Wie kalkuliere ich meinen Stundensatz als Selbständiger? – Stundenlohn berechnen

Grundsätzlich ist es für viele Menschen ein Traum, sich selbstständig zu machen, ein eigenes Unternehmen zu führen und dadurch frei und flexibel in Bezug auf unternehmerische Entscheidungen und auf die Planung der eigenen Arbeitszeiten zu sein.

Gerade moderne Agenturen und Startups greifen häufig auf Freelancer zurück, wenn diese kurzfristig bei umfangreichen Projekten Unterstützung benötigen, die nicht mit dem Pool der fest angestellten Mitarbeiter abgedeckt werden kann. Gerade die kreative Branche und der Bereich IT sind bei Selbstständigen gefragte Arbeitsbereiche.

Speziell Software-Ingenieure, Fachkräfte im Bereich IT-Prozesse und Servicemanagement und Entwickler werden händeringend in Österreich gesucht. Gerade der in diesen Branchen vorherrschende Mangel an Fachkräften und die derzeit bestehende gute Auftragslage haben zur Folge, dass die Nachfrage nach Freelancern sehr groß ist und die Verdienstmöglichkeiten für die Selbstständigen überdurchschnittlich hoch ausfallen.

Wichtig: Beim Thema Stundensatz beraten lassen!

Bei der Berechnung des eigenen Stundenlohns und des eigenen Stundensatzes tun sich viele, besonders junge und unerfahrene, Selbstständige schwer. Dies hat den Grund, dass oftmals Vergleichswerte fehlen und die Selbstständigen sich nicht „unter Wert verkaufen möchten“. Auf der anderen Seite wissen die Freelancer natürlich, dass zu hoch angesetzte Stundensätze abschreckend auf mögliche Auftraggeber wirken und somit die Vertragsvergabe, auch in der Zukunft, gefährden könnten.

Die Berechnung des Stundensatzes/Stundenlohn berechnen

Völlig unabhängig von der jeweiligen Branche kommen Freelancer nicht umhin, ihren Stundenlohn zu errechnen und die eigene Karriere auf diese Weise langfristig voranzutreiben und zu planen. Hierzu ist es besonders ratsam, vorab eine gründliche Vorrecherche durchzuführen.

Freelancer sollten sich dabei insbesondere einen Überblick darüber verschaffen, wie die aktuelle Marktlage in ihrer Branche ist und wie viel andere Freelancer in ihrem Bereich mit den gleichen oder den ähnlichen beruflichen Qualifikationen verdienen.

In ihrer Kalkulation sollten Freelancer auch unbedingt ihre individuellen Fixkosten einbeziehen. So sind Selbstständige mit vielen Ausgaben konfrontiert, die auf die Selbstständigkeit basieren. Bei Angestellten sind diese Zusatzkosten hingegen bereits über die Lohnsteuer abgedeckt.

Selbstständige in Österreich müssen in der Regel ihre Krankenkassen-, Renten- und Arbeitslosenversicherungsbeiträge selbst zahlen. Auch mögliche Zusatzausgaben für einen guten Rechtsschutz fallen an. Der Abschluss einer zuverlässigen Rechtsschutzversicherung ist den Selbstständigen schon deshalb zu empfehlen, um sich gegen mögliche Haftungsansprüche von Kunden oder Auftraggebern zu schützen.

Des weiten müssen mögliche Reisekosten und Kosten für einen Steuerberater zu jedem Zeitpunkt abgedeckt werden können. Während Auftragspausen und beispielsweise im Falle einer längeren Krankheit verdienen Selbstständige in Österreich praktisch nichts. Solche finanziellen Engpässe können nur durch ein konsequentes Sparen während der erfolgreichen Zeiten überbrückt werden. Aus diesem Grund sollte die Position „Sparen“ bei Freelancern immer als feste Fixkostenposition einberechnet werden. Zu den weiteren regelmäßigen Kosten eines Selbstständigen gehören Raummieten und Akquise- und Werbekosten. Die Akquise- und Werbekosten gelten dabei primär als Investitionskosten.

Die Stundelöhne von Selbstständigen in Österreich sollten laut Expertenmeinung immer realistisch berechnet werden. Nicht mit allen Arbeitsstunden können Selbstständige Geld verdienen. So gibt es Zeiten, in denen die Selbstständigen nur Akquise betreiben oder sich weiterbilden und in der Folge nichts verdienen.

Anfänger sollten bei der Kalkulation ihres Stundensatzes hier mit 25 bis 50 % planen. Das bedeutet, dass jede vierte bis jede zweite Arbeitsstunde nicht vergütet wird. Lediglich erfahrene Freelancer kommen auf bis zu 75 % Auslastung.

Viele Selbstständige tun sich sehr schwer damit, ihre jährlichen Arbeitstage zu kalkulieren und rechnen mit 300 Arbeitstagen pro Jahr. Dies ist eine grobe Fehleinschätzung: Der Jahresurlaub, Wochenenden und im Durchschnitt 18 Krankheitstage pro Jahr haben zur Folge, dass die tatsächliche Anzahl der Arbeitstage pro Jahr „nur“ rund 220 Tage beträgt.

Auf Urlaub zu verzichten oder die Wochenenden durchzuarbeiten, steht natürlich jedem Freelancer frei. Gerade jedoch, wenn eine Familie vorhanden ist oder die Selbstständigen schon etwas älter sind, sollte unbedingt mit dem realistischen Wert von 220 Arbeitstagen pro Jahr kalkuliert werden.

Gibt es einen konkreten Stundenlohn, der angesetzt werden kann?

Für Selbstständige in Österreich gibt es, obwohl dies natürlich die Kalkulation des Stundensatzes enorm vereinfachen würde, leider keinen konkreten Stundensatz, der als Richtwert benannt werden kann.

Die Höhe des Stundesatzes wird stets dadurch bestimmt, in welcher Branche die Selbstständigkeit ausgeführt wird und ob in dieser Branche eher viel oder eher wenig gezahlt wird. Auch die hiesige Auftragslage und die eigene angebotene Dienstleistung und deren Qualität entscheiden über die individuelle Kosten- und Auslastungskalkulation. Fakt ist jedoch, dass sich Stundenlöhne unter 40,00 Euro langfristig nicht auszahlen dürften. Dies insbesondere deshalb, weil stets Auftragsflauten drohen und somit Zeiten von Verdienstausfällen überbrückt werden müssen.

Ein Rechenbeispiel

Nehmen wir an, ein Freelancer in Österreich möchte pro Monat ein Nettoeinkommen von 2.000,00 Euro nach Abzug aller Einkommens- und Versicherungsabgaben erzielen. Je nach der Höhe der individuellen regelmäßigen Ausgaben müsste der Freelancer einen monatlichen Durchschnittverdienst zwischen 3.500,00 bis 4.000,00 Euro haben, um die 2.000,00 Euro zu erreichen. Dies entspricht einem wöchentlichen Einkommen von 1.000,00 bis 1.200,00 Euro brutto.

Die Wochenarbeitszeit, um dieses Ziel zu erreichen, kann vom Freelancer eigenständig festgelegt werden. Hierbei sind Wochenarbeitsstunden sind sieben bis 70 Stunden möglich, da die Selbstständigen in Bezug auf die mögliche Anzahl ihrer minimalen oder maximalen Arbeitsstunden je Woche keine gesetzlichen Vorgaben haben, an welche sich diese halten müssten. Viele Business Coaches veranschlagen einen Stundenlohn zur Höhe von 150,00 Euro pro Stunde.

Gemäß dieses Stundensatzes müssten die Freelancer dann nur sieben Stunden pro Woche arbeiten, um monatlich 2.000,00 Euro netto zu verdienen. Das niedrigste, und gerade noch realistische, Honorar eines Selbstständigen in Österreich beträgt etwa 15,00 Euro.

Bei diesem Stundensatz müssten Selbstständige rund 70 Stunden für den gleichen monatlichen Nettobetrag arbeiten. Da eine solch hohe Arbeitsbelastung schnell zu Überforderung und schlimmstenfalls zu einem Burn-Out führen kann, ist kritisch zu hinterfragen, ob und wie lange Selbstständige unter einem solchen Druck gute Arbeit abliefern können.

Der Mindeststundensatz

Ein Mindesteinkommen von 2.000,00 Euro netto gilt bei Selbstständigen in Österreich als absolute Mindestgrenze, um von der Selbstständigkeit leben zu können und nicht permanent „ausgebeutet“ zu werden. Um diese 2.000,00 Euro netto kontinuierlich verdienen zu können, gilt ein Stundensatz von 50,00 Euro als absolute Untergrenze bei der eigenen Einkommenskalkulation.

Freelancer müssen dann 20 Arbeitsstunden pro Woche „verkaufen“. 20 Stunden Arbeit gelten hingegen als nicht vergütete Arbeitszeit (Zeit, die beispielsweise für die Kundenakquise oder für Weiterbildungen genutzt wird). Die Wochenarbeitszeit liegt somit bei rund 40 Stunden. Hierbei handelt es sich um einen realistischen Wert, der nicht zu Überforderung führen dürfte und der auch der Arbeitsbelastung von Angestellten in Österreich entspricht.

Da es sich bei der obigen Berechnung des Wertes von 20 Arbeitsstunden pro Woche um einen Durchschnittswert handelt, ist es besser, großzügiger, etwa mit 41 bis 42 Stunden, zu rechnen.

Der realistische Stundensatz

Ein realistischer und auf Langfristigkeit angelegter Stundensatz für Selbstständige in Österreich beträgt zwischen 70,00 bis 90,00 Euro. Das monatliche Nettoeinkommen würde dann mehr als 2.000,00 Euro betragen. Zum Vergleich: Ein Angestellter in Österreich verdient monatlich über 2.000,00 Euro netto und dies gleich mal 14!

Bei der Berechnung eines realistischen Stundensatzes sollten Selbstständige unbedingt darauf achten, auch die Arbeitsstunden, die nicht vergütet werden, realistisch einzuschätzen.

Eine sorgfältige Kundenakquise, das Knüpfen wichtiger Geschäftskontakte, die Vernetzung in der Branche, die Verwaltung des eigenen Unternehmens und die damit einhergehende Administration sowie Nach- und Vorbereitungen von Aufträgen können viel Zeit in Anspruch nehmen. Diese Zeiten senken den Stundensatz immer drastisch, ohne dass Selbstständige effektiv entgegenwirken könnten. Ein hektisches und fehlerhaftes Arbeiten wäre, gerade für Neulinge in der Branche, ein enormes Geschäftsrisiko.

Die Preisverhandlungen

Selbstständigen ist zu empfehlen, in Verhandlungen zur Preiskalkulation mit möglichen Kunden offen über die monatlichen Fixkosten zu sprechen und auf mögliche Zeiten von Auftragsflauten und sonstigen Verdienstausfällen hinzuweisen.

Viele potenzielle Auftraggeber stehen selbst unter enormen finanziellen Druck und möchten daher die Kosten für mögliche externe Mitarbeiter möglichst gering halten. Wenn beide Seiten versuchen, die Einnahmen- und Ausgabenbelastung ihres Gegenübers zu verstehen, können weitaus realistischere Bezahlungen vereinbart werden.

Vor- und Nachteile der eigenen Kalkulation des Stundensatzes bei Selbstständigen in Österreich

Vorteile

  • viel Freiheit und Flexibilität
  • das Gefühl „sein eigener Herr zu sein“
  • eine gute Kalkulation kann zu hohen monatlichen Einnahmen führen
  • es gibt viele Vergleichswerte je Branche (dies vereinfacht die Kalkulation des eigenen Stundensatzes)
  • es gibt eine Vielzahl professioneller Beratungsstellen und Steuerberater, die bei der Kalkulation behilflich sein können
  • Online Calculator können für mehr Planungssicherheit sorgen

Nachteile

  • viele Faktoren können die beste Planung „über den Haufen werfen“ (zum Beispiel ein unerwartetes Kippen der eigentlich guten Marktlage oder längere Krankheitsausfälle)
  • Neulinge in der Branche können ihre monatlichen Ausgaben häufig nicht realistisch einschätzen
  • Selbstständigkeit schafft immer Unsicherheiten und Abhängigkeiten
  • viele unbezahlte Arbeitsstunden (zum Beispiel für Akquise oder Weiterbildungen)
  • Online Calculator, Steuerberater und öffentliche und private Beratungsstellen geben teils widersprüchliche Auskünfte

Fazit

Abschließend lässt sich festhalten, dass die Kalkulation des eigenen Stundensatzes viele Selbstständige in Österreich, insbesondere Neulinge im Bereich Freelancing, überfordert. Dies hat den Grund, dass viele Selbstständige ihre monatlichen Ausgaben nicht realistisch einschätzen können, da hier schlicht und einfach die Erfahrung fehlt.

Gerade wenn eigene Ersparnisse für die Selbstständigkeit verwendet wurden oder wenn die Selbstständigkeit nur über Kredite finanziert werden konnte, ist der finanzielle Druck teils enorm. (Möglichen) Selbstständigen kann daher nur dazu geraten werden, sich vor der Gründung des eigenen Unternehmens so gut wie möglich über die Thematik Berechnung des eigenen Stundenlohns zu informieren und hierbei unter Umständen auch professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.

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