Scheinselbständigkeit in Österreich – Kriterien, Definition, Prüfung, Sozialversicherung – Folgen für Auftraggeber & Auftragnehmer

Scheinselbstständigkeit in Österreich – welche Regeln gibt es?

In Österreich und auch in vielen anderen Ländern überlegen die Menschen, ob sie in die Selbstständigkeit gehen sollen, oder nicht. Viele fragen sich natürlich auch, welche Formen der Selbstständigkeit es gibt und was eine so genannte Scheinselbstständigkeit ist.

Die Scheinselbstständigkeit ist für Gewerbetreibende aber auch für Freiberufler ein Dorn im Auge und viele fürchten vom zuständigen Finanzamt als Scheinselbstständiger eingestuft zu werden.

Die Folgen einer Scheinselbstständigkeit sind meist gerade finanzieller Natur nicht zu empfehlen.

Wer als Freiberufler im Vorfeld erkannt gewesen ist, muss zahlreiche Beiträge der Sozialversicherung zurückzahlen, was schnell mehrere tausend Euro an Kosten verursacht werden kann.

Gerade bei Freelancern und bei freien Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern muss drauf geachtet werden, dass man auf keinen Fall als Scheinselbstständiger gilt, sondern komplett selbstständig ist und entsprechend arbeiten kann.

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Wichtig: Auf das Einsatzgebiet und Weisungsbefugnis achten!
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Definition Scheinselbständigkeit – was fällt darunter?

Die Scheinselbstständigkeit ist gar nicht so leicht zu erklären, denn es gilt viele Faktoren zu berücksichtigen, bevor jemand als scheinselbstständig deklariert werden kann. Grundsätzlich handelt es sich dabei um eine selbstständige Person, die jedoch genau so behandelt wird, wie es bei einem angestellten Mitarbeiter oder bei einer angestellten Mitarbeiterin der Fall ist.

Das bedeutet, dass man nicht wirklich selbstständig ist, sondern die gleichen Regeln und Privilegien hat, wie es bei normalen Angestellten der Fall ist. Entsprechende Verhältnisse können sich schnell einstellen, wenn man lange Zeit für die gleiche Firma als Selbstständiger arbeitet und sogar eigene Büroräume hat und Weisungen entgegennimmt.

  • Prüfung ob Arbeitnehmer oder Arbeitnehmerin wirklich selbstständig ist oder mit einem Angestellten Mitarbeiter gleichgestellt ist
  • Prüfung kann z.B. durch Gerichte, Krankenversicherungen oder Ämter angeordnet werden

In den meisten Fällen kann eine Prüfung auf Scheinselbstständigkeit durch verschiedene Organisationen durchgeführt und kontrolliert werden.

Das bedeutet, dass man zum Beispiel durch das Finanzamt oder durch ein Arbeitsgericht geprüft werden kann.

Ebenfalls ist eine Prüfung durch die zuständigen Träger der Sozialversicherungen möglich. Ebenfalls kann durch die Krankenversicherung eine Scheinselbstständigkeit geprüft werden.

Wann findet eine Prüfung auf Scheinselbständigkeit statt?

Die Prüfung auf Scheinselbstständigkeit bzw. auf Selbstständigkeit kann jeden betreffen, der selbstständig tätig ist und der als Freiberufler oder als freier Mitarbeiter für eine Firma arbeitet.

Wer ein Gewerbe anmeldet, muss entsprechend Gewerbesteuer bezahlen. Personen, die als Freelancer oder als Freiberufler für eine Firma arbeiten brauchen kein Gewerbe anmelden und müssen demnach auch keine Gewerbesteuer bezahlen.

Welche Berufsstände haben häufig das Problem, dass sie in die Nähe einer Scheinselbstständigkeit gerückt werden?

Es gibt in Österreich zahlreiche Berufe bei denen es das Problem gibt, dass diese mit einer Scheinselbstständigkeit in Verbindung gebracht werden können und bei denen es notwendig ist, dass entsprechende Beschäftigungen geprüft werden.

Vor allem Unternehmer, die die Büroräume der Kunden nutzen und hier täglich arbeiten, stehen im Verdacht, nicht Selbstständig zu sein, sondern als Scheinselbstständiger tätig zu sein.

In der Praxis ist es denkbar, dass zum Beispiel Unternehmensberater, auch als Consultants die Gefahr laufen, dass sie als Scheinselbstständig beschreiben werden. Das liegt daran, dass die Unternehmerinnen und Unternehmer, die mit Beraterverträgen arbeiten zum Beispiel für ein langes Projekt bei einem Kunden vor Ort arbeiten. Sie beraten den Kunden, stellen hier individuelle Lösungen für die derzeitige Problematik im Unternehmen vor.

Das liegt jedoch häufig daran, dass man in dieser Zeit sich intensiv um einen Kunden kümmert. Konkret bedeutet dies, dass man auch nur an einen Kunden in dieser Zeit Rechnungen schreibt.

Aus Sicht vieler Arbeitsämter oder Finanzämter wirkt dies natürlich schnell wie eine so genannte Scheinselbstständigkeit.

Das liegt daran, dass man normalerweise als Selbstständiger mehrere Kunden hat, um die man sich kümmern muss und somit natürlich auch an verschiedene Unternehmen Rechnungen ausstellt.

Nicht nur Berater, sondern zum Beispiel auch Personen, die in der IT arbeiten laufen Gefahr, dass sie als scheinselbstständig deklariert werden.

Wer als Programmierer als Freelancer für ein Unternehmen arbeitet und hier viele Programmierleistungen vor Ort erbringt kann durchaus in Gefahr geraten, dass man als Scheinselbstständiger bezeichnet wird. Gleiches gilt auch für IT Administratoren sowie für Grafiker, Webdesigner oder z.B. Texter, die häufig in der Branche als Freiberufler tätig sind.

Nicht nur in der IT, sondern auch in anderen Unternehmen und Branchen gibt es die Möglichkeit, dass Freiberufler oder Freelancer tätig werden.

Hier ist es ebenfalls möglich, dass man als Scheinselbstständiger deklariert wird und die Verträge zwischen den Freelancern und den Firmen genau geprüft werden.

Was passiert bei einer Prüfung auf Scheinselbstständigkeit konkret?

Sollte es dazu kommen, dass man auf Scheinselbstständigkeit geprüft wird ist es notwendig, dass alle abgeschlossenen Verträge vorgelegt werden, die mit Firmen geschlossen worden sind. Die Bedingungen werden im Einzelnen geprüft und ferner wird der Berufsalltag genau unter die Lupe genommen.

  • Prüfung aller abgeschlossenen Verträge
  • Prüfung für wie viele Arbeitgeber man tätig ist
  • Prüfung, ob man z.B. durch einen Arbeitgeber 5/6 des Umsatzes erzielt, oder ob dieser auf mehrere Arbeitgeber verteilt wird

Besonders wird darauf geachtet, ob man dauerhaft nur für einen einzigen Auftraggeber tätig ist.

Sollte es dazu kommen, dass durch einen Auftraggeber rund 5/6 des gesamten Umsatzes erzielt wird, kann es ebenfalls der Fall sein, dass man Scheinselbstständig ist. Auch Personen, die keine versicherungspflichtigen Mitarbeiterinnen oder Mitarbeiter beschäftigen laufen Gefahr, dass sie durch die Ämter genau geprüft werden.

Ebenso wird darauf geachtet, ob eine Weisungsbefugnis vorliegt. Wenn man für eine Firma arbeitet und entsprechende Anweisungen annimmt, kann es der Fall sein, dass man eine Scheinselbstständigkeit erfüllt.

Es muss darauf geachtet werden, dass externe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter keine konkreten Weisungen erhalten, damit der Bestand der Scheinselbstständigkeit auf keinen Fall erfüllt wird.

Wie kann ich feststellen, ob ich scheinselbstständig bin oder nicht?

Grundsätzlich ist es gar nicht so schwierig festzustellen, ob man scheinselbstständig ist oder nicht. Es sollte darauf geachtet werden, dass man keine konkreten Weisungen durch den Auftraggeber erhält, sondern frei darin ist, seine Arbeit zu erledigen und entsprechend das gemeinsame Ziel zu erreichen. Auch die Arbeitszeiten müssen selbst bestimmt werden und dürfen nicht durch den Auftraggeber vorgegeben werden.

Der Auftragnehmer muss nicht ständig Berichte über die Leistungen abgaben, wie es bei einem normalen Angestellten der Fall wäre.

Darüber hinaus ist es wichtig, dass die Aufgaben nicht die gleichen sind, wie es bei Angestellten der Fall sind, die dauerhaft und fest angestellt für das Unternehmen arbeiten. Ebenso ist darauf zu achten, dass der Arbeitsplatz frei gewählt werden darf.

Das bedeutet, dass ein Freelancer keinen Arbeitsplatz haben sollte, so wie es bei den normalen Angestellten der Fall ist. Auch ein Türschild mit einem Namen ist nicht zulässig. Viele Firmen hatten in der Vergangenheit Türschilder mit Namen für externe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Diese waren jedoch oft kaum von den Schildern zu unterscheiden, die für feste Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter angebracht worden sind.

Die selbstständige Person muss eigenständig arbeiten. Das bedeutet auch, dass man z.B. mit seinen eigenen Arbeitsmaterialien arbeiten darf. Eigene Laptops, eigene Drucker und auch eigene Papiervorräte oder Schreibstifte zeigen, dass man nicht zur festen normalen Belegschaft gehört, sondern als Selbstständiger für einen Auftrag im Unternehmen eingekauft worden ist.

Selbstständige haben in der Regel nicht nur einen Kunden, sondern mehrere Kunden.

Das bedeutet, dass man Angebote und auch Rechnungen für verschiedene Kunden schreibt. In der Regel wird dadurch deutlich, dass man nicht nur für eine Firma arbeitet, sondern in jedem Fall für mehrere Unternehmen tätig ist. Zu beachten ist auch, dass Selbstständige meist mehrere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben, die für verschiedene Unternehmungen in verschiedenen Firmen tätig sein können.

Was kann dem Auftraggeber passieren, wenn der Scheinselbstständigkeit überführt wird?

Sollte man einen Auftrag vergeben haben und das Gericht der Meinung sein, es handelt sich hierbei um eine Scheinselbstständigkeit, so kann dies dazu führen, dass man mit zahlreichen Konsequenzen zu rechnen hat.

Diese Konsequenzen können rechtlich oder aber auch finanziell geprägt sein. In der Praxis bedeutet dies meist, dass man für die Person, die gar nicht selbstständig gearbeitet hat, sondern wie ein Angestellter behandelt worden ist, zahlreiche Verpflichtungen zu tragen hat.

Zahlungen für die Sozialversicherung können für einen Zeitraum von rückwirkend bis zu 4 Jahren eingefordert werden.

Darüber hinaus kann es zu Nachzahlungen der Lohnsteuer führen. Die entsprechenden Bußgelder sind ebenfalls zu erwähnen, welche über einen Zeitraum von bis zu 30 Jahre nachträglich eingefordert werden können.

Was passiert mir als Auftragnehmer, wenn ich der Scheinselbstständigkeit überführt wurde?

Wer als Auftragnehmer der Scheinselbstständigkeit überführt worden ist, muss damit rechnen, dass er in jedem Fall nicht mehr als Selbstständiger tätig ist, sondern den gleichen Status eines Arbeitnehmers erhalten kann.

Das bedeutet, dass man einen Kündigungsschutz genießen kann und sich in das Unternehmen einklagen kann.

Ebenso gibt es einen Anspruch auf Urlaub sowie eine Fortzahlung des Lohnes im Fall der Krankheit. Sollte es zu einer Scheinselbstständigkeit kommen muss man sein Gewerbe abmelden und zwar offiziell bei den zuständigen Ämtern.

Rechnungen, im Vorfeld zu Unrecht geschrieben und abgegeben worden sind, müssen korrigiert werden.

Auch die Umsatzsteuer, die durch den jetzt nicht mehr Unternehmer ausgewiesen worden ist, muss für ungültig erklärt werden. Eine Vorsteuer, die eventuell abgezogen worden ist, muss wieder an das Finanzamt zurückgezahlt werden.

Bevor man eine Selbstständigkeit startet oder für eine Firma als Freelancer oder als Freiberufler tätig wird ist es daher wirklich notwendig, sich genau zu informieren. Die entsprechenden Gesetze können im Internet meist umfangreich nachgelesen werden. Ferner ist es möglich, dass man zum Beispiel Beratungen und Tipps im Netz findet, wie man vermeiden kann, dass man als Scheinselbstständiger in Österreich betitelt wird und in jedem Fall eine reguläre Selbstständigkeit innehat.

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