Überstunden in Österreich – Bezahlung, Überstundenpauschale, Rechte

Im nachfolgenden Text geht es um Überstunden und die damit verbundenen Regelungen in Österreich.

Im Rahmen des Ratgebers wird dem Leser aufgezeigt, wie die Überstundenpauschale zu berechnen ist und unter anderem die Vergütung von Überstunden sowie die Grenzen der Überstundenarbeit aufgezeigt. Zu aller erst soll jedoch definiert werden, wann eine Überstundenarbeit überhaupt vorliegt.

Was sind Überstunden?

Wird die gesetzlich genehmigte Normalarbeitszeit von 40 Stunden pro Woche oder auch die tägliche Arbeitszeit von 8 Stunden überschritten, so liegt eine Überstundenarbeit vor.

Dementsprechend legt der Gesetzgeber fest, dass der Arbeitnehmer für die Leistung von Überstunden vergütet werden muss, doch mehr dazu mehr im nächsten Absatz.

Auch erwähnenswert ist hier, dass, wenn sich Gleitzeitguthaben übertragen lassen, das nicht als Überstunde gilt. Auch Zeitguthaben, die sich in die nachfolgende Durchrechnungsperiode übertragen lassen, sind nicht als Überstunden zu betrachten.

Gleiches gilt für die Mehrarbeit von Beschäftigten auf Teilzeit, denn hier liegen erst Überstunden vor, wenn die Normalarbeitszeit pro Woche beziehungsweise pro Tag überschritten wird.

Wichtig: Überstunden und Pausenzeiten notieren!

Vergütung von Überstunden

Der Gesetzgeber in Österreich schreibt vor, dass Arbeitnehmer für die Leistung von Überstunden bezahlt werden müssen. Allerdings ist es ebenso möglich, sobald zwischen Arbeitnehmer und –geber vereinbart, dass der Arbeitnehmer anstatt des Geldes für die Überstunden Freizeit erhält.

Überstunden in Form von Zeitausgleich erhalten

Mit anderen Worten kann sich der Arbeitnehmer, nach der Absprache mit dem Arbeitgeber, dann die geleisteten Überstunden in Freizeit gutschreiben lassen.

Auch ist es möglich, dass sich der Arbeitnehmer die Grundstunde normal bezahlen lässt und für den Zuschlag, der für die Leistung von Überstunden an denselben von Seiten des Arbeitgebers zu entrichten ist, einen Zeitausgleich erhält.

Wie bereits angemerkt ist dafür das Einverständnis von Arbeitgeber und –nehmer erforderlich. Dieses kann schriftlich aber auch mündlich vereinbart werden, sprich es bedarf nicht zwangsläufig eines schriftliches Vertrags. Auch die sogenannte „schlüssige“ Fixierung ist möglich. Das bedeutet, wenn der Arbeitnehmer zum Beispiel zwei Jahre stets einen Zeitausgleich für die geleisteten Überstunden vom Arbeitgeber erhalten hat, so hat dieser nicht die Möglichkeit von einem Moment auf den nächsten eine Bezahlung für die Überstunden zu verlangen.

Überstunden Vereinbarungen ändern

Soll die vereinbarte Regelung geändert werden, so sollte der Arbeitnehmer das Gespräch mit dem Arbeitgeber suchen und umgekehrt. Abschließend sei innerhalb dieses Absatzes noch angemerkt, dass, falls der Arbeitnehmer einen Anspruch auf Abgeltung beziehungsweise Vergütung der geleisteten Überstunden hat, sollte dieser unbedingt auf die Verfallsfristen achten.

Hier lohnt sich der Blick in den Dienst- oder Kollektivvertrag oder ein Nachfragen beim Arbeitgeber. Es empfiehlt sich dementsprechend, offene Überstunden so schnell wie möglich geltend zu machen, bevor die Ansprüche auf Grund der Verfallsfrist erlischt.

Es spielt übrigens keine Rolle, ob der Anspruch in Geld oder in Freizeit besteht. Im nächsten Abschnitt wird dem Leser aufgeführt, was Arbeitnehmer in Österreich pro geleisteter Überstunde vom Arbeitgeber erhalten.

Vergütung pro geleisteter Überstunde

Für die Leistung einer Überstunde ist in Österreich festgeschrieben beziehungsweise gesetzlich verankert, dass der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer einen Zuschlag von mindestens 50 % für jede erbrachte Überstunde zu zahlen hat.

Das gilt für die Vergütung von Überstunden mit Geld, wurde allerdings der Zeitausgleich vereinbart, so erhält der Arbeitnehmer pro Überstunde 1,5 Stunden Zeitausgleich, sprich Freizeit.

Für Arbeitnehmer lohnt sich desweiteren ein Blick in den jeweiligen Kollektivvertrag zu werfen, denn hier sind die Zuschläge für Sonntags-, Feiertags- und Nachtarbeit geregelt und im Normalfall höhere Zuschläge vorgesehen. Meist wird für die Arbeit an Sonn- und Feiertagen sowie in der Nacht ein Zuschlag von 100 % veranschlagt.

Sollte die Vereinbarung zwischen Arbeitgeber und –nehmer bestehen, dass geleistete Überstunden im Verhältnis 1 zu 1 zu vergüten sind, so ist dies verboten und automatisch ungültig.

Anspruch auf Überstundenzuschlag

Der Arbeitnehmer hat einen Anspruch auf den Überstundenzuschlag oder auf den Zeitausgleich. Hier sollten Zuschläge, die vorenthalten wurden, unbedingt nachgefordert werden, bevor diese verjähren. Im nachfolgenden Abschnitt wird dem Leser ein Überblick über die Grenzen für Überstunden gewährt.

Wie viele Überstunden dürfen vom Arbeitgeber überhaupt verlangt werden?

Besteht ein erhöhter Arbeitsbedarf, so ist die Erbringung von fünf Überstunden pro Woche vom österreichischem Gesetzgeber gestattet. Desweiteren ist es erlaubt, fünf weitere wöchentliche Überstunden zu leisten.

Insgesamt darf der Arbeitnehmer also zehn Überstunden pro Woche leisten, allerdings nur im Höchstmaß von 60 Stunden im Jahr. Die Arbeitszeit pro Tag darf außerdem die 10 Stunde Marke nicht überschreiten, die Überstunden sind hier mitinbegriffen.

Nichtsdestotrotz kann in Kollektivverträgen oder auch in Betriebsvereinbarungen vorgesehen sein, dass mehr Überstunden möglich sind. Innerhalb dieser Verträge und Vereinbarungen ist es jedoch möglich, dass die Normalarbeitzeit (pro Tag oder pro Woche) verlängert werden kann.

Ein Beispiel ist das Gastgewerbe, wo es zu weiteren zulässigen Überstunden kommen kann. Hier sollte sich der Arbeitnehmer genau bei dem Betriebsrat, der Arbeiterkammer oder auch seiner jeweiligen Fachgewerkschaft erkundigen.

Außerdem kann der Arbeitgeber, wenn auf Grund eines besonders dringenden Bedürfnisses an Arbeit beziehungsweise an Arbeitskräften besteht, einen Antrag beim Arbeitsinspektorat auf mehr zulässige Überstunden stellen. Für Arbeitnehmer ist wichtig, sicher zu sein, wann dieser Überstunden leistet und, ob diese innerhalb des gesetzlichen Rahmens überhaupt zulässig sind. Empfehlenswert ist es, dass Gespräch mit einem Rechtsberater der Arbeiterkammer zu suchen, um sich genau zu erkundigen und auf dem neuesten Stand zu sein. Eine Beratung in der Arbeiterkammer ist kostenlos.

Überstunden für Gleitzeitarbeit

Hat der Arbeitnehmer mit dem Arbeitgeber die Gleitzeit vereinbart und ein Gleitzeitguthaben ist vorhanden, so erhält der Arbeitnehmer keine Zuschläge, weil es sich nicht um Überstunden, sondern vielmehr um Normalarbeitszeit (in Gleitzeit) handelt.

Die Überstundenpauschale – Wissenswertes für Arbeitnehmer

Der Sinn und Zweck der Überstundenpauschale ist es, die sich durchschnittlich ergebenden Überstunden abzudecken. Das ist erforderlich beziehungsweise sinnvoll, wenn der Arbeitnehmer innerhalb eines längeren Zeitraums über Monate hinweg mehr Überstunden, als in der Pauschale vereinbart, geleistet hat, sprich die Pauschale die geleisteten Überstunden nicht abdeckt.

In diesem Fall muss der Arbeitnehmer mit zusätzlichem Geld und / oder Freizeit belohnt werden (je nach getroffener Absprache hinsichtlich entgeltlicher Vergütung oder Zeitausgleich oder die Kombination aus beiden).

Allerdings, besonders interessant für den Arbeitnehmer ist, dass, wenn durchschnittlich weniger Arbeitsstunden geleistet werden, keine Kürzung der Überstundenpauschale vorgenommen werden darf, denn die Pauschale ist fester Bestandteil des Entgelts.

Weitere Rechte des Arbeitnehmers

Viele Arbeitnehmer fragen sich, ob der Arbeitgeber sie dazu verpflichten kann, Überstunden zu leisten. Grundsätzlich ist diese Frage weder mit „ja“ noch mit „nein“ zu beantworten, denn hier kommt es ganz darauf an, welche Gründe schwerer wiegen. Hat der Arbeitnehmer beispielsweise einen Arzttermin oder ist für die Betreuung der Kinder zuständig und kann aus diesem Grund keine Überstunden leisten, so wiegt der Grund des Arbeitnehmers schwerer als das Interesse der Firma.

Hier ist je nach Einzelfall individuell abzuwiegen. Klar sollte dem Arbeitnehmer sein, dass Überstunden eigentlich eher die Ausnahme sein sollten und nicht die Regel.

Werden ständig Überstunden verlangt, so sollte der Arbeitgeber weitere Mitarbeiter zur Entlastung der anderen einstellen. Außerdem ist der Arbeitgeber dazu verpflichtet den Arbeitnehmer zu benachrichtigen, wenn Überstunden zu leisten sind.

Überstunden – Wie viel Steuer muss ich bezahlen?

Je nach bestimmten Voraussetzungen kann die Bezahlung von Überstunden auch steuerfrei erfolgen – Dies ist beispielsweise abhängig vom Jahreseinkommen.

Sollte das Jahresbruttoeinkommen nach dem Abzug der Sozialversicherungsbeträge die Summe von 11.000 Euro nicht übersteigen sind auch die enthaltenen Überstunden bzw. bezahlten Überstundenzuschläge steuerfrei. Sollte der Lohn höher als 11.000 Euro sein sind die ersten 10 Überstundenzuschläge im Monat steuerfrei. Für genaue Details zum Thema Steuern und Überstunden fragen Sie einen Steuerberater oder erkundigen Sie sich bei ihrem Betriebsrat.

Abschließender Tipp für Arbeitnehmer

Um wirklich genau kontrollieren zu können, ob der Arbeitgeber seiner Pflicht der Mehrvergütung von mindestens 50 % für Überstunden nachkommt, sollte der Arbeitnehmer unbedingt dokumentieren, wann Überstunden geleistet wurde.

Noch besser ist, wenn allgemein die Arbeitszeit sowie auch die Pausen aufgeschrieben werden, denn im Zweifelsfall, wenn es zu Streitigkeiten zwischen Arbeitgeber und –nehmer vor Gericht kommt, dient die Aufzeichnung der Arbeitszeit als Beweismittel.

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