Wie lange Zahlungsziel bei Rechnungen in Österreich? – Zahlungsverzug des Geschäftspartners

Warum das richtige Zahlungsziel auf eigenen Rechnungen so wichtig ist

Wenn man als Unternehmen Dienstleistungen oder auch Produkte zum Verkauf anbietet, dann bietet man den Kunden in der Regel diverse Arten der Bezahlung an. Die einfachste Variante ist in diesem Fall, wenn der Kunde die Dienstleistung, welche dieser in Anspruch genommen oder das Produkt, welches dieser gerne haben möchte direkt bezahlt.

Es besteht aber auch die Möglichkeit das Geld vor dem Versand des Produktes oder vor der Durchführung der Dienstleistung zu verlangen. Diese beiden Varianten sind aber nicht die einzigen beiden Methoden, über welche man sich mit den Kunden auf eine Zahlung einigen kann.

Definition: Was ist ein Zahlungsziel?

Das Zahlungsziel ist die Zeitspanne, die zwischen Wareneingang und der Begleichung einer Schuld aus einer Lieferung oder Leistung liegen darf.

Wichtig: Das jeweilige Zahlungsverzugsgesetz ist bei Geschäften anzuwenden, das Zahlen nach 30 Tagen ist Pflicht – Es kann jedoch eine abweichende Zahlungsfrist bzw ein anderes Zahlungsziel gesetzt werden. Details zur Richtlinie und den Gesetzestext findet man hier online.

Was für Arten der Zahlungen man seinen Kunden anbieten kann, wie die Rechnung in diesem Fall sehr wichtig ist und wieso man sich immer für ein klares Zahlungsziel auf der Rechnung besinnen sollte, erfahren die Betroffenen in diesem Artikel.

Welche Arten der Zahlungen kann man als Anbieter seinen Kunden anbieten?

Wenn man seinen Kunden unterschiedliche Arten der Zahlungen anbieten möchte, dann sollte man sich vorher darüber bewusst sein, dass einige Arten der Zahlung den Nebeneffekt mit sich bringen, dass man als Anbieter nicht sofort die gesamte fällige Summe erhält und, dass es in einigen Fällen auch zu zusätzlicher Arbeit kommen kann.

Wie ist das Zahlungsverhalten in Österreich?

Der KSV hat einen umfassenden Überblick zum Zahlungsverhalten in Österreich 2015 geschaffen.

Österreichische Firmenkundenzahlen rascher und verringern den Zahlungsverzug

  • Die Umfrage hat ergeben, dass75,6%derFirmenkunden innerhalb des vereinbarten Zahlungszieles Rechnungen begleichen.
  • Das durchschnittliche Zahlungsziel hat sich gegenüber dem Vorjahr um 1 Tag auf 25 Tageverlängert. Obwohl die Unternehmen also mehr Zeit für die Bezahlung der Rechnungen hätten, zahlen sie nach durchschnittlich 29 Tagen – also insgesamt um einen Tag schneller als 2014.
  • Der durchschnittliche Zahlungsverzug beträgt heuer 4 Tage, das ist um 2 Tage weniger als im vergangenen Jahr.
  • Dementsprechendgeben 64,3% der Befragten an, dass die Zahlungsmoralihrer Firmenkunden 2015 im Vergleich zu 2014 unverändert gut geblieben ist, das ist ein Plus von 6,1%.
  • 15,5%der Unternehmen meinen, das Zahlungsverhalten habe sich verschlechtert bzw. sei mit 11% unverändert schlecht.

Quelle und Details – KSV Österreich > https://www.ksv.at/media/608/download

Einen Überblick mit häufigen Fragen zum Thema “Zahlungsverzug des Geschäftspartners” liefert die WKO in diesem Ratgeber mit konkreten Tipps und Antworten.

Zusätzliche Arbeit entsteht den Anbietern immer dann, wenn der Kunde nicht rechtzeitig zahlt und die Tilgung möglicherweise vereinbarter Raten nicht einhält. Denn in diesem Fall muss man den Kunden erneut auf die Zahlung aufmerksam machen und sich darum bemühen, dass man an sein Geld kommt.

Bevor darauf jedoch weiter eingegangen wird, werden nun die möglichen Arten der Zahlung aufgezeigt. Kann ein Kunde eine größere Summe nicht auf einmal oder nicht zu dem bestimmten Zeitpunkt zahlen, zu welchem dieser das Produkt braucht oder die Dienstleistung in Anspruch nimmt, kann dieser mit dem Anbieter eine Ratenzahlung oder auch eine spätere Zahlung der gesamten Summe vereinbaren. In beiden Fällen schreibt der Anbieter eine Rechnung an den Kunden.

Wie gestaltet sich die Rechnung an den Kunden?

Bei der Rechnung an den Kunden handelt es sich um eine ganz normale Rechnung, auf welcher die Art der Dienstleistung oder das Produkt und auch die dafür anfallenden Kosten enthalten sind.

Dazu kommt auch immer die Art der Zahlung, welcher der Kunde gewählt und mit dem Anbieter vereinbart hat. Wichtig ist, dass Zinsen erhoben werden dürfen, wenn man sich als Anbieter auf eine Zahlung der Summe in Raten einlässt.

Ganz egal jedoch, ob es sich bei der einmaligen Zahlung der gesamten Summe zu einem späteren Zeitpunkt oder um eine Zahlung in Raten handelt, muss auf einer Rechnung immer das genaue Zahlungsziel stehen.

Das Zahlungsziel

Wie es der Name des Zahlungsziels bereits sagt, handelt es sich bei diesem um das Datum, zu welchem die Zahlung der Rate oder der gesamten Summe bei dem Gläubiger eingehen muss. Dabei muss sowohl der Tag, als auch der Monat und das Jahr genau bestimmt werden.

So weiß der Kunde, wann das gesamte Geld oder, an welchem Tag des Monats die fällige Rate jeweils eingehen muss. Somit hat der Anbieter seine Forderung klar gemacht und kann nun darauf warten, dass der Schuldner seine Rechnung bezahlt.

Wieso ist es so wichtig das Zahlungsziel so genau zu bestimmten und auf der Rechnung darzustellen?

Die Bestimmung des Zahlungsziels ist sehr wichtig, damit man als Anbieter sicher sein kann seine Zahlung zu erhalten oder, wenn dies nicht der Fall sein sollte, auf andere Möglichkeiten zurückgreifen kann, um an das Geld zu kommen.

Denn der Kunde verpflichtet sich mit dem Kauf, die Zahlung zu den genannten Konditionen auf der Rechnung zu tätigen und dem Anbieter somit sein Geld zu geben. Schließlich haben die Schuldner ein Produkt erhalten oder eine Dienstleistung in Anspruch genommen.

Wenn der Schuldner die Raten oder auch die gesamte Summe zu dem fälligen Datum zahlt, dann ist alles gut und es muss auf nichts weiter geachtet werden. Handlungsbedarf besteht erst, wenn sich dieser nicht an das Zahlungsziel hält. Denn anhand des festgelegten Zahlungsziels kann man auch ganz genau bestimmen, wann der Schuldner mit seiner Zahlung in Verzug gerät.

Worauf sollte man achten, wenn der Schuldner mit seiner Zahlung in Verzug gerät?

Wenn der Schuldner mit seiner Zahlung in Verzug gerät, also wenn dieser das Zahlungsziel nicht einhält und somit überschreitet, sollte man zunächst prüfen, ob es sich bei dem Zahlungsziel möglicherweise um einen Feiertag oder auch um ein Wochenende handelt.

Denn in einem solchen Fall führen die meisten Banken keine Überweisungen durch. Sollte dem so sein, sollte man sich für ein paar Tage in Geduld üben und warten, ob das Geld eingeht oder nicht. Sollte das Geld nicht eingehen, kann man dann zu den Schritten greifen, welche in den nächsten Abschnitten erläutert und dargestellt werden.

Wie reagieren bei Zahlungsverzug durch den Geschäftspartner?

Wenn der Kunde das Zahlungsziel nicht einhält und somit in Verzug gerät, dann ist das für den Schuldner mehr als ärgerlich. Oft möchte man in diesem Fall direkt das Inkasso Unternehmen beauftragen, um das Geld von dem Schuldner einzufordern.

So einfach, wie man sich das in diesen Fällen wünschen würde, ist es jedoch nicht. Denn bevor man zu dem Inkasso Unternehmen gehen und die Forderung durch dieses einholen lassen kann, muss man den Kunden darüber informieren, dass er sich mit der Zahlung in Verzug befindet. Dabei schreibt man dem Kunden eine Mahnung.

Die Mahnung

In der Mahnung weist man den Kunden darauf hin, dass die fällige Rate oder auch die gesamte fällige Summe nicht auf dem Konto eingegangen ist, wodurch ein Verzug des Kunden vorliegt. Da die Mahnung Aufwand, Zeit und Geld kostet, ist es dem Gläubiger erlaubt, die eigentliche Summe mit einem Aufschlag zu versehen und diesen, zusammen mit der zu zahlenden Summe, auf der Mahnung mitzuteilen.

In diesem Fall muss man nun ein erneutes Zahlungsziel setzen. Dieses ist, genau wie das erste Zahlungsziel wichtig, damit der Kunde weiß, bis zu welchem Datum er das Geld spätestens auf das Konto des Gläubigers überweisen muss.

Zudem dient dieses zweite Zahlungsziel dem Zweck, dass man sich als Anbieter wieder an einem Datum orientieren kann, zu welchem die Zahlung auf dem Konto eingegangen sein muss. Sollte auch diese Frist verstreichen, kommt es zu der zweiten Mahnung.

In dieser zweiten Mahnung hat das Zahlungsziel, welches erneut geändert werden muss, neben den bereits genannten und auch bestehenbleibenden Funktionen, eine weitere wichtige Funktion. Denn bei der zweiten Mahnung handelt es sich um die letzte Mahnung und somit letzte Möglichkeit für den Schuldner die vereinbarte Rate oder die gesamte Summe zu zahlen, ohne dass weitere Kosten auf diesen zukommen.

Dass dies das letzte Zahlungsziel ist und die Angelegenheit nach einem erneuten Ablauf und nicht erfolgter Zahlung an ein Inkasso Unternehmen weitergeben wird, muss in der Mahnung mitgeteilt werden.

Welche Möglichkeit hat man bei der Ratenzahlung noch?

Wenn die zweite Mahnung für die zu zahlende Rate abgelaufen sein sollte, kann man dem Schuldner eine letzte Chance geben, die Summe zu bezahlen. In diesem Fall kommt das letzte Zahlungsziel zum Einsatz.

Mit einem letzten Zahlungsziel und einer somit letzten Frist fordert man den Kunden auf die gesamte restliche fällige Summe auf einmal zu bezahlen, bevor die Angelegenheit an das Inkasso Unternehmen übergeben wird. Wenn der Kunde auch dieses Zahlungsziel verstreichen lassen sollte, kann man die Sache letzten Endes wirklich an das Inkasso Unternehmen geben, welches sich dann darum kümmert, dass der Gläubiger zu seinem Geld kommt.

Warum ist das Zahlungsziel so wichtig?

  • Das Zahlungsziel ist eine Orientierung für den Schuldner und auch für den Gläubiger. Der Schuldner weiß, zu welchem Datum die Zahlung fällig ist und der Gläubiger weiß, ab welchem Zeitpunkt dieser die Mahnung an den Schuldner schicken kann
  • Der Gläubiger kann die Zahlungen seiner vielen Kunden besser zuordnen, wenn er diese nach bestimmten Zahlungszielen sortiert
  • Nur eine Rechnung mit einem eindeutigen Zahlungsziel hat seine Gültigkeit

Was kann man tun, um Ärger mit dem Kunden zu vermeiden?

Es ist ärgerlich, wenn man an Kunden gerät, welche ihre Schulden nicht zahlen und somit die Rechnungen nicht begleichen. Aus diesem Grund sollte man sich im voraus immer über den Zahlungswillen und auch die Zahlungsfähigkeit informieren.

Diese ist vollkommen rechtens und darf von dem Anbieter durchgeführt werden, bevor dieser der Zahlung auf Rechnung oder in Raten zustimmt. Voraussetzung ist dafür aber, dass der Kunde mit dieser Prüfung einverstanden ist. Ist das nicht der Fall, findet der Kauf schlicht und ergreifend nicht statt.

Fazit

Bei einem Zahlungsziel handelt es sich um ein sehr wichtiges und fundamentales Bestandteil, welches auf jeden Fall und unter allen Umständen auf der Rechnung vorhanden sein muss. Nur hat man selbst als Gläubiger einen guten Überblick und eine gute Orientierung und auch der Kunde weiß, wann die Zahlung für ihn fällig wird.

Dabei ist es vollkommen unterschiedlich, ob man die Zahlung in die Nähe Zukunft oder auch in die nächsten Monate legt. Es ist im Grunde genommen alles möglich, solange die Ziele und auch die Rechnungen ganz einfach, vor allem aber klar definiert sind.

Wichtig: Bei Fragen für genaue Regeln für Unternehmer und Privatpersonen oder bei Streitigkeiten und offenen Fragen zu Forderungen können Sie sich an ein Inkassounternehmen (Eintreiben von offenen Forderungen) oder an einen Anbieter für Factoring wenden. Als Privatperson und Unternehmen können Sie sich bei offenen Fragen an einen Rechtsanwalt, die WKO oder die Arbeiterkammer für Beratung und weitere Informationen wenden.

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