Wirtschaftsbund: Teilarbeit im Krankenstand ermöglichen – Interview mit Mag, (FH) Kurt Egger

Interview: Mag, (FH) Kurt Egger, Generalsekretär Wirtschaftsbund Österreich

Teilarbeit schafft jene Flexibilität, die wir jetzt am Arbeitsmarkt dringend brauchen!

In Österreich ist der Arbeitnehmer entweder ganz krank oder ganz gesund, dazwischen gibt es derzeit nichts. Der Wirtschaftsbund schlägt deshalb vor die Möglichkeit der Teilarbeit zu schaffen, bei der Patienten reduziert arbeiten können, wenn sie das möchten.

Für wen ist das Modell der Teilarbeit denkbar?

Fakt ist, dass nicht jede Krankheit automatisch zum Krankenstand und damit zum Arbeitsausfall führt. Ein Dachdecker etwa wird mit einem verstauchten Knöcheln nicht arbeiten können, wer einen Bürojob hat hingegen schon. Dazu gibt es derzeit jedoch keine Möglichkeit, selbst wenn es der Wunsch des Patienten ist.

Das Modell der Teilarbeit kann hier die nötige Rechtssicherheit und Flexibilität schaffen, die wir am Arbeitsmarkt so dringend brauchen. Generell soll natürlich gelten, dass jeder Fall vom Arzt individuell begutachtet, mit dem Patienten besprochen und dann gemeinsam mit ihm freiwillig entschieden wird.

In Schweden oder Schweiz etwa ist das Modell der Teilarbeit bereits seit Jahren etabliert und hat für mehr Rechtssicherheit und weniger Krankenstände gesorgt.

Die Corona-Krise stellt unsere Wirtschaft vor große Herausforderungen. Welche Vorteile würde das Modell der Teilarbeit in dieser Zeit bieten?

Corona hat uns eindeutig gezeigt, dass es zu einem Umdenken am Arbeitsmarkt, zu mehr Flexibilität und Dynamik kommen muss.

Die Teilarbeit kann Unternehmen und Arbeitnehmern die nötige Rechtssicherheit bieten und deeskalierende Effekte auf die wirtschaftliche und gesundheitspolitische Situation haben. Außerdem könnte man Präsentismus vermeiden – das heißt, dass Arbeitnehmer aus Angst den Job zu verlieren trotz Krankheit arbeiten gehen und dadurch ihre eigene Gesundheit, aber auch jene der Kollegen gefährden.

Müssen Arbeitnehmer bei der Teilarbeit dann krank zur Arbeit?

Nein, niemand soll arbeiten müssen, wenn er krank ist. Der Vorschlag beruht auf Freiwilligkeit und wird von Arzt und Patient klar definiert. Es gilt immer abzuwägen, was gesundheitlich individuell möglich und förderlich ist. Wir wollen ein dynamisches und freiwilliges Modell für jene schaffen, die arbeiten möchten.