis steigt wie die gewünschte Erhöhung in Prozentpunkten.
Mit der ersten Leistungserfüllung fallen die monatlichen Prämien für die gewählte Versicherungsform weg, das versicherte Pflegegeld aber wird lebenslang ausgezahlt.

Pflegeversicherung der Generali

Das Unternehmen bietet seine Zusatzversicherung als Pflege-Rente an, die in den Tarifen Premium, Klassik oder Basis abgeschlossen werden können. Jede genannte Variante ist zusätzlich in jeweils zwei Leistungsstaffeln unterteilt. Die Verträge punkten mit frühen Auszahlungen, in die Pflegeversicherung sind mittlerweile auch Demenzerkrankungen einbezogen.

Ab der Zahlung der ersten Prämie beginnt der Schutz ohne Wartezeit ab der Pflegestufe 1 und mit der Erreichung von zwei ADL-Punkten. Angenommen werden neue Verträge auch von Menschen in sehr hohem Alter, die zudem eine Erhöhung der Zahlungsleistungen ohne Gesundheitsprüfung verlangen können. Ganz im Zeichen der Zeit beginnen die Auszahlungen für Demenzkranke ab der Stufe zwei und unter der Voraussetzung einer mindestens sechsmonatigen Dauer der Krankheit.

Die Tarife erfüllen die Vorgaben einer aufgeschobenen Rentenversicherung, die vom Leistungsnehmer mindestens zwölf Jahre zu bedienen ist, danach steht die angesparte Gesamtsumme zur freien Verfügung. Wählbar sind drei verschiedene Optionen: Lebenslanger Pflegerentenschutz, eine Auszahlung des Guthabens oder die Zahlung einer monatlichen Altersrente.

Die Höchstgrenze der Pflegeleistungen liegt bei 2000 Euro monatlich als Ergänzung der gesetzlichen Leistungen. Während Männer mit einem Einstiegsalter von 30 Jahren lediglich 20,71 Euro monatlich als Prämie zahlen, werden für Frauen 27,40 Euro fällig.

CarePlus-Pflegeversicherung der UNIQA

Das wie die Generali in Wien ansässige Versicherungsunternehmen bietet die beiden Tarife unter den Namen CarePLUS-Kompakt sowie CarePLUS-Optimal an. Ausgerichtet sind die Grundleistungen nach den Vorgaben ab der Pflegestufe 4 und den geltenden Auszahlungen. Neben einer Pflegeassistanz, sie hilft bei der Suche nach ambulanten oder stationären Einrichtungen, ist es vor allem die Auszahlung einer Pauschale in Höhe von 22.570 Euro für bestimmte Erkrankungsbilder, die vor dem 60. Lebensjahr eintreten müssen.

Dazu zählen etwa Herzinfarkte, Krebs, chronisches Nierenversagen, Organtransplantationen, Querschnittslähmungen oder Multiple Sklerose. Die maximale monatliche Unterstützung beträgt 2.257 Euro in der Pflegestufe 7.

Mit dem Abschluss eines Vertrages beginnt auch der lebenslange Versicherungsschutz. Die anfallenden Prämien können wahlweise monatlich, viertel- und halbjährlich sowie jährlich gezahlt werden. Der Leistungsträger erhebt zuvor und während der Vertragslaufzeit umfangreiche Informationspflichten, die vom Kunden unbedingt einzuhalten wären.

Auch die Donau Versicherung erhöht das Pflegegeld

Die Konditionen gleichen sich. Das Eintrittsalter ist bis zum 70. Lebensjahr möglich, wer mit 30 Jahren einsteigt, zahlt für den Vertrag 22,19 Euro (Frauen) oder 17,72 Euro (Männer) Prämie im Monat.

Ab welcher Pflegestufe die Zahlungen beginnen sollen, kann ebenso festgelegt werden, wie die Höhe des Pflegegeldes in 25 Prozentschritten bis zu maximal 200 Prozent von den staatlichen Leistungen. Es liegt beim Versicherungsnehmer, wie er das Geld verwenden möchte. Beispielsweise für einen Wohnungsumbau, einen Rollstuhl oder für eine zusätzliche Pflegekraft. Eine Besonderheit: Geld gibt es auch für denjenigen, der durch einen Unfall zum Pflegebedürftigen werden sollte. Grundlage für die Leistungen sind wieder einmal die Vorgabe der staatlichen Vorgaben.

ERGO Direkt verspricht starke Leistungen und flexible Tarife

Zum Kernangebot der privaten Pflegeversicherung gehören ein gut kalkulierbares Pflegetagegeld und/oder eine 50prozentige Aufstockung der gesetzlichen Leistungen. Das Tagegeld beginnt mit 10,00 Euro für eine monatliche Prämie von 5,44 Euro, es endet mit 160,00 Euro, für die 87,04 Euro im Monat zu bezahlen wären.

Inkludiert in diese Versicherungsform ist ein kostenloses Pflegetelefon und die rückwirkende Zahlungen von bis zu sechs Monaten für den Fall einer verspäteten Meldung über eine Pflegebedürftigkeit, die auch Demenzerkrankungen beinhaltet. Der Versicherungsschutz gilt innerhalb der EU und in den Ländern des Europäischen Wirtschaftsraums sowie bei einem befristeten Auslandsaufenthalt außerhalb der EU für maximal sechs Wochen jährlich. Versichern lassen sich die gesetzlichen Pflegestufen 1 bis 5, das Tagegeld wird weitergezahlt bei einer vollstationären Heilbehandlung im Krankenhaus, bei einem Kuraufenthalt oder einer Rehabilitationsmaßnahme.

Die Alternative eines Pflege-Zuschusses in Höhe von 50 Prozent wird angeboten durch eine Monatsprämie von 15,80 Euro, bezogen auf die Leistungen der gesetzlichen Pflegeversicherung. Inkludiert ist eine Verhinderungspflege bei der Verhinderung eines Laienpflegers verbunden mit mindestens der Pflegestufe 2. In diesem Falle leistet der Versicherer bis zu 806 Euro jährlich für längstens sechs Wochen, beziehungsweise einen Betrag von 403 Euro als Aufstockung aus einer Kurzzeitpflege.

Erweitert wird der Tarif um zweckgebundene Entlastungsleistungen von bis zu 125 Euro, unabhängig von der Pflegestufe. Zum Beispiel als Unterstützung bei der Wäscheversorgung oder der Begleitung des Pflegebedürftigen bei Spaziergängen.

Auch als Maßnahmeträger macht die Versicherung eine gute Figur. Im Bereich der Verbesserungen des Wohnumfeldes unterstützt sie jede Maßnahme mit einem Zuschuss von bis zu 2.000 Euro und leistet bis zu 20,00 Euro monatlich für zum Verbrauch bestimmte Pflegehilfsmittel.

Kurzes Fazit zum Thema private Pflegeversicherung/Zusatzversicherung in Österreich

Insgesamt scheinen die Österreicher mit privaten Pflegeversicherungen zufrieden zu sein. Um jedoch die passende Zusatzversicherung zu finden, wird unbedingt der Rat eines Fachmanns empfohlen.

Mit seiner Unterstützung sollte geklärt werden, ab welcher Pflegestufe die Leistungen in Kraft treten, wann und wie viel im Ernstfall tatsächlich geleistet wird und welche Altersgrenzen zu beachten sind. Auskennen sollte sich der begleitende Versicherungsfachmann zudem im Prämiendschungel und mit dem wichtigen Kleingedruckten der einzelnen Vertragsarten.

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