Überregionaler Arbeitsmarkt Österreich & Deutschland

Weit weg von zu Hause arbeiten? Für viele Menschen unvorstellbar. Doch im Hinblick auf den Arbeitsmarkt bleibt für zahlreiche Fachkräfte nichts anderes übrig, als sich mit den Anforderungen auseinanderzusetzen, welche eine überregionale Vermittlung mit sich bringt.

Sind Österreicher mobil und bereit für Flexibilität?

In Österreich stehen rund 3 Millionen Menschen in einem Beschäftigungsverhältnis. Etwa ein Drittel davon besucht regelmäßig einen Arbeitsplatz, welcher sich außerhalb des Arbeitsmarktbezirkes befindet, in dem die Arbeitnehmer wohnhaft sind.

Wirft man einen Blick auf die einzelnen Bundesländer, so fällt auf: Angestellte aus Oberösterreich, dem Burgenland und Niederösterreich verlassen am häufigsten ihren Wohnbezirk, um den Arbeitsplatz aufzusuchen.

Weniger mobil sind dagegen Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen aus Wien. Dies ist darauf zurückzuführen, dass die Beschäftigungschancen in der österreichischen Hauptstadt als am besten einzuschätzen sind.

Die überregionale Jobsuche ist ein aktuelles Thema

Aus einer Befragung des Arbeitsmarktservice (AMS) geht jedoch hervor, dass die Hälfte der Arbeitslosen in Wien bereit ist, nicht nur außerhalb der Hauptstadt, sondern auch außerhalb des Landes zu arbeiten. Vorausgesetzt, dafür ist kein Wohnortwechsel erforderlich.

Überregionale Arbeiter sind vor allem in den Skihütten gefragt
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Diese Bereitschaft ist lediglich bei einem kleinen Teil der Wiener Arbeitslosen festzustellen. Gemäß § 9 des Arbeitslosenversicherungsgesetzes handelt es sich um eine zumutbare Beschäftigung, wenn der Arbeitsplatz in einer angemessenen Zeit erreichbar ist.

Das bedeutet: Zwei Stunden für den Hin- und Rückweg, sofern es sich um eine Vollzeitbeschäftigung handelt. Ebenso zumutbar ist die Beschäftigung, wenn es den Arbeitnehmer nicht möglich ist, täglich zum Wohnort zurückzukehren, aber sich eine angemessene Unterkunft in der Nähe des Arbeitsplatzes befindet, beziehungsweise zur Verfügung gestellt werden kann.

Eine Ausnahme bezieht sich auf die Betreuungspflichten, welche weder beeinträchtigt, noch verletzt werden dürfen. Und diese Betreuungspflichtenbetreffen nicht nur auf Kinder oder Pflegefälle in der Familie, sondern auch den Partner, beziehungsweise die Partnerin.

Überregionale Mobilität wird durch flexible Arbeitszeiten unterstützt

Je mehr die Arbeitszeiten flexibilisiert werden, umso positiver wirkt sich dies auf den Arbeitsmarkt aus. Ganz gleich, ob man als Österreicher in Deutschland oder als Deutscher in Österreich arbeiten möchte.

Flexible Arbeitszeiten stärken zunächst einmal die Wettbewerbsfähigkeit eines Betriebes und können bei guter Konjunktur häufig auftretender Auftragsspitzen behilflich sein.

Grundsätzlich gilt: Auftragsschwankungen welche sich aus flexiblen Arbeitszeiten ergeben, lassen sich leichter handhaben, als eine hohe Fluktuation, beziehungsweise den kurzfristigen Personal-Auf- und Abbau.

Die großen regionalen Unterschiede in Bezug auf Wien und westliche Bundesländer definieren die Mobilität als Schlüsselfaktor. Dabei können flexiblere Arbeitszeiten behilflich sein, indem mehr Freizeitblöcke geschaffen werden. Zum Beispiel mit einer Viertagewoche.

Und diese Regelung könnte bedeuten, dass arbeitslose Österreicher nicht nur zum Grenzgänger werden, sondern sogar größere Distanzen zum Arbeitsplatz zurücklegen. Damit dürften sich nicht nur umliegende Arbeitsregionen als attraktiv gestalten.

Flexiblere Arbeitszeiten könnten somit dafür sorgen, dass auch Bundesländer wie Berlin oder Sachsen in den Fokus des Bewerbungsprozesses rücken. Stellenangebote im Erzgebirge würden damit ebenso wie das Grenzpendeln, die Ambition hervorrufen, den Heimatbezirk zu verlassen und eine weitere Strecke zum Arbeitsplatz zurückzulegen.

Ausgebildete Fachkräfte fehlen in Deutschland und Österreich

Für den österreichischen Mittelstand wird der Fachkräftemangel immer bedrohlicher. Dies hat zur Folge, dass das Wachstum massiv gedämpft wird. Heimische Unternehmen müssen sich zunehmend mit den Schwierigkeiten konfrontieren, geeignetes Personal zu finden. Und dieses Risiko verschärft sich immer weiter: So stieg die Zahl im Jahr 2015 um drei Prozent an. Im Laufe der Zeit ist es Unternehmern noch nie so schwer gefallen, passende Fachkräfte zu rekrutieren.

2015 klagten 15 Prozent der Unternehmen über den Fachkräftemangel. Inzwischen hat sich die Zahl mehr als verdoppelt. Der Arbeitsmarkt ist buchstäblich leergefegt, was den einzelnen Unternehmen sehr viel Geld kostet.

56 Prozent der österreichischen Mittelständler beklagen Umsatzeinbußen, welche eindeutig auf den Mangel an Fachkräften zurückzuführen sind. Dabei verlieren 13 Prozent, also jedes achte Unternehmen, über 5 Prozent des Jahresumsatzes. Die Folgen sind vor allem im österreichischen Handel gravierend. 17 Prozent der ansässigen Händler müssen sich mit Umsatzeinbußen von mehr als 5 Prozent auseinandersetzen.

Zufluchtsort Deutschland: Österreicher zieht es in die Bundesrepublik

Deutschland zählt bei den Österreichern zum beliebtesten Auswanderungsland. Statistiken erfassten im Jahr 2015 knapp 180.000 Einwanderer aus dem Nachbarland.

Die meisten von ihnen zog es in den 70er Jahren nach Deutschland, um hierzulande einen adäquaten Job zu finden. Mit der Einführung von “Hartz IV” hat sich diese Zuwanderung jedoch reduziert. Seitdem siedelten viele Deutsche nach Österreich über, um dort zu jobben.

Typisch oder nicht, Fakt ist dass es vor allem Ostdeutsche in die zahlreichen Skihütten zieht, um dort im Rahmen der Saison Geld zu verdienen. Ein Rückblick auf die letzten 10 Jahre zeigt, dass die Zahl der deutschen Auswanderer von 91.000 auf 170.000 anstieg.

Dabei boomt die Wirtschaft und auch die Konsumbereitschaft ist erstaunlich hoch. Die Situation auf dem Arbeitsmarkt ist dennoch eingeschränkt. In unserem Nachbarland herrscht teilweise Vollbeschäftigung und gut ausgebildete Fachkräfte haben schon seit geraumer Zeit die Möglichkeit, sich ihren Arbeitgeber auszusuchen. Darunter leiden vor allem kleinere Unternehmen, welche mit börsennotierten und vor allem bekannteren Firmen konkurrieren und dadurch Schwierigkeiten haben, offene Stellen zu besetzen.

Das Ost-West-Gefälle als Problem in allen Bundesländern

Unabhängig vom Bundesland hat ganz Österreich massive Probleme damit geeignete Fachkräfte einzustellen, wobei sich ein stark ausgeprägtes Ost-West-Gefälle bemerkbar macht. In den östlichen Bundesländern Österreichs, verhält sich die Situation noch relativ entspannt. Wesentlich schwieriger gestaltet sich die Rekrutierung geeigneter Mitarbeiter in Städten wie:

  • Salzburg
  • Tirol
  • Vorarlberg

Daraus resultiert die Schwierigkeit, viele Stellen nicht besetzen zu können, was sich vor allem in der Produktion bemerkbar macht. In diesem Bereich gelten 56 Prozent der Stellen als unbesetzt. Im Hinblick auf Vertrieb und Marketing sind es immerhin noch 28 Prozent der zu besetzenden Stellen.

Jedes fünfte Unternehmen beklagt eine fehlende Leitung der technischen Bereiche. Da es in Österreich keinen Ort und keine Branche mehr gibt, welche vom Mangel an Fachkräften verschont wurde, heißt es erfinderisch werden.

Jedes Potenzial muss genutzt werden. Doch auch hier hapert es deutlich. Klassische Instrumente gelten ebenfalls als Faktor für die ausbleibende Mitarbeitergewinnung. Dazu setzen stolze 71 Prozent der Unternehmen auf Mundpropaganda. Immerhin 44 Prozent der Unternehmen haben inzwischen begriffen, wie wichtig Printmedien sind und 38 Prozent gehen mit der Zeit, um in sozialen Netzwerken auf sich aufmerksam zu machen.

Deutschland oder Österreich?

Geht es um die Frage nach einer geeigneten Beschäftigung, stehen sowohl Österreicher als auch Deutsche vor der Frage, in welchem Land es eher möglich ist, Fuß zu fassen. Im Interesse der Bundesagentur für Arbeit liegt vor allem die Vermittlung von Langzeitarbeitslosen.

Und dieses Vorhaben wird auch entsprechend finanziert. Wer bei der Bundesagentur für Arbeit gemeldet ist, wird im Rahmen der Jobvermittlung gefragt, wie es um soziale Verpflichtungen bestellt ist und ob der Umzug ins Ausland in Frage kommt. Dies soll den “Kunden” mit finanzieller Unterstützung schmackhaft gemacht werden. Beispielsweise mit einer Kostenübernahme für den Umzug und/oder einer Wiedereinstiegsleistung, welche im späteren Verlauf auf Raten an die Agentur zurückgezahlt werden kann.

Länderübergreifende Jobbörsen

Um dieses Ziel zu erreichen, sind sämtliche Jobbörsen und Vermittlungsagenturen nicht nur bundesweit, sondern auch länderübergreifend ausgerichtet.

Auf diese Weise können gut ausgebildete Fachkräfte gezielt nach Stellenausschreibungen in Österreich suchen. Dasselbe gilt auch für Österreicher, welche ambitioniert sind Ihren neuen Job in Deutschland anzutreten. Und dabei spielt es keine Rolle, welches Bundesland ins Auge gefasst werden soll. Denn Fachkräfte werden händeringend im gesamten Land gesucht.

Arbeitsplätze in Wien & dem umliegenden Ausland sind gefragt
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Das betrifft vor allem die IT-Branche. Systemadministratoren, Software-Entwickler, Informatiker und Industrie-Elektriker profitieren von der Möglichkeit, sich ihren Arbeitgeber aussuchen zu können. Dies haben viele Unternehmer inzwischen erkannt und handeln entsprechend: Wichtigstes Argument bei der Rekrutierung ist die Work-Life-Balance, welche Unternehmer in großem Stil garantieren. Aber auch flexible Arbeitszeiten sind wie bereits erwähnt, ein schlagkräftiges Argument, um im Konkurrenzkampf mit anderen Unternehmen mithalten zu können.

Arbeitsplätze der Zukunft schon heute Realität

Zahlreiche Fachkräfte bewerben sich nicht aus der Arbeitslosigkeit heraus. Sie blicken zum Teil auf langjährige Beschäftigungsverhältnisse zurück und bringen einen entsprechend ausgeprägten Erfahrungsschatz mit. Davon können Unternehmer nur profitieren, weshalb Bewerbungsgespräche nicht mehr auf klassisch-profane Weise ablaufen.

Galt es früher noch die eigene Person zu bewerben und den potentiellen neuen Arbeitgeber von seinem Können zu überzeugen, so setzen Personaler inzwischen alles daran, eine Liste schlagkräftiger Argumente Punkt für Punkt abzuarbeiten.

Es erweckt mittlerweile fast den Anschein, als würde sich das Unternehmen beim Arbeitssuchenden bewerben. Und nicht anders herum. Gesundheitsfördernde Maßnahmen stehen deshalb auf der Tagesordnung.

Bewerber werden auf die Vorzüge von kostenlosen Massagen, Gratis-Mitgliedschaften in Fitnessstudios oder Freibier im Lounge-Bereich hingewiesen. Und auch in puncto Equipment legen sich die Unternehmer ordentlich ins Zeug. Logisch!

Denn eine gut ausgebildete IT-Fachkraft wird man wohl kaum für das eigene Unternehmen gewinnen können, wenn ein 10 Jahre alter PC auf einem überschaubaren Schreibtisch im Rahmen eines Cubicals als Arbeitsplatz definiert wird.

Stattdessen gibt es keine festen Arbeitszeiten, Pausen wann und so lange man will, Unterhaltungsmedien wie zum Beispiel Spielekonsolen oder Liegestühle mit Laptop-Halterung für ultrabequemes Arbeiten. Getreu dem Motto: Wann du deine Arbeit machst, bleibt dir überlassen. Hauptsache, du machst sie. In Deutschland nimmt diese Firmenpolitik immer weiter zu, weshalb der Fachkräfte-Zuwachs aus Österreich nicht verwunderlich ist.

Auswandern ist dank Globalisierung zum Volkssport geworden

Heute ist es wahrlich kein Hürdenlauf, das Heimatland zu verlassen, um woanders Fuß zu fassen. Insbesondere unser Nachbarland gestaltet sich aufgrund der kaum vorhandenen Sprachbarrieren als prädestiniert. Viele Deutsche haben inzwischen einen Zweitwohnsitz in Österreich.

Wer sich rasch mit den von Bundesland zu Bundesland unterschiedlichen Dialekten vertraut macht, kann bereits die ersten Sprossen der Karriereleiter erklimmen. Und selbst wenn es nicht primär darum geht, eine ganze Abteilung zu leiten, so sind auch Quereinsteiger herzlich willkommen. Zahlreiche Call Center, Tankstellen, Textilgeschäfte, Supermärkte und Vertriebsagenturen sind auf der Suche nach arbeitswütigem Personal. Ob diese mit Mindestlohn und keineswegs flachen Hierarchien punkten können, bleibt jedoch zu bezweifeln.

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