Selbsterhalterstipendium in Österreich – Höhe, Voraussetzungen und Berechnung, Zuverdienstgrenze

Aus dem Berufsleben herauszutreten, um noch einmal eine Fortbildung zu absolvieren und die eigenen Berufschancen zu verbessern – bei vielen jungen Menschen ist es die finanzielle Situation, die eine berufliche Weiterentwicklung einfach nicht möglich macht.

In Österreich gibt es jedoch eine Möglichkeit, den Traum von einer Umschulung oder weiteren Ausbildung dennoch wahrwerden zu lassen und diese nennt sich Selbsterhaltungsstipendium.

Doch worum handelt es sich hierbei genau und welche Voraussetzungen müssen erfüllt werden bzw. wie viel Geld erhält man bei einem solchen Stipendien und können von einem solchen die Kosten des Alltags gedeckt werden?

Was genau ist ein Selbsterhaltungsstipendium?

Bei einem Selbsterhaltungsstipendium handelt es sich um eine finanzielle Unterstützung, die sogenannte SelbsterhalterInnen beantragen können.

Damit sind Personen gemeint, die bereits über vier Jahre hinweg selbst für ihren Unterhalt gesorgt haben und somit in den meisten Fällen bereits aktiv im Berufsleben standen.

Die Voraussetzungen, um als SelbsterhalterIn zu gelten sehen dabei vor, dass man zumindest über 48 Monate hinweg eigene Einkünfte erzielt hat, die die jährliche Grenze von mindestens € 7.272,- übertroffen haben. Von dieser Summe werden allerdings die Sonderausgaben, Werbungskostenpauschale sowie auch die Ausgaben für Sozialversicherung abgezogen.

Hat der Antragsteller einen Präsenz-oder Zivildienst abgeleistet, kann dieser ebenfalls in die 4 Jahre, die erreicht werden müssen, miteingerechnet werden.

Zudem werden auch andere Einkünfte wie zum Beispiel die Notstandshilfe, Kinderbetreuungsgeld oder die Arbeitslosenunterstützung bei der Berechnung des Anspruchs auf ein Selbsterhaltungsstipendium miteinbezogen und stellen somit keinen Hinderungsrund bei der Beantragung eines Stipendiums dar.

Hat der Antragsteller/die Antragstellerin jedoch Unterhaltsleistungen von den Eltern erhalten, so werden dies nicht zum Selbsterhalt gezählt.

Welche Voraussetzungen müssen sonst noch für die Erhaltung des Selbsterhalterstipendiums erfüllt werden?

  • Bei dem Antragsteller/bei der Antragstellerin handelt es sich um einen /eine ordentliche/r Student/Inn an einer österreichischen Universität, einer Fachhochschule oder einer Akademie
  • Der Antragsteller/die Antragstellerin absolviert eine Berufsausbildung bzw. möchte eine solche beginnen und hat bereits einen Ausbildungsvertrag eralten
  • bei außerordentliche StudentInnen ist die Zulassung für die Studienberechtigungsprüfung bereits vorhanden
  • der Antragsteller/die Antragstellerin darf noch keinen gleichwertigen Abschluss besitzen, eine Ausnahme können hier Doktorats-oder Masterstudiengänge darstellen
  • ein früherer Bezug von Studienbeihilfe darf nicht vorhanden sein
  • die österreichische Staatsbürgerschaft ist Voraussetzung
  • ein Studienerfolg muss erreicht werden
  • ein 2-maliger Studienwechsel ist erlaubt, muss jedoch spätestens nach Abschluss des 2. Semesters bzw. im 1. Ausbildungsjahr erfolgen

In welcher Höhe wird das Selbsterhalterstipendium gewährt?

Das Selbsterhaltungsstipendium wird maximal in einer Höhe von € 8.148,- pro Jahr ausbezahlt, wobei hier ein Erhöhungszuschlag von 12 % möglich ist. Monatlich erhält ein Antragsteller/eine Antragstellerin somit Teilbeträge von jeweils € 679,-. Sind bereits Kinder vorhanden, so erhöht sich diese Summe für jedes Kind um € 720 im Jahr. Das sind somit € 60 pro Monat.

Bezieht der jeweiligen Antragsteller, die Antragstellerin aufgrund des Alters noch Familienbeihilfe, wird dieser Betrag von der Summe des Selbsterhalterstipendiums abgezogen und auch Unterhaltsleistungen anderer Personen wie zum Beispiel der Eltern oder auch von Ehepartnern müssen berücksichtigt werden.

Wichtig: Die Ausbildung wählen und sich zu Stipendien und Unterstützungen informieren!

Wurde dem Antrag auf ein Selbsterhaltungsstipendium zugestimmt, kann der Bezieher die bereits bezahlten Studiengebühren Form eines Studienzuschusses zurückfordern und auch weitere Zuschüsse für Versicherungskosten, Fahrkosten oder auch für Auslandsaufenthalte können beantragt und in vielen Fällen auch gewährt werden.

Gibt es eine Altersgrenze für die Beantragung eines Selbsterhalterstipendiums?

Sollte man mit dem Gedanken spielen, ein Selbsterhalterstipendium zu beantragen, um eine Weiterbildung oder Fortbildung absolvieren zu können, muss man sich darüber im Klaren sein, dass das jeweilige Studium oder die Ausbildung vor dem Erreichen des 30. Lebensjahres begonnen werden muss.

Ausnahmen stellen jedoch Personen dar, die sich über einen längeren Zeitraum als die vorgeschriebenen 4 Jahre selbsterhalten haben.

In diesem Fall kann das Selbsterhaltungsstipendium je nach Länge des Selbstbehaltes bis zum 35 Lebensjahr beantragt werden.

Auch die Länge der Erziehung bzw. der Pflege der eigenen Kinder kann dazu führen, dass eine Anhebung der Altersgrenze zulässig ist. So werden pro Kind 2 zusätzliche Jahre angerechnet, aber auch hier ist die Grenze bei höchstens 5 Jahren erreicht.

Zusätzlich haben Menschen, die unter einer Behinderung von mindestens 50 % leiden das Recht, bis zum 35. Lebensjahr mit dem Studium zu beginnen und auch im Falle eines Masterstudiums kann auf diese Regelung zurückgegriffen werden.

Über welchen Zeitraum kann ein Selbsterhalterstipendium erhalten werden?

Grundsätzlich ist es möglich, dieses Stipendium von selbst erhalte über die gesamte vorgesehene Studiendauer zu erhalten. Zudem wird ein zusätzliches Toleranzsemester gewährt.

Ist das angestrebte Studium in mehrere Abschnitte unterteilt, so wird die Studienbeihilfe nur bei Erreichen des jeweiligen Abschnitts weiterhin gewährt, wenn der vorangegangene Abschnitt erfolgreich abgeschlossen werden konnte.

Sollte es während der Ausbildung bzw. des Studiums jedoch zu einer Krankheitsfall bzw. eine Schwangerschaft kommen, so kann die Bezugsdauer individuell angepasst bzw. in vielen Fällen auch verlängert werden.

Welcher Studienerfolg muss erreicht werden, um das Selbsterhalterstipendium zu bekommen?

Vor allem die ersten beiden Semester bzw. das erste Ausbildungsjahr ist maßgeblich dafür entscheidend, ob das Selbsterhalterstipendium weiterhin bezogen werden darf oder nicht.

Wird der geforderte Studienerfolg nämlich nicht erbracht, wird ein Antrag auf den weiteren Bezug häufig abgelehnt.

Hat man sich für ein Studium an einer Universität oder einer Fachhochschule entschieden, so muss ein positiver Erfolg über mindestens 14 Semesterstunden oder 30 ECTS-Punkte erbracht werden.

Kann dieses Ziel nicht erreicht werden, ist der Student/die Studentin zumindest dazu verpflichtet, einen Nachweis über die Erfüllung der Hälfte dieser Bedingungen zu erbringen, ansonsten kann die jeweilige Stipendienstelle eine Rückzahlung des bereits erhaltenen Geldes fordern. Kommt es hingegen zum Abbruch des Studiums im Zeitraum des ersten Semesters bzw. nach diesem, muss zumindest der Nachweis über 4 Semesterstunden oder 7 ECTS-Punkten erbracht werden, damit keine Rückzahlungsforderung erfolgt.

Handelt es sich bei der Studienrichtung um ein Fach, das nicht in Studienabschnitte untergliedert wurde, bzw. bei dem die Mindeststudienzeit 6 Semester beträgt, muss ein Erfolgsnachweis von 42 Semesterstunden oder 90 ECTS-Punkten erfolgen.

Bei einem Masterstudium sind hingegen nach Abschluss des 2. Semesters 10 Semesterstunden bzw. 20 ECTS-Punkte vorzubringen, während es im Doktoratsstudium nach einem Jahr sogar nur 6 Semesterstunden oder 12 ECTS-Punkte sind.

Welche Fristen müssen bei der Antragstellung eingehalten werden?

Um die Chance auf ein Selbsterhaltungsstipendium zu haben ist es wichtig, den Antrag auf ein solches mithilfe des richtigen Formulars rechtzeitig zu stellen.

Die benötigten Formulare können sowohl persönlich bei den verschiedenen Studienbeihilfen abgeholt werden bzw. sind auch auf der Homepage www.stipendium.at auszudrucken. Die Fristen liegen im Wintersemester zwischen dem 20. September und dem 15. Dezember, im Sommersemester zwischen dem 20. Februar und dem 15. Mai.

Wie hoch liegt die Zuverdienstgrenze beim Selbsterhaltungsstipendium?

Bei einem Selbsterhalterstipendium ist es möglich einen Zusatzverdienst von bis zu € 10.000 pro Jahr zu generieren, ohne dass die Höhe des Stipendiums davon beeinflusst wird.

Wichtig ist hierbei darauf zu achten, dass ausschließlich die Einkünfte pro Monat miteingerechnet werden, die zeitgleich mit dem Stipendienbezug erzielt wurden. Das ist vor allem für all jene Menschen wichtig, die zum Beispiel ihre Arbeitszeit reduziert haben, jedoch weiterhin in ihrem Beruf tätig sind.

Nach Ablauf eines Kalenderjahres berechnet die Stipendiumsstelle, ob die Zuverdienstgrenze überschritten wurde oder nicht. Ist das der Fall, kommt es zumeist zu einer Rückerstattungsforderung der bereits erhaltenen Zahlungen.

Fazit

Bei einem Selbsterhalterstipendium handelt es sich um die optimale Möglichkeit für Menschen, die bereits über 4 Jahre in einem Beruf tätig sind bzw. eigen Einkünfte erzielen, sich nun jedoch fortbilden möchten, ohne große finanzielle Einbußen in Kauf nehmen zu müssen. Auf diese Weise können nicht nur die beruflichen Chancen erhöht werden, auch der Wechsel in ein völlig neues Aufgabengebiet bzw. Berufsfeld ist möglich.

Artikel gefällt? Bitte bewerte diesen Beitrag.
1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (0,00/5 - 0 Bewertungen)
Loading...

Deine Meinung ist uns wichtig

*