Piloten Ausbildung in Österreich – Kosten, Dauer und Voraussetzungen

Pilot einer der am häufigsten genannte Berufswünsche bei Kindern – nicht umsonst, denn Herr über ein großes Flugzeug zu sein, ständig an neue Orte zu fliegen und dabei die Welt ein bisschen mehr zu entdecken übt schon auf die Kleinsten einen ganz besonderen Reiz aus.

Auch bei Erwachsenwerden verschwindet der Berufswunsch nicht bei allen, im Gegenteil: Viele entscheiden sich für die Ausbildung zum Piloten, um danach in einen prestigeträchtigen und meist gut bezahlten Job einzusteigen. Doch wie wird man überhaupt Pilot?

Stockfoto-ID: 223703845 Copyright: Demkat/Bigstockphoto.com

Wichtig: Eine umfassende Ausbildung
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Was muss man mitbringen, wie läuft die Ausbildung ab, wie viel Zeit braucht man dafür und auf welchen Verdienst kann man sich am Ende einstellen? Im Folgenden erfahren Sie alles Wissenswerte zur Pilotenausbildung in Österreich.

Die Ausbildung zum Berufspiloten: Welche Wege gibt es?

Generell gibt es zwei Möglichkeiten Pilot zu werden: Entweder bekommt man einen Ausbildungsplatz bei einer privaten Fluglinie oder man schreibt sich auf eigene Faust in eine der Flugschulen ein und absolviert die Ausbildung komplett privat. Interessierte können sich bei jeder Airline, die selbst Piloten ausbildet, bewerben; offene Stellen sind am schnellsten auf der jeweiligen Webseite zu finden.
Im Fall der privaten Flugschulen ist die Auswahl noch etwas größer, der Flugschulverband Austria bietet Informationen zu den einzelnen Standorten in ganz Österreich.

Die Ausbildung zum Berufspiloten: Auf was muss man bei der Auswahl gefasst sein?

Sofern man sich für eine Pilotenausbildung bei einer privaten Fluglinie entscheidet, ist die Matura bzw. eine allgemeine Hochschulreife fast immer Pflicht, auch wenn vereinzelte Fluglinien sie nicht als obligatorisch einstufen.

Fließende Englischkenntnisse in Wort und Schrift sowie perfektes Deutsch sind dabei Grundvoraussetzungen. Der oder die Bewerber/in muss mindestens das 17. Lebensjahr vollendet haben und über eine gewisse Mindestkörpergröße verfügen, die genaue Größe ist bei der jeweiligen Airline zu erfragen.

Außerdem muss ein meist dreiteiliges Auswahlverfahren bestanden werden, das sich von Fluglinie zu Fluglinie unterscheidet: Eine ganze Reihe von Tests untersucht und bewertet die körperliche Konstitution, psychische Belastbarkeit, Fähigkeit zur Teamarbeit, Konzentrationsfähigkeit sowie das logische Denkvermögen und versucht außerdem, das Verhalten der Bewerber in Extremsituationen zu testen.

Einen extrem hohen Stellenwert nimmt die medizinische Tauglichkeit: Spezielle Fliegerärzte untersuchen alle Anwärter; nur diejenigen, die sich für die sogenannte Medical Class I (keinerlei körperliche Einschränkungen) qualifizieren, werden als tauglich befunden. Als Ausschlusskriterium werden bereits im Alltag nicht dramatische Leiden, wie z. B. eine leichte Farbenblindheit oder Rot-Grün-Schwäche eingestuft.

Lange nicht alle, die Piloten werden möchten, können diesen Traum beginnen: Bei der größten österreichischen Fluglinie Austrian Airlines bestehen nur etwa 7 bis 13 Prozent der Bewerber das Auswahlverfahren. Diese können dann jedoch alle mit einem Ausbildungsplatz rechnen. Während der Ausbildung ist die Dropout-Quote sehr gering: Nur 4 Prozent beschließen, doch nicht Pilot zu werden und abzubrechen.

Kosten und Dauer der Ausbildung

Die Ausbildung zum Piloten ist nicht billig, erst recht nicht die an privaten Flugschulen. Im Gegensatz zu einer regulären Ausbildung, in der sämtliche laufende Kosten vom Arbeitgeber übernommen werden, muss der angehende Pilot auch bei einer Airline einen Großteil der Ausbildung selbst bezahlen.

Bei einer Fluglinie werden die Gesamtkosten in Höhe von 60.000 – 80.000 Euro für die Ausbildung an der hauseigenen Flugschule so gut wie immer komplett vorgestreckt, sodass keine großen eigenen Ersparnisse notwendig sind.

Sobald der frischgebackene Pilot seine Arbeit beginnt, werden die von der Airline investierten Ausbildungskosten anteilig vom Gehalt abgezogen, bis diese Kosten vollständig abgegolten sind. Die Vergütung erfolgt bei festangestellten Piloten übrigens fast immer nach dem geltenden Tarif für Piloten und Fluglotsen; alle in Österreich ansässigen Airlines sind an das hiesige Tarifrecht gebunden. Bei einigen Billigfluglinien existieren für Piloten keine festen Anstellungen, dort wird nach Flug abgerechnet und oft ohne Tarif bezahlt.

Bei den privaten Flugschulen dauert die Ausbildung – je nachdem, ob sie ununterbrochen absolviert wird – etwa zwei Jahre.

Die Kosten liegen hier bei zwischen 50.000 und 80.000 Euro, diese müssen innerhalb der zwei Jahre bezahlt und vollständig privat übernommen werden. Einige Flugschulen bieten Ratenzahlungen an, falls ein Kredit aufgenommen wurde ist jedoch zu bedenken, dass eine nahtlose Anstellung nach der privaten Ausbildung nicht garantiert werden und so ein Kredit eine erheblich finanzielle und nervliche Belastung darstellen kann.

Was erwartet einen als Pilot?

Als Berufsanfänger, der frisch die Ausbildung oder private Pilotenausbildung abgeschlossen, wird man zuerst als Copilot eingesetzt, um noch mehr Praxiserfahrung zu gewinnen und sich an die individuellen Abläufe der jeweiligen Fluglinie zu gewöhnen. Dabei wird jeder neue Pilot meist von erfahreneren Kollegen begleitet und fliegt am Anfang bei Lang- und Kurzstrecken ausschließlich im Team. Die Charaktereigenschaften Pünktlichkeit, Teamgeist, absolute Zuverlässigkeit, Besonnenheit, Kritikfähigkeit sowie minutiöse Genauigkeit erleichtern die Eingewöhnung in die Arbeit sehr.

Besonders am Anfang, wenn das kontinuierliche Fliegen seinen Tribut fordert, sollte unbedingt auf die strikte Einhaltung der Ruhepausen- und Zeiten geachtet werden, da mangelnder Schlaf fatale Folgen haben kann und ein Sicherheitsrisiko darstellt. Das darf nicht auf die leichte Schulter genommen werden, auch bei Krankheit sind Piloten verpflichtet, dies unverzüglich ihrem Arbeitgeber zu melden.

Eine Prozedur, die jedes Jahr aufs Neue durchlaufen werden muss, ist die bereits am Anfang einer Ausbildung erfolgte Tauglichkeitsprüfung durch einen speziellen Fliegerarzt. Da sich bereits kleinste Verschlechterungen am Seh- und Reaktionsvermögen bei einem Piloten verheerend auswirken können, muss die volle Leistungsfähigkeit regelmäßig neu bewiesen werden.

Die Vorteile des Pilotendaseins

  • ein hohes Maß an Prestige: Es gibt wohl wenige Berufe, die so viel Prestige ausstrahlen und bei Freunden und Bekannten Bewunderung hervorrufen, wie der des Piloten
  • ein überdurchschnittlicher Verdienst: Besonders Zulagen, z. B. für Langstreckenflüge und Sonderflüge, bringen zu dem ohnehin schon attraktiven Gehalt noch etwas on-top dazu
  • im Team arbeitet es sich angenehmer: Meistens arbeiten bei Langstreckenflügen drei Piloten im Cockpit zusammen. Sollte einer von ihnen müde werden, können die anderen beiden ihn problemlos vertreten
  • immer unterwegs: Nach dem Flug müssen Piloten sich ausruhen, ab und an ist dabei auch ein mehrtägiger Aufenthalt am Zielort möglich. Bei Langstreckenflügen sind das mithin auch extrem beliebte Urlaubsorte, wie z. B. Brasilien, die Karibik, Thailand oder Kambodscha.
  • ein sicherer Arbeitsplatz: Der Tourismus boomt weltweit und immer mehr Bevölkerungsteile können sich das Fliegen leisten – perfekte Voraussetzungen für diejenigen, die unabkömmlich sind, um Menschen an ihr Ziel zu fliegen

Die Nachteile

  • unablässige Konzentration ist notwendig: Hier ist absolute psychische Stabilität gefragt, nichts für schwache Nerven! Auch bei technischen Defekten muss ein kühler Kopf bewahrt werden, um die Sicherheit aller an Bord immer an oberste Stelle zu setzen
  • Bereitschaft zur Schicht- und Nachtarbeit: Viele Flüge finden zeitzonenübergreifend statt, starten am frühen Morgen oder mitten in der Nacht. Auch Piloten haben nach der Ankunft mit dem Jetlag zu kämpfen, keine idealen Voraussetzungen für ungestörte Wochenenden und regelmäßige Arbeitszeiten.
  • weniger Zeit für die Familie: Abgesehen von den Vorteilen des Vielfliegens existieren natürlich auch die Nachteile: Die Zeit mit Freunden und Familie ist begrenzter, als es beispielsweise bei Bürojobs der Fall ist. Besonders die Wochenenden sind oft Arbeitszeit und freie Tage fallen zwangsläufig auf unter der Woche.
  • keine absolute Sicherheit: Die medizinischen Tests sind sehr genau und untersuchen jedes Jahr minutiös die Eignung des Piloten. Sollten Einschränkungen bei der Leistungsfähigkeit auftreten, kann in diesem Beruf nicht weitergearbeitet werden – ein zweites Standbein, etwa ein davor abgeschlossenes Studium geben hier mehr Sicherheit
  • ein hohes Maß an Verantwortung: Trotz aller technischen Hilfen und Lenkung durch Maschinen und Satelliten ist keine Technik gefeit vor Ausfällen. Der Pilot muss jederzeit die Kontrolle über das Flugzeug haben und im Notfall genau wissen, was zu tun ist. Landungen in schwierigem Gelände gehören hier ebenso dazu wie das Fliegen bei plötzlich auftretenden Stürmen – die Anforderungen sind hoch
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