Warum Smart Services & Smart Production die Produktion im Inland stärken

Produzierende Unternehmen können durch Smart Services die Abwanderung in Billiglohnländer verhindern – und die Produktqualität noch weiter verbessern. Wie das in der Praxis konkret funktioniert, erfuhr man bei der Veranstaltung „Smart Services goes Smart Production“ am 11. April 2018 im Smart Business Center.

Dieses fungiert als neue Plattform für Smart Services. Die Diskussionsveranstaltung machte das Trendthema greifbar und zeigte, wie Unternehmen – speziell auch KMU – von Kooperationen mit Hochschulen profitieren.

SFG

Egal ob Highend-Sportgerät, maßgefertigtes Möbelstück oder Luxus-Auto: Qualität hat ihren Preis und wenn diese die Anforderungen des Kunden erfüllt, zahlt er diesen Preis auch gerne. Durch die Digitalisierung eröffnen sich völlig neue Möglichkeiten für Unternehmen, die Qualität ihrer Produkte noch weiter zu erhöhen und das kostengünstig – Smart Services machen es möglich. „Wir können in Europa nur dann unsere Marktposition erhalten, wenn wir Smart Services nutzen.

So können wir qualitativ noch besser werden und uns gegen Billiglohnländer behaupten“, zeigt sich Oliver Hohnhold von Autforce überzeugt. „Smart Services bzw. die Digitalisierung bietet auch großes Potenzial, bestehende Produktionslinien zu verbessern und konkurrenzfähiger zu machen.“

Für Autforce ist die Industrie 4.0 gewissermaßen ein alter Hut, das Unternehmen bietet seit mehr als 10 Jahren individuelle Automatisierungslösungen an. Hohnhold war einer der Referenten bei der Veranstaltung „Smart Services goes Smart Production“ am 11. April 2018 im Smart Business Center (Kooperationsveranstaltung des Smart Business Centers mit der FH JOANNEUM).

Was versteht man unter Smart Services?

Hohnhold nennt ein Beispiel:

„Für uns sind Smart Services Leistungen, durch die wir unsere Produktion noch reibungsloser gestalten können. Also zum Beispiel smarte Instanthaltung, Infrastruktur oder IT-Services. Wenn in diesen Bereichen intelligente Lösungen zum Einsatz kommen, kann man Leerstände und Qualitätsmängel deutlich reduzieren.“

Neue Vernetzungsplattform für Smart Services Thomas Mrak, Leiter des Smart Business Centers, das seit Kurzem als Plattform für Smart Services agiert: „Mit unserer Plattform unterstützen wir Unternehmen dabei, die Potenziale von Smart Services für sich selbst zu nutzen – unter anderem durch Kooperationen mit Hochschulen.“ Es handelt sich um eine offene Plattform, an der Beteiligung Interessierte sind jederzeit willkommen.

  • Das in der Reininghausstraße in Graz angesiedelte Smart Business Center vernetzt produzierende Unternehmen mit Smart-Service-Experten sowohl auf universitärer als auch auf Unternehmensebene. Mrak bringt das Ziel auf den Punkt: „Smart Services verstehen, im eigenen Unternehmen umsetzen und dadurch seine Marktposition stärken.“

Zunehmend auch für kleine Unternehmen interessant Georg Wagner, Leiter des Instituts für Angewandte Produktionswissenschaften und der beiden Studiengänge „Produktionstechnik und Organisation“ und „Engineering and Production Management“ an der FH Joanneum, der ebenfalls als Referent mit dabei war:

„Das Ziel ist nicht, Menschen durch Roboter zu ersetzen, sondern beide gemeinsam arbeiten zu lassen. So können die Qualität verbessert, die Produktionskosten gesenkt und eine Abwanderung in Billiglohnländer verhindert werden. Die Systeme werden immer kostengünstiger und daher auch für kleine Unternehmen zunehmend interessant.“

Praxisbeispiel: Kooperation LOGICDATA und FH Joanneum

Das Unternehmen LOGICDATA entwickelt selbst „smarte Produkte“ – z.B. einen Arbeitsplatz, an dem sich Licht, Schreibtisch, Sessel etc. individuell und automatisch an den Benutzer anpassen, wenn er sich hinsetzt. Smart Services sind auch für LOGICDATA ein großes Thema, erläuterte Alexander Ketter, Teamleiter für Industrialisierung, im Zuge der Veranstaltung „Smart Services goes Smart Production“ und stellte dabei ein aktuelles Kooperationsprojekt mit der FH Joanneum vor.

  •  Ketter: „Wir kooperieren laufend mit dem Studiengang Produktionstechnik und Organisation. Dadurch kann man neue Aufgabenstellungen sehr detailliert untersuchen lassen, die für uns noch nicht ganz greifbar sind, aber für die Zukunft interessant scheinen.
  • Im Tagesgeschäft hat man dazu ja leider meist keine Ressourcen.“  Im Projekt iRobot hat die FH Joanneum für LOGICDATA untersucht, wie ein kollaboratives Roboter-Versuchs-System speziell für LOGICDATA aussehen könnte.
  • Getestet wurde, wie man kundenspezifische Anbauteile mit einer Roboterzeile montieren kann. „Nun wissen wir, wie wir den Einsatz von Robotersystemen für uns untersuchen könnten und was das Ganze kosten würde“, betont Ketter. „Vieles ist schon jetzt möglich, es braucht vor allem für hochflexible Produktionen aber sicher noch einiges an Forschungsarbeit. Vor allem werden teilweise die erforderlichen Robotik-Komponenten dafür noch nicht produziert.“

Benefit für Unternehmen Der Bachelorstudiengang „Produktionstechnik und Organisation“ ist ebenso wie der Masterstudiengang „Engineering and Production Management“ als dualer Studiengang organisiert – die Studierenden sind jeweils alternierend für 3 Monate an der Hochschule und dann wiederrum 3 Monate als reguläre Mitarbeiter in ihrem Ausbildungspartnerunternehmen.

Dazu Studiengangsleiter Wagner: „Unser Studierenden sind in unterschiedlichen Branchen tätig, so können wir die Erfahrungen auch auf andere Branchen übertragen. Davon profitieren die Unternehmen, für die wir Forschungsprojekte abwickeln, wesentlich.“

  • „Die Kooperation mit Hochschulen, aber auch die Services der SFG nehmen hier eine zentrale Rolle als Wissens-Hub ein“, zeigt sich Wagner überzeugt.

Über das Smart Business Center

Das in der Reininghausstraße 13 in Graz angesiedelte Center ist Initiator und Betreiber einer neuen Smart Service Plattform. Diese unterstützt steirische Unternehmen dabei, Smart Services besser zu verstehen, mit Smart-Service-Experten auf unternehmerischer und universitärer Ebene zu vernetzen und dadurch neue Geschäftsideen zu entwickeln und bestehende Marktpositionen bzw. Arbeitsplätze abzusichern.

Dazu werden u.a. Veranstaltungen organisiert, man beteiligt sich mit einem eigenen Standort an der Langen Nacht der Forschung, am 13. April 2018 etc.

Teil der ständig wachsenden Plattform sind neben dem Smart Business Center mit seinen rund 40 Mietern, die FH JOANNEUM, FH CAMPUS02, Aula x SPACE, Evolaris und Wirecard CEE.

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