Weltfrauentag Checkliste – Vier Geld Regeln für Konsumentinnen

„Traditionelle Rollenbilder“ sind in Familien hierzulande nach wie vor eher die Regel als die Ausnahme. Diese Tatsache bringt mit sich, dass Frauen, die in Beziehungen leben, Geld-Angelegenheiten oft ihren männlichen Partnern überlassen.

Da der Mann großteils auch der Hauptverdiener im Haushalt ist, geraten viele Frauen im Fall einer Trennung oder eines Schicksalsschlags in finanzielle Schwierigkeiten, weil sie sich nie eingehend mit dem Thema Geld beschäftigt haben.

Sie können dann ihren gewohnten Lebensstandard alleine – schon aufgrund des oftmals geringeren Einkommens – nicht halten. Der Österreichische Verband Financial Planners appelliert anlässlich des Weltfrauentags an alle Konsumentinnen, sich stärker mit ihren Finanzen auseinanderzusetzen.

Wien, am 27.02.2019.

Der 8. März steht weltweit ganz im Zeichen der Frauen. Aus diesem Anlass möchte der Österreichische Verband Financial Planners darauf aufmerksam machen, dass Frauen Geld-Angelegenheiten nach wie vor viel zu oft anderen überlassen, anstatt sich eigenständig und selbstbewusst ihren Finanzen zu widmen. Die folgenden vier „Geld-Regeln“ sollen Frauen dabei unterstützen:

I) Dem Thema Geld mehr Bedeutung zumessen

So trivial es auch klingt: Sich einmal mit den eigenen Finanzen auseinanderzusetzen, ist das erste und oberste Gebot, ist Sonja Ebhart-Pfeiffer, Vorstandsmitglied des Österreichischen Verbands Financial Planners, überzeugt.

Und die Expertin spricht aus Erfahrung, ist sie doch hauptberuflich als Senior Financial Consultant beim Finanzdienstleister Finum im Einsatz. „Letztendlich geht es vor allem darum, Verantwortung für sich selbst zu übernehmen.

In meiner beruflichen Praxis muss ich manchmal beobachten, dass Frauen im Fall einer Trennung von ihrem Partner ohne finanzielle Reserven und ohne jeglichen Überblick dastehen. Ganz abgesehen von der psychischen Belastung, der sie in dieser Situation ausgesetzt sind, kommen die Frauen dann auch noch in grobe finanzielle Schwierigkeiten“, so Ebhart-Pfeiffer.

Unabhängig davon, in welcher Lebens- oder Familiensituation sie sich aktuell auch befinden, sollten Frauen unbedingt konkrete Schritte in Richtung finanzielle Unabhängigkeit unternehmen.

Dazu gehören zuallererst die Erhebung der finanziellen Ist-Situation, die Erstellung eines finanziellen Lebensplans, der auch unangenehme Eventualitäten nicht ausklammert, und das Beiseitelegen eines fixen monatlichen Sparbetrags.

Ebhart Pfeiffer

Ebhart Pfeiffer

II) Den „Baby-Rucksack“ nicht alleine schultern

Für viele Paare wird das gemeinsame Glück erst durch den eigenen Nachwuchs perfekt. „Frauen müssen sich jedoch der Tatsache bewusst sein, dass sie dieses Glück mit Blick auf die eigene Pension recht teuer bezahlen, und das im wahrsten Sinne des Wortes“, so Sonja Ebhart-Pfeiffer.

Die Finanzexpertin spielt mit dieser Aussage darauf an, dass viele Frauen zwar wieder ins Berufsleben einsteigen, sobald die Kinder etwas größer sind, dann aber meist nur teilzeitbeschäftigt sind, was ein Riesenloch in die Pension reißt.

Neben der Anzahl an Berufsjahren ist nämlich auch die Höhe des Einkommens für die gesetzliche Pension relevant. Darüber hinaus werden – oft schon mit Eintritt der Schwangerschaft – alle laufenden Sparpläne in die Altersvorsorge gestoppt. „Ein großer Fehler“, so die Expertin, die in diesem Zusammenhang auch mehr Solidarität von den Männern einfordert: „Hier muss man auch die Väter der Kinder in die Verantwortung nehmen. Sie müssen innerhalb der Familie einen Ausgleich schaffen und die Altersvorsorge-Sparpläne ihrer Frauen übernehmen.

Sollte der finanzielle Rahmen dies nicht ermöglichen, darf nicht einfach die Pensionsvorsorge der Frau eingestellt werden, sondern beide Pensionsvorsorgen zurückgefahren werden.“ Weiters gibt es auch die Möglichkeit, in der gesetzlichen Pensionsvorsorge ein sogenanntes Pensionssplitting zu beantragen.

Wenn der Mann erwerbstätig ist und der Frau die Betreuung der gemeinsamen Kinder obliegt, kann ein freiwilliges Splitting für die ersten vier Lebensjahre des Kindes vereinbart werden. Die Frau erhält dann eine Gutschrift von ihrem Partner, die ihre eigene Pension erhöht. Das Pensionssplitting muss bis zum vollendeten siebenten Lebensjahr des Kindes beantragt werden.

III) Mehr Entscheidungsfreudigkeit und Selbstbewusstsein an den Tag legen

Viele Frauen sind in Geld-Angelegenheiten zu wenig entscheidungsfreudig und selbstbewusst, weiß Sonja Ebhart-Pfeiffer aus der täglichen Praxis: „Es kommt oft vor, dass Frauen, zwar über ihren Schatten springen und zur Beratung kommen, dann aber keine Entscheidungen treffen. Sie trauen sich nicht, Geld zu veranlagen und langfristig zu sparen. Man könnte ja schließlich vorübergehend arbeitslos werden oder das Geld kurzfristig für etwas anderes brauchen.“

In diesem Zusammenhang läge es dann nicht zuletzt am Berater, Bewusstseinsbildung zu betreiben. „Mehr Selbstvertrauen würde vielen Frauen jedoch auch beim Thema Gehalt gut zu Gesicht stehen“, ist das Vorstandmitglied des Österreichischen Verbands Financial Planners überzeugt. In puncto Job rät sie anderen Frauen schlichtweg, öfter aktiv nach Gehaltserhöhungen zu fragen und etwaige finanziell lukrative Angebote nicht grundsätzlich zugunsten des aktuellen, vermeintlich sicheren Arbeitsplatzes abzulehnen.

IV) Kalkulierbare Risiken eingehen

Frauen sind bei ihren Anlageentscheidungen deutlich konservativer als männliche Investoren, das belegen auch zahlreiche Studien.

„Ein risikoaverses Anlageverhalten ist per se noch nichts Schlechtes. In einer extremen Ausprägung führt es jedoch dazu, dass nur sehr niedrige Erträge erwirtschaftet werden, was einer inflationsbedingten Geldvernichtung gleichkommt“, so Ebhart-Pfeiffer.

„Auch Frauen müssen sich trauen, Veranlagungen abseits des Sparbuchs zu tätigen und auch etwas mehr Risiko in Kauf zu nehmen. Das bedeutet nicht zwingend, hochriskante Investments einzugehen. Jede Frau sollte gemeinsam mit ihrer Beraterin oder ihrem Berater eine Strategie finden, die zu ihr und ihren finanziellen Zielen und Verhältnissen passt“, resümiert die Expertin.

FACTBOX: ÖSTERREICHISCHER VERBAND FINANCIAL PLANNERS

Österreichischer Verband Financial Planners wurde im Jahr 2001 mit dem Ziel ins Leben gerufen, zum Wohle der Öffentlichkeit höchste Beratungsstandards für Finanzdienstleister in Österreich zu etablieren und zu fördern. Gründungsmitglieder waren damals neben Professor Otto Lucius, derzeit Vorstandsmitglied des Verbandes, unter anderem hochrangige Vertreter der heimischen Finanzbranche wie etwa Dr. Ruth Iwonski-Bozo, KR Heinrich Spängler, oder Mag. Wolfgang Traindl.

Der Mittelpunkt der Tätigkeit der gemeinnützigen Organisation, die in der Rechtsform eines Vereins konstituiert ist, ist neben der Finanzbildung die Zertifizierung von Finanzexperten zum CERTIFIED FINANCIAL PLANNER™, kurz CFP®.

Der internationale CFP-Standard hat sich mittlerweile auch in Österreich als Benchmark für fundierte und umfassende Finanzberatung etabliert. Berater, die das CFP-Gütesiegel tragen, haben nicht nur eine umfassende Ausbildung absolviert und kommissionelle Prüfungen abgelegt, sondern sich auch einem strengen Ehrenkodex unterworfen und zu ständiger Weiterbildung verpflichtet.

Eine Liste aller heimischen CFP-Zertifikatsträger kann auf der Website des Verbandes (www.cfp.at) abgerufen werden. Daneben gibt es noch die Zertifizierung zum EFA® European Financial Advisor® und jetzt neu den EIP® European Investment Practitioner®.

Nicht zuletzt schätzt die Finanzmarktaufsicht die Arbeit des Verbandes. FMA-Vorstand Helmut Ettl schloss seine Rede anlässlich der 10 Jahre-Jubiläumsfeier des Verbandes etwa mit den Worten: “Das ist Aus- und Weiterbildung, wie wir sie uns vorstellen.“

Die fördernden Mitglieder des Verbandes, der im FPSB Council des Financial Planning Standards Board Ltd. und im EFPA Europe Board of Directors die Interessen Österreichs vertritt, sind aktuell die Alpenbank Innsbruck, die Bank Gutmann, die Erste Bank der österreichischen Sparkassen, FiNUM Private Finance, Raiffeisen Campus, der Raiffeisenverband Salzburg, die Raiffeisen Kapitalanlage GmbH, die Sparkasse NÖ Mitte West, die Schoellerbank, UBS Wealth Management Österreich und die UniCredit Bank Austria.

CFP® is a registered trademark in Austria and EU. This mark together with CERTIFIED FINANCIAL PLANNERTM and are marks owned and used by Financial Planning Standards Board globally (except the U.S.). Österreichischer Verband Financial Planners is the marks licensing authority for the CFP marks in Austria, through agreement with FPSB.

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