Unternehmen gründen in Österreich – NeuFöG, Anleitung und Voraussetzungen

Jedes Jahr werden in Österreich viele Unternehmen gegründet, doch all das geschieht nicht ohne einen gewissen Risikofaktor. Es existiert kein allgemeingültiges Rezept, mit dem man garantiert ein Unternehmen schafft, das auf Dauer Bestand hat.

Zahlreiche Faktoren spielen hierbei eine Rolle. So kommt es beispielsweise nicht einzig auf die Persönlichkeit des Jungunternehmers an, sondern auch auf die Strategien und Motivation. Helfen lassen kann an sich bei der Unternehmensgründung von bestehenden Tipps im folgenden Ratgeber.

Grundsätzliche Überlegungen

Ein wichtiger Aspekt, der mit Überlegungen zur Selbständigkeit einhergeht, ist der Standort des Gewerbes, sofern es sich natürlich nicht um ein standortunabhängiges Geschäft handelt. Soll beispielsweise ein Laden oder eine Liegenschaft gemietet werden?

Wichtig: Lassen Sie sich umfassend beraten!

Vielleicht wäre sogar eine Pachtung oder ein Kauf sinnvoller? Solche und ähnliche Überlegungen sind zentral. Untrennbar mit dem Standort verbunden ist natürlich auch die Kundenstruktur. Welche Kunden kann man am jeweiligen Standort erreichen, wer sind überhaupt die potenziellen Kunden? Nicht selten passiert es, dass mit der falschen Standortauswahl eine Menge Potenzial verloren geht.

Ebenso entscheidend ist die Frage nach der Konkurrenz und den Mitbewerbern. Sind einige davon vorhanden, sollte man sie genau studieren. Doch auch anders herum kann die Fragestellung entscheidend sein. Gibt es beispielsweise keine Konkurrenz, so könnten dafür einschlägige Gründe vorliegen.

Einer der zentralen Punkte richtet die Aufmerksamkeit auf die Frage, was den Kunden am eigenen Unternehmen überzeugen soll. Allein hieran lässt sich eine saubere Abgrenzung zur Konkurrenz vornehmen.

Es ist wichtig, sich im Vorfeld der einen oder anderen Überlegung zu widmen und die Antworten genau zu analysieren. Ebenso kann es sinnvoll sein, Freunde und Bekannte mit einzubeziehen. Je mehr Meinungen und Sichtweisen vorhanden sind, umso besser ist es für das eigene Unternehmen.

Vor- und Nachteile in der Selbständigkeit

Die Selbständigkeit ist nicht für jeden geschaffen. Der wohl größte Vorteil ist, dass man sein eigener Chef ist. Doch dieser kommt nicht ohne eine ganze Reihe von Schwierigkeiten. So ergibt sich beispielsweise als 1-Mann-Betrieb nicht selten eine Arbeitszeit von bis zu 60 Stunden pro Woche.

Wichtig: Ihr Unternehmen genau planen und Ziele planen!

Das wiederum führt zur Belastung für die gesamte Familie. Schwierig wird es auch in Krankheitsfällen, da der Betrieb nicht wirklich aufrecht erhalten werden kann. Nicht selten kommt es auf diese Weise zu finanziellen Einbußen, weil Rückzahlungen, Sozialversicherungsbeiträge und Steuern permanent eingefordert werden.

Sehr empfehlenswert ist daher, eine Arbeitsausfallversicherung abzuschließen, um geringfügige Ausfälle abzufedern.

Findet die Arbeit nicht alleine, sondern im Team statt, so ist eine aufwendige Suche nach dem richtigen Personal vonnöten. Dieses ist nämlich nicht so einfach zu finden, schließlich hängt vom Personal auch direkt die Kundenzufriedenheit ab.

Lohnt sich eine Unternehmensgründung?

Hierbei handelt es sich um eine wichtige Frage, die nach Möglichkeit vor der Gründung beleuchtet werden sollte. Folgende Faktoren sind dabei zu berücksichtigen:

  • Wie verhalten sich Angebot und Nachfrage zueinander?
  • Steht man einer großen oder eher kleinen Konkurrenz gegenüber?
  • Unterliegt der Markt starken Schwankungen?
  • Können Prognosen für die Zukunft erstellt werden?
  • Existieren vielleicht Marktlücken mit großem Potenzial?
  • Welche Entwicklung gab es in den letzten Jahren?
  • Wie kann man sich von anderen Anbietern abheben?

Weitere Ratgeber zum Thema Gründen & Selbständigkeit im Förderportal

Wann liegt eine Neugründung vor?

Von einer Neugründung spricht man, sobald eine noch nicht vorhandene Betriebsstruktur durch die Neueröffnung eines gewerblichen, forst- und landwirtschaftlichen beziehungsweise einem selbständigen Erwerb dienenden Betriebs geschaffen wird. Dabei darf der neue Betriebsinhaber im Rahmen der letzten 5 Jahre nicht in ähnlicher Art beherrschend betrieblich tätig gewesen sein.

Es darf außerdem keine bloße Änderung in der Rechtsform bezüglich eines bereits vorhandenen Betriebs erfolgen, ebenso wenig wie ein Wechsel des Betriebsinhabers eines vorhandenen Betriebs durch entgeltliche oder auch unentgeltliche Betriebsübertragung.

 

Als Betriebsinhaber nach dem NeuFöG gelten zum einen Einzelunternehmer, aber auch Personengesellschaften oder Kapitalgesellschaften. Wichtig ist, dass die letzten beiden entweder zu mindestens 50 Prozent am Vermögen beteiligt sind oder aber zu mehr als 25 Prozent am Vermögen beteiligt und weiterhin mit der Geschäftsführung verbunden sind.

Bei der Neugründung wird jener Kalendermonat als Gründungsdatum festgesetzt, in welchem der Betriebsinhaber zum ersten Mal werbend in Erscheinung tritt sowie die für seinen Betrieb typischen Leistungen auf dem Markt anbietet.

Welche Voraussetzungen sind zu erfüllen?

Die allgemeinen Voraussetzungen für eine Neugründung in Österreich besagen, dass ein Mindestalter von 18 Jahren erfüllt sein muss, die österreichische beziehungsweise die EU-Staatsbürgerschaft zu bestehen hat und keine Konkurse oder Insolvenzfälle in der Insolvenzdatei aufscheinen dürfen.

Außerdem dürfen beim Gründer keine strafrechtlichen Verurteilungen vorliegen, die eine Freiheitsstrafe von 3 Monaten oder eine Geldstrafe von 180 Tagessätzen übersteigen.

Gibt es Unterstützung seitens der Wirtschaftskammer?

Kommt es zum ersten Gespräch mit der Wirtschaftskammer, so stehen vor allem gewerberechtliche Fragen im Fokus. Darüber hinaus bietet sie Informationen über die möglichen Auswirkungen der Selbständigkeit auf die Pensions-, die Kranken- und Unfallversicherung an.

NeuFöG Förderung in Österreich

Alle Neugründer erhalten außerdem die sogenannte NeuFöG-Bestätigung, sodass sämtliche Behörden auf die normalerweise vorzuschreibenden Gebühren verzichten. Zusammen mit dem Unternehmertraining und der Gründer-Akademie wird über das WIFI ein weit gefächertes Kursangebot für Jungunternehmer angeboten, das freiwillig vor der in Kraft tretenden Selbständigkeit beansprucht werden kann.

Quelle und Details: https://www.wko.at/service/steuern/neugruendungs-foerderungsgesetz-fuer-neugruender-faq.html

Wie viel Zeit ist für die Planung der Firmengründung einzuberechnen?

Die Zeitplanung hängt stark davon ab, in welchem Umfang man das Gewerbe künftig ausüben wird.

So wird das Gewerbe eines Warenpräsentators eher wenig Zeitaufwand benötigen, während die Planung für ein produzierendes Gewerbe allein schon wegen der anlagerechtlichen Genehmigungen bis zu einem Jahr oder darüber hinaus dauern kann.

Wie läuft die Finanzierung?

Wenn die Idee für eine Unternehmensgründung steht und die wichtigen Anforderungen erfüllt sind, so geht es an die Finanzierung. Doch nicht jeder verfügt über genug Startkapital. Hierzu gibt es Anlaufstellen in jedem österreichischen Bundesland, an die sich ein Unternehmensgründer wenden kann.

Eine Beratung oder bestimmte Informationen, die beispielsweise bei der Wirtschaftskammer oder beim Land selbst in Anspruch genommen werden können, sind hilfreich. Oftmals kann man als Jungunternehmer Förderungen oder Kredite beantragen, um den Traum vom Unternehmen zu realisieren.

Auf keinen Fall fehlen darf der Businessplan, was im Prinzip ein schriftliches Unternehmenskonzept darstellt. Darin sollten alle Schritte enthalten sein, die der Unternehmer für die Umsetzung der Geschäftsidee plant.

Welche Vorteile bietet ein Businessplan?

Fast alle Kapitalgeber bestehen auf den Businessplan, sodass er zum essenziellen Faktor für die Finanzierung wird. Beinhalten sollte er zum einen Visionen und Annahmen, aber auch Markteinschätzungen und Prognosen.

Mithilfe der so erarbeiteten Punkte werden die Realisierbarkeit, die Wirtschaftlichkeit und der Kundennutzen geprüft.
Sobald der Kapitalbedarf ermittelt wurde, kommt es zur Frage, in welchen Anteilen die Finanzierung läuft. Grundlegend gibt es verschiedene Wege:

  • Eigenkapital: Hierin enthalten sind Eigenleistungen, Eigenmitte, Business Angels, informelle Geldgeber, Börsengänge und Gewinnwertpapiere
  • Fremdkapital: Lieferantenkredite, Banken, Kundenanzahlungen
  • Alternative Finanzierungen: Factoring, Leasing
  • Förderungen: bundesweite Förderungen, Zuschüsse, Haftungsübernahmen, landesspezifische Förderungen

Wie meldet man sein Gewerbe an?

Wie das Gewerbe angemeldet werden muss, hängt vom Standort desselben ab, sodass die jeweilige Bezirksverwaltungsbehörde zuständig ist. Es handelt sich dabei um die Bezirkshauptmannschaft, das magistratische Bezirksamt oder das Magistrat. In einigen Fällen kommt es im Voraus sogar zur Unternehmensprüfung.

Sind bei der Anmeldung alle Voraussetzungen erfüllt, hindert einen nichts mehr am sofortigen Arbeitsbeginn.

Bei wenigen speziellen Gewerben darf allerdings erst begonnen werden, sobald ein rechtskräftiger Erteilungsbescheid existiert. Die Anmeldung des Gewerbes muss grundsätzlich die folgenden Punkte erfüllen:

  • persönliche Angaben: Name, Geburtsdatum, Staatsangehörigkeit, Wohnort
  • exakte Bezeichnung des Gewerbes
  • Standort

Ebenso ist es wichtig, die nötigen Unterlagen einzureichen, welche in die Unternehmensarten gegliedert sind. So werden für ein Einzelunternehmen der Reisepass, die Heirats- bzw. Scheidungsurkunde, Erklärung über das Nichtvorhandensein von Gewerbe-Ausschlussgründen, Zeugnisse über akademische Grade, ein Befähigungsnachweis und die NeuFöG-Bestätigung von der Wirtschaftskammer benötigt.

Für Gesellschaften ist es wichtig, einen Firmenbuchauszug und eine Erklärung zur Bestellung eines gewerberechtlichen Leiters einzureichen. Als gewerberechtlicher Geschäftsführer müssen ebenfalls der Reisepass, die Heirats- oder Scheidungsurkunde und der Befähigungsausweis vorliegen.

Tipps zur Versicherung – Wie sollte ich mein Unternehmen versichern?

Ein Einzelunternehmer, der gewerblich tätig ist, ist aufgrund dessen Mitglied der Wirtschaftskammer und daher GSVG-versichert. Die GSVG ist eine Pflichtversicherung, die nach dem gewerblichen Sozialversicherungsgesetz im Rahmen der Sozialversicherungsanstalt in Kraft tritt.

Sollte ein Unternehmer nicht Mitglied der Wirtschaftskammer sein, so ist er, je nach Höhe des Einkommens, ebenfalls nach dem GSVG versichert. Der Umfang der Versicherung umfasst dabei die Unfall-, Kranken- und Pensionsversicherung. Bemessen werden die Sozialversicherungsbeiträge am jeweils erzielten Einkommen im Kalenderjahr. GSVG-Pflichtversicherte haben grundsätzlich keine Arbeitslosenversicherung, können diese aber freiwillig hinzufügen.

Das Gewerbe für juristische Personen und Gesellschaften

Welche Rechtsform eine Gesellschaft nach sich zieht, ist erst einmal unwichtig, notwendig wird ein entsprechender Auszug aus dem Firmenbuch sowieso. Diesen kann man beispielsweise über die Gewerbebehörde beantragen, wobei dort nicht selten eine Rechnung in Gebühr gestellt wird. Als juristische Person hat man bei der Anmeldung des Gewerbes den Nachweis für dessen Bestehen beizulegen. Vereine regeln das über ihr Vereinsregister, Genossenschaft müssen sich ebenfalls des Firmenbuchs bedienen.

Wenn man eine Gesellschaft oder eine juristische Person anmeldet, wird ein gewerbeberechtigter Gesellschafter notwendig. Dieser hat die Aufgabe, Personaldokumente vorzulegen und eine Anordnungsbefugnis beziehungsweise eine Einverständniserklärung in schriftlicher Form vorzuzeigen.

Sollte der Geschäftsführer im Angestelltenverhältnis zu der Gesellschaft stehen, braucht er bei seiner Anmeldung ebenfalls eine Anmeldebestätigung von der zuständigen Gebietskrankenkasse. Bei dieser Behörde kann man von einer Frist von drei Monaten ausgehen, während welcher alle Schriftstücke und Dokumente eingetroffen sein müssen. Dementsprechend kommt der Behörde auch die Pflicht zu, den Gewerbetreibenden oder den Geschäftsführer rechtzeitig zu informieren.

Welche Unternehmensform ist die beste?

Die Entscheidung, ein Unternehmen zu gründen, ist keine leichtfertige. Ohne guten Businessplan und Durchblick gerät selbst die beste Idee ins Wanken. Doch oftmals fehlt nicht nur das Know-how, sondern auch der Ehrgeiz.

Allzu schnell ist man als Einzelperson überfordert und gibt auf, ehe das Projekt überhaupt begonnen hat. Leichter wird es bereits mit einem Geschäftspartner. Denn so lassen sich die Kompetenzen und die Verantwortung fair verteilen, um gemeinsam an einem Strang zu ziehen.

Demgegenüber gibt es Unternehmer, die sich nur ungern in die Karten schauen lassen und ihre Idee daher alleine verwirklichen wollen. Zwar ist das auch völlig legitim, nur sollte man sich hierzu im Voraus Gedanken machen. Tatsächlich ist das eine zentrale Fragestellung und beide Wege, sofern sie gut und vernünftig umgesetzt werden, haben ihre Vorteile.

Ein Einzelunternehmen eignet sich für Menschen, die erfahrungsgemäß eher alleine arbeiten und sehr perfektionistisch veranlagt sind. So haben sie freie Hand und müssen sich nicht mit Partnern absprechen.

Weiterhin können sich davon ausgehen, dass die Arbeit zu ihrer Zufriedenheit erledigt wird, da sie sie zum großen Teil selbst verwirklichen. Ebenso geht der Verdienst vollständig an einen selbst und muss nicht geteilt werden. Auch die Ausgaben sowie die Planung sind bei Einzelunternehmen meist geringer und einfacher.

Eine Gesellschaft hingegen bietet den klaren Vorteil, dass man die ganze Arbeit nicht allein bewältigen muss, wodurch man zeitlich viel flexibler agieren kann. Weiterhin wird es finanziell leichter sein, das nötige Kapital für die Unternehmensgründung aufzubringen.

Durch die gemeinsame Zusammenarbeit wird es möglich, Kompetenzen, die einem selbst fehlen, durch eine weitere Person auszugleichen. So kann nicht jeder, der gute Ideen hat, sie auch entsprechend umsetzen. Umgekehrt gibt es wirtschaftlich versierte Menschen, die für praktische Aufgaben eher wenig geeignet sind. In Österreich genügt es beispielsweise, wenn nur einer der Partner über eine Gewerbeberechtigung verfügt, was bei der Firmenbucheintragung entsprechend vermerkt wird.

Auch die Entscheidungsfindung kann einfacher vonstattengehen, wenn man nicht alleine dafür verantwortlich ist, sondern sich gemeinsam im Betrieb beraten kann. Durch die verschiedenen Standpunkte wird erst deutlich, wie bestimmte Chancen oder eine Geschäftssituation richtig einzuschätzen sind.

Neben all den Vorteilen dieser Unternehmensformen stehen natürlich auch die Nachteile, die man berücksichtigen sollte. So ist man als Einzelunternehmer zwar völlig unabhängig, trägt allerdings auch die gesamte Verantwortung.

Gerade in finanzieller Hinsicht kann das schiefgehen, schließlich haftet man unbeschränkt mit seinem Privatvermögen für die Unternehmensschulden. Eine berufliche Pleite wird damit automatisch auch zur privaten.

Im Gegensatz zu einer Gesellschaft fehlt die nötige Kontrollinstanz, sodass Schlimmeres teilweise nicht mehr verhindert werden kann. Aber nicht nur finanziell, sondern auch zeitlich ist man sehr unflexibel. Bereits eine längere Erkrankung kann zum Stillstand und somit zu erheblichen Einbußen führen. Solange niemand arbeitet, kommt logischerweise auch kein Geld herein.

Bei Gesellschaften sieht es etwas anders aus. So schafft man sich dort einfacher zeitliche Freiräume und kann, falls nötig, füreinander einspringen. Allerdings wird man sich auch bei allen anderen Belangen, wie zum Beispiel Investitionen oder Vertragsabschlüssen, mit seinem Geschäftspartner absprechen müssen. Folglich ist man in seinen Handlungen immer an die Beteiligung und Entscheidung der anderen Person gebunden. Das schränkt die Unabhängigkeit stark ein. Durch jede weitere beteiligte Person entsteht außerdem ein Konfliktpotenzial. Schon häufig hat das Umsetzen einer gemeinsamen Idee zu Streit geführt und Freundschaften zerstört.

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