Sabbatical in Österreich – Voraussetzungen, Gehalt, Ablauf

Es gibt zahlreiche Gründe, die bei Arbeitnehmern den Wunsch nach einem Sabbatical aufkommen lassen und auch Arbeitgeber erkennen zunehmend die Vorteile einer (re)kreativen Pause vom Arbeitsalltag, die gut vorbereitet Nutzen für beide Seiten bringen kann.

Denn es handelt sich bei einem Sabbatical um ein langfristiges Projekt, das nur gut informiert und organisiert erfolgreich angetreten werden kann. Wer sich als Arbeitgeber oder Arbeitnehmer für ein Sabbatical in Österreich interessiert, sollte daher folgende Punkte, sowohl für sich persönlich, als auch gemeinsam mit der anderen Partei ausführlich beantworten.

Was bedeutet Sabbatical eigentlich ?

Das Konzept des Sabbatical war ursprünglich als Freisemester für Forschungen gedacht, meint aber heute die Freistellung eines Arbeitnehmers für einen bestimmtem Zeitraum, ohne dass der bestehende Arbeitsvertrag gekündigt wird.

Die Bezeichnung Sabbatical entstammt sprachlich der Thora. Neben Sabbatical, wird im deutschsprachigen Raum auch häufig Sabbatjahr oder Freijahr verwendet.

Gründe für ein Sabbatical ?

Häufig spielen persönliche oder familiäre Gründe von Seiten des Arbeitnehmers eine Rolle. Beispielsweise der Wunsch zu reisen, ein kreatives Projekt zu verwirklichen oder eine Zeitlang intensiv für die Familie da sein. Erfreulicherweise erkennen aber auch zunehmend Arbeitgeber positive Gründe für ein Sabbatjahr, wie etwa eine gesteigerte Motivation nach der Rückkehr oder das Fördern der persönlichen Entwicklung der Arbeitnehmer.

Sabbitcal – Mögliche Auszeit für mehr Familienzeit

Wie lange dauert ein Sabbatical ?

Auch wenn das Sabbatical, oft als Sabbatjahr bezeichnet wird, muss es nicht zwingend 12 Monate umfassen. Vielmehr hängt die Dauer der Auszeit ganz konkret, von der Vereinbarung zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer ab. Denkbar sind Zeiträume zwischen mehreren Monaten bis Jahren. Überwiegend wird aber der Zeitraum eines Jahres gewählt.

Wer kann ein Sabbatical nehmen?

In Österreich gibt es keine festgelegten Regeln darüber, welche Mitarbeiter ein Sabbatical nehmen können. Vielmehr hängt die Entscheidung von einer Einigung zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber ab. Allerdings ist auch im Hinblick auf ein Sabbatical das Gleichbehandlungsgebot zu beachten.

Arbeitgeber können jedoch mittels begründeter Ausnahmen die Personengruppe einschränken, die ein Sabbatical antreten darf. Allgemein gilt, dass es keinen Rechtsanspruch auf ein Sabbatjahr in Österreich gibt. Der Erfolg hängt ausschließlich vom Willen und der Kommunikation mit dem Arbeitgeber ab.

Wie wird ein Sabbatical finanziert ?

Auch die Finanzierung des Sabbatical hängt von dessen Dauer und den Verhandlungen mit dem Arbeitgeber ab. In der Praxis haben sich in Österreich allerdings zwei Modelle durchgesetzt, die im Folgendem noch genauer erläutert werden.
Gemein ist beiden Modellen, dass eine Lohnfortzahlung (zumindest anteilig) während de Sabbatical erfolgt.

Wie läuft das Sabbatical in der Praxis ab ?

Das Sabbatical beinhaltet eine Vorbereitungsphase in der wichtige Vereinbarungen mit dem Arbeitgeber getroffen und organisatorische Vorbereitungen umgesetzt werden müssen.

Eine sorgfältige Vorbereitung ist unumgänglich, da alle etwaige aufkommenden Fragen geklärt werden müssen bevor das Sabbatical angetreten wird. In der anschließenden Freizeitphase kann sich der Arbeitnehmer dann seinem persönlichen Projekt widmen, da er von der Arbeitstätigkeit für den vereinbarten Zeitraum befreit ist.

Eventuell kann es sinnvoll sein, auch eine Rückkehrphase zu vereinbaren, die beispielsweise durch reduzierte Arbeitszeiten oder Aufgabenbereiche den Wiedereinstieg in die berufliche Tätigkeit erleichtert.

Welche Modelle des Sabbatical gibt es in Österreich ?

Auch wenn die Gestaltung flexibel ist, haben sich in Österreich zwei Modelle weitgehend durchgesetzt.
Zum einen gibt es die sogenannte Ansparvariante, die es dem Arbeitnehmer ermöglicht, während der Freizeitphase sein Gehalt weiterhin in normalem Umfang zu beziehen.

In einer Vorbereitungsphase sammelt der Arbeitnehmer dabei Überstunden, mit denen er seine Freizeitphase aufbaut und so bei normalem Lohnausgleich später von der Arbeitstätigkeit freigestellt ist.

Dieses Modell eignet sich daher insbesondere für Mitarbeiter, die ein relativ kurzes Sabbatical wünschen oder auf eine ausreichende finanzielle Fortzahlung angewiesen sind.

Allerdings ist die zusätzliche Arbeitsbelastung über eine, unter Umständen lange Vorbereitsungsphase hinweg, nicht zu unterschätzen und auch nicht für jeden Arbeitgeber von Vorteil, da unter Umständen unnötige Überstunden angesammelt werden. Außerdem können Arbeitnehmer mit all-in-Verträgen dieses Modell nicht nutzen.

Ein alternatives Modell zur Umsetzung eines Sabbatical, ist die zeitlich festgelegte Reduktion des Entgelts. Bei dieser Version arbeitet der Arbeitnehmer nicht mehr Stunden, sondern erhält während eines vereinbarten Zeitraums weniger Gehalt, welches dann während der Freizeitphase ausgezahlt wird.

Welche organisatorsichen Punkte sind unbedingt zu beachten?

Von Seiten des Arbeitgebers und Arbeitnehmers müssen einige Punkte im Vorfeld unbedingt abschließend geklärt werden, damit das Sabbatical für beide Seiten reibungslos ablaufen kann.

Im Idealfall werden auch alle diese Punkte in eine schriftliche Vereinbarung mit aufgenommen, die die Abmachungen zwischen Unternehmen und Angestellten regelt. Dabei sollten mindestens folgende Bereiche abschließend geklärt werden:

  • Vertretungsregelung während der Freizeitphase
  • Ablauf und Zeitpunkt der Anmeldung zum Sabbatical
  • vereinbarter Kündigungsschutz
  • Gestaltung des Kontakts zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer während der Freizeitphase
  • Beginn und Ende der vereinbarten Vorbereitungs- und Freizeitphasen
  • Details zum gewählten Modell in der Vorbereitungsphase
  • Urlaubsanspruch während der Freizeitphase
  • Verbot von Nebentätigkeiten während der Freizeitphase
  • Nutzung von Firmeneigentum (zum Beispiel Handys, PKW) während des Sabbaticals

Besteht ein Rechtsanapruch auf ein Sabbatical ?

Grundsätzlich ist die Vereinbarung eines Sabbatical eine freiwillige Sache von beiden Seiten, Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Es besteht kein Rechtsanspruch auf ein Sabbatjahr und ein Arbeitnehmer darf auf nicht dazu gezwungen werden. Ebenso freiwillig sind die Vereinbarungen die in einer schriftlichen Vereinbarung festgehalten erden sollten.

Einige Kollektivverträge beinhalten allerdings Vorlagen oder Mustervereinbarungen, die dem jeweiligen Bedarf entsprechend angepasst werden können. Der öffentliche Dienst in Österreich sieht ausdrücklich die Möglichkeit für Angestellte vor, ein Sabbatical zu nehmen. Wer im öffentlichen Dienst angestellt ist, sollte sich daher direkt bei seiner Dienstelle nach etwaigen Rahmenbedingen erkundigen.

Welche rechtlichen Vorraussetzungen gelten ?

Grundsätzlich kann die Vereinbarung zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber frei gestaltet werden. Allerdings müssen, die Bestimmungen des Arbeitsrechts dabei unbedingt eingehalten werden. So dürfen beispielsweise tägliche Höchststundenzahlen nicht überschritten und die Zahlung der Sozialversicherungsbeiträge nicht eingestellt werden.

Quellen und Informationen zum Sabbatical in Österreich

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