Tageslicht am Arbeitsplatz: Diese gesetzlichen Regeln gelten in Östereich

Tageslicht tut den Augen und der Seele gut. Das Sonnenlicht erzeugt natürliche Farbwirkungen und ist nicht nur an Arbeitsplätzen mit diffizilen optischen Aufgabenstellungen gefragt. In vielen Fällen besteht sogar ein gesetzlich gesichertes Recht auf Tageslicht bei der Arbeit, wenn die Arbeitsabläufe nicht dagegensprechen!

In einer Dunkelkammer zur Entwicklung traditioneller Fotografien sind Sonnenstrahlen natürlich ein tabu, während im Büro und in der Werkhalle ruhig das Licht von außen hereinströmen darf. Und wenn das Tageslicht versiegt, ist eine ausreichend starke künstliche Beleuchtung gefragt, die den Bedürfnissen der Arbeitnehmer/innen entspricht.

Belichtung versus Beleuchtung: Was ist gemeint?

Im Gesetzestext ist das Wort „Belichtung“ verankert, das für den Tageslichteinfall steht. Die „Beleuchtung“ wiederum wird künstlich erzeugt, lässt sich aber ebenso wenig wegdenken wie das natürliche Sonnenlicht.

An kurzen Wintertagen und in stundenlangen Nachtschichten benötigen die arbeitenden Menschen ebenso viel Licht wie mitten am Tag im Sommer: Darum sind neben Fenstern und Lichtschächten auch die Lampen unabdinglich.

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Wichtig: Die optimale Einrichtung und Beleuchtung im Büro
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Belichtung: Diese Regeln gelten in Österreich

Der Gesetzgeber sorgt vor, damit die arbeitende Bevölkerung genügend gesundes Sonnenlicht erhält. Er bestimmt, dass die Gesamtfläche der Fenster, Lichtkuppeln und Oberlichte in österreichischen Arbeitsstätten mindestens 10 % der zur Verfügung stehenden Grundfläche betragen muss.

Und nicht nur das: Auch die Sichtverbindung nach draußen muss gewahrt bleiben, eine Fläche von mindestens 5 % der Grundfläche ist dafür reserviert. In dem Zusammenhang dürfte klar sein, dass eine Lichtkuppel sich nicht zum Rausschauen eignet, aber auch Glasdächer zählen nicht zu den Sichtverbindungen ins Freie. Die Belichtung des Raumes sollte möglichst gleichmäßig sein, nicht, dass der eine Mitarbeiter im hellen Sonnenlicht sitzt und der andere komplett im Dunkeln. Dies gilt natürlich auch für die weibliche Belegschaft.

Bei Lichtreflexionen ist eine Beschattung vorgeschrieben

Sollten störende Lichtreflexionen auftreten, so ist mit entsprechenden Beschattungsvorrichtungen Abhilfe zu schaffen. Nur so ist eine ungestörte, augenschonende Arbeit möglich. Zu den möglichen Sonnenschutzprodukten zählen zum Beispiel Jalousien, Raffstores und Rollos, aber auch Markisen.

Am besten eignen sich verstellbare Systeme, die je nach Bedarf Licht hereinströmen lassen, es gezielt dosieren oder vollständig aussperren. Automatische, elektrisch betriebene Anlagen mit entsprechender Sensortechnik sorgen für mehr Bequemlichkeit.

Tipp: Natürlich gibt es keine spezielle Vorschrift, wie die verwendete Beschattungsvorrichtung genau beschaffen sein muss, doch lohnt es sich, nach hochwertigen Produkten Ausschau zu halten, die sich in der Praxis bewähren und möglichst lange halten.

Ausnahmeregeln: In diesen Fällen benötigen Sie keine Belichtung

Auch die Ausnahmeregeln zum Gesetz möchten wir an dieser Stelle unter die Lupe nehmen, denn in manchen Fällen ist eine Belichtung tatsächlich unsinnig oder sogar unmöglich.

  • Nachtarbeit: Bei Räumlichkeiten, in denen ausschließlich zwischen 18 und 6 Uhr gearbeitet wird, erübrigt sich die Belichtung.
  • Belichtung stört: Wenn Tageslicht eindeutig die Arbeit stört, dann darf es natürlich draußen bleiben.
  • Keller und Garage: Auch bei Räumlichkeiten im Untergeschoss (unter Bodenniveau) oder in Garagen werden Ausnahmen gemacht.
  • Dichte Bebauung: Wer eine kulturelle Einrichtung oder eine Verkaufsstelle in dichter Bebauung betreibt, der darf sich hinsichtlich der Belichtung entspannen.
  • Kellerlokale: Auch bestimmte Gastlokale müssen nicht für Tageslicht und Sichtverbindungen nach draußen sorgen, zum Beispiel wenn es sich um eine Kellerbar handelt.
  • Technische Machbarkeit: In Flughäfen, Bahnhöfen und Einkaufspassagen wird auf die technische Machbarkeit geachtet: Was nicht geht, das geht nicht.
  • Kurzzeitnutzung: Wenn Räume mit zu wenig Tageslicht höchstens 2 Stunden pro Tag genutzt werden und für die weiteren Arbeitsstunden gut belichtete Räume zur Verfügung stehen, gibt es ebenfalls eine gesetzliche Erlaubnis.
  • Indirekte Belichtung: In einigen Fällen genügt es auch, wenn Sichtverbindungen und Lichteintrittszonen an umgebende, gesetzeskonforme Räumlichkeiten gekoppelt sind. Dies ist z.B. bei Kassenschaltern und Portierlogen der Fall.

Wenn Sie vermuten, dass Ihr Arbeitsplatz einer dieser Ausnahmereglungen zuzuordnen ist, dann empfehlen wir, dies mit dem zuständigen Sicherheitsmitarbeiter oder einem anderen Experten zu besprechen. Denn nur so erhalten Sie eine konkrete Basis für Ihr Handeln.

Auch die Beleuchtung ist gesetzlich geregelt

Da Tageslicht nicht rund um die Uhr zur Verfügung steht, regelt das österreichische Gesetz auch die Arbeitsplatzbeleuchtung. Menschen, die früh morgens, abends oder sogar nachts arbeiten, benötigen allein schon für Ihre Gesundheit ein hochwertiges Licht!

Eine wichtige Regel vorweg: Die künstliche Beleuchtung soll gleichmäßig, genügend hell und farbneutral sein, das heißt also, dass weder ein paar dunkle Funzeln noch gezieltes Spotlight oder gelbstichige Billiglampen genügen. Hier die genauen Regeln:

  • mindestens 100 Lux Beleuchtungsstärke auf 85 cm Höhe
  • Zusatzbeleuchtung direkt am Arbeitsplatz, wenn für die Sehaufgabe nötig
  • ausschließlich nicht blendende Zusatzlampen erlaubt
  • Zusatzlampen müssen Mindestfläche von 60 x 60 cm erhellen
  • augenschonende, einheitliche Lichtfarbe (warm-weiß oder neutral-weiß)

Tipp: Auf die Frage, wie viele Lampen Sie mit welcher Wattzahl benötigen, gibt es keine allgemeingültige Antwort. Dies hängt einfach zu stark von den örtlichen Gegebenheiten ab, zum Beispiel vom Grundriss des Raumes, der Möblierung und der Wandfarbe. Verwenden Sie ein Luxmeter, um die Beleuchtungsstärke zu messen und diese gegebenenfalls zu korrigieren!

Spezielle Beleuchtungsregeln für bestimmte Arbeitsplätze

Die geforderte Beleuchtungsstärke ist nicht überall gleich, an einigen Arbeitsplätzen muss es besonders hell sein, an anderen darf die Beleuchtung ruhig ein wenig schwächer ausfallen. Hier die wichtigsten Beispiele mit den zugehörigen Mindest-Luxstärken:

  • 1.500 Lux: Den Vogel in Sachen Beleuchtung schießen die Arbeitsplätze im Uhrmacher- und Optikerbereich ab. Laut ÖNORM EN 12464-1 sind hier mindestens 1.500 Lux gefragt! Auch andere Arbeiten mit sehr feinen Sehaufgaben fallen darunter.
  • 500 Lux: Direkt am Bildschirmarbeitsplatz für die Datenverarbeitung und in der Kassenzone von Verkaufsräumen sind 500 Lux gefragt. Das ist auch schon ziemlich hell – aber auf jeden Fall notwendig.
  • 300 Lux: An Büroarbeitsplätzen, die für einfache Seharbeiten vorgesehen sind, müssen nur 300 Lux Beleuchtungsstärke herrschen. Dies ist dann der Fall, wenn die Mitarbeiter dort beispielsweise hauptsächlich mit der Ablage oder dem Kopieren von Dokumenten befasst sind. Auch Verkaufsräume außerhalb der Kassenzone dürfen mit dieser Lux-Zahl ausgerüstet sein.

Tipp: Stellen Sie Displays immer quer zum Fenster auf, um Spiegelungen zu vermeiden. Schließlich soll die Sonne Ihnen bei der Arbeit behilflich sein – und nicht stören.

Diese Gesetze regeln die Belichtung und Beleuchtung an Arbeitsplätzen

Sie möchten die Verordnungen gern selbst sichten? Dann schauen Sie in der österreichischen Arbeitsstättenverordnung (AStV) nach und im ArbeitnehmerInnenschutzgesetz (ASchG).

Im letztgenannten Gesetz sind vor allem die Paragraphen 21 und 22 für Sie interessant. Die Bildschirmarbeitsverordnung (BS-V) gibt in Paragraph 6 genau darüber Auskunft, wie Büroarbeitsplätze beleuchtungstechnisch beschaffen sein sollten. Jetzt sind Sie gut versorgt mit sämtlichen Informationen!

Quellen:

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